Podcast: Rechte Identitäten und Geschlecht

Rezensiert von Mirko Maschewsky

21.10.2025
Veröffentlicht im iz3w-Heft 411

Die Medienlandschaft ist im Wandel. In den letzten zehn Jahren sind Podcasts zu einem wichtigen Medium geworden – auch der progressiven und radikalen Linken. Ob »Dissens«, »tl;dr – too long didn’t read?«, »Geschichte der kommenden Welten« oder unser eigener »Südnordfunk«-Podcast: Einiges an Theorie & Praxis wird inzwischen über dieses Medium vermittelt. Ein bedeutender Anteil linker Debatten wird heute ebenfalls im Podcast-Format geführt. Deshalb rezensiert die iz3w nun auch linke Podcasts. Los geht‘s mit einer empfehlenswerten Neuerscheinung vom März diesen Jahres: Und hier noch die Quellen von Ole Liebl.

Eine große Leistung des Podcasts ist, dass die heutigen Aus­wüchse des Patriarchats analysiert werden

In dem Podcast geht Ole Liebl mit akribischer Recherchearbeit, wissenschaftlicher Tiefe und kritischer Weitsicht auf die Identitätsbildungsprozesse rechter Männlichkeiten ein. Dabei wird immer wieder das Geschlechterbild der liberalen kapitalistischen Gesellschaft sowie dessen ideologische Instrumentalisierung durch regressive Kräfte entlarvt. Eine große Leistung seines Podcasts ist, dass die heutigen Auswüchse des Patriarchats analysiert werden – von Incels und Anti-Wokeness in der Manosphere, über Männlichkeits-Buisness-Coaches bis zu trans-exklusiven Feminist*innen. Daneben leistet er aber auch eine Menge queer-feministischer Theorievermittlung. Er spricht etwa mit der feministischen Autorin Koschka Linkerhand über das Verhältnis von Subjekt und Identität und erklärt evolutionsbiologisch, warum – entgegen dem »Standardmodell« menschlicher Sexualität – weiblich und männlich definierte Menschen gleichermaßen das Bedürfnis nach sozialem Bindungssex mit unterschiedlichen Partner*innen haben und was das mit Fürsorge für jung, alt und einander zu tun hat.

Auf die Frage, was seine Motivation zum Podcast war und wie er ihn beschreiben würde, antwortet er: »Ich habe das Gefühl gehabt, dass es zwar viele Podcasts gibt, aber keine, die sich zufriedenstellend mit feministischer Theorie auf einem nicht so hyperakademischen, aber anspruchsvollen Niveau bewegen. Mein Podcast zeichnet sich durch die Verwendung von Quellen aus. So können meine Arbeit und meine Aussagen nachvollzogen und kritisiert werden, wozu auch ein transparenter Prozess gehört, wenn ich Fehler mache. Ich finde, dass das zur Verantwortung von politischer Aufklärung und Wissenschaftskommunikation gehört.«

Mirko Maschewsky

Ole Liebl: »Und hier noch die Quellen«. Ein Podcast über Geschlecht, Sexualität und Liebe. Immer mit Quellen belegt. www.oleliebl.com/podcast

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