Rechtsradikalismus wirkt nicht nur durch Praktiken oder Diskurse, sondern auch im Raum. Wie lassen sich die räumlichen Dimensionen – hinsichtlich Nationalität, Geopolitik, Globalisierung, Migration oder Stadt-Land-Beziehungen – analysieren und für solidarische Politiken nutzbar machen?
»Rechte ‚nehmen‘ sich nicht einfach Räume«, schreibt dazu das Autor*innenkollektiv Terra-R in Das Ende rechter Räume. Die Debatte um rechte Landnahme sei oft verkürzt und übersehe, dass Gesellschaft und Staat daran mitwirkten, wenn etwa die Polizei rechte »Spaziergänge« gewähren lässt.
Weil kein Raum genuin rechts sei, überdecke der Diskurs Widersprüche. Das betrifft etwa Ostdeutschland: Emanzipatorisches Handeln gerät hier angesichts der Aufmerksamkeit für die Rechten aus dem Blick. Deshalb widmet Terra-R feministischen und antifaschistischen Konzepten und Initiativen – etwa aus Thüringen – ebenbürtig Platz.
»Räume sind ‚an sich‘ weder rechts noch links.«
Als Ausweg aus dem statischen Blick auf »rechte Räume« schlägt das Autor*innenkollektiv das Konzept der Territorialisierung vor. Es beschreibt das Herstellen und Gestalten von Räumen sowie die Kämpfe darum. Im Fokus stehen das »räumliche Agieren« der radikalen Rechten, etwa mit Kundgebungen, sowie »mediale und wissenschaftliche Verräumlichung rechter Mobilisierungen«, also deren Zuschreibung. Das bringt Bewegung in starre Vorstellungen rechter Räume.
Rechte Territorialisierung greift auch auf Körper zu: Körper werden essentialisiert, ausgebeutet und diszipliniert. Das Konzept cuerpo-territorio, das im Buch mit dem Colectivo Miradas Feministas und dem Colectivo de Geografía Crítica del Ecuador besprochen wird, macht den Zusammenhang zwischen Körper und Raum deutlich: wie, wenn zerstörerischer Bergbau die Gesundheit der Anwohnenden gefährdet – ermöglicht durch koloniale und patriarchale Kontinuitäten. Auch im Begriff Abendland zeigt sich, wie Territorium rassistisch mit Othering und Ausgrenzung bestimmter Körper verbunden ist. Rechte Territorialisierung ist nicht abstrakt, sondern betrifft die Freiheit und das Leben.
Das Buch ist kompliziert geschrieben. Auch wenn Wissenschaft hier gegen Vereinfachung anschreibt, könnten manche Passagen verständlicher sein – zumal es das erklärte Ziel des Kollektivs ist, in einen Diskurs zu intervenieren, der nicht nur akademisch, sondern auch politisch geführt wird. Tabellen, Übersichten und viele Beispiele helfen wiederum beim Verständnis. Es ist kein Buch zum allein lesen, sondern ein Anlass für Diskussion, wenn die Lage wieder aussichtslos scheint. Denn »Räume sind ‚an sich‘ weder rechts noch links.«