Vertreterinnen des arabischen Frauenverbands Zenobiya auf einem Sofa sitzend der Kamera zugewandt.
V.l.n.r.: Fatin, Sprecherin des Bildungskomitees; Khud al-Isa, Sprecherin von Zenobiya; Buşra Mihemed, Mitglied der Koordination; Cîhan Mihamed, Koordinatorin in Raqqa | Foto: Judith Goetz

»Es braucht viel Bewusst­seins­arbeit«

Interview mit dem arabischen Frauen­verband Zenobiya in Nord­ostsyrien

Seit 2021 setzt sich der arabische Frauenverband Zenobiya in den Städten Raqqa, Tabqa, Manbij und Deir ez-Zor für die Stärkung von Frauen ein und fördert ihre politische und gesellschaftliche Teilhabe. Unsere Autorin Judith Goetz war im April 2025 mit einer Solidaritätsdelegation aus Österreich in Rojava und hat mit Mitarbeiterinnen von Zenobiya unter anderem darüber gesprochen, wie sich die Situation für Frauen nach dem Fall des IS verändert hat und welche Folgen der Gewaltherrschaft noch bis heute spürbar sind.

Das Interview führte Judith Goetz

10.06.2025
Veröffentlicht im iz3w-Heft 409

Judith Goetz: Wie ist Zenobiya entstanden?

Khud al-Isa:Zenobiya ist in einer Zeit entstanden, in der Frauen in unserer Region faktisch kein Leben hatten. Sie konnten nicht studieren, sie waren gesellschaftlich ausgeschlossen – es war eine Existenz ohne Perspektiven. Natürlich war die Lage in ganz Syrien schwierig, aber unter dem IS wurde es noch viel schlimmer.* Frauen wurden komplett ausradiert – es gab keinen Raum mehr für ihre Existenz, ihre Wünsche, ihre Würde. Sie sollten einfach nur gehorchen, Eigentum sein. Der Mann war der Sultan ihres Daseins. Und vieles davon wurde mit Religion legitimiert, auf eine Weise, die mit dem eigentlichen Glauben nichts zu tun hatte. Über das, was der IS Frauen angetan hat, könnten wir stundenlang erzählen. Und doch können wir es nicht beschreiben, es ist nicht beschreibbar.

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