Seitenaufnahme einer lesenden YPJ-Kämpferin in Tarnkleidung am Steuer eines Autos
Lesende Kämpferin | Foto: Kurdishstruggle CC BY 2.0

Widerstand ist Leben

Gesellschaft­liche Selbst­verteidi­gung jenseits des Staates

Wurde durch das Waffenstillstandsabkommen nach dem jüngsten Großangriff durch die islamistischen Regierungstruppen das Ende der demokratischen Autonomieregion in Nord-/Ostsyrien besiegelt? In Rojava war der bewaffnete Kampf zur Verteidigung dieser Autonomie bisher allgegenwärtige Realität. Das Konzept von »Selbstverteidigung« unterscheidet sich dabei aber grundlegend von der militärischen Logik kapitalistischer Staaten – und verliert auch in der aktuellen Situation nicht an Bedeutung.

von Luna Azalea und Naim Schieber

08.03.2026
Veröffentlicht im iz3w-Heft 413
Teil des Dossiers Vorwärts marsch

Die Sonne verschwindet langsam hinter den Hügeln der Steppe und taucht die kleine Häuseransammlung in der Nähe der Stadt Derîk in orangefarbenes Licht. Das Dorf, in dem wir im September letzten Jahres zu Besuch sind, ist Zufluchtsort für Familien, die aus Afrin vertrieben wurden. Dort startete die Türkei im Jahr 2018 eine große Militäroffensive auf die Stadt, die damals noch Teil der demokratischen Selbstverwaltung war. Die Offensive, die in Kooperation mit syrischen Milizen durchgeführt wurde, endete mit der Besatzung von Afrin und der Vertreibung eines Großteils der kurdischen Bevölkerung.

»In Afrin war die Selbstverwaltung besonders hoch entwickelt«, erzählt Jina, eine junge Frau aus dem Dorf. »Deswegen haben sie uns angegriffen.« Auch hier, in dem kleinen Dorf bei Derîk, setzen die Familien aus Afrin die Selbstorganisation fort. Bei den wöchentlichen Kommunentreffen besprechen die Familien die aktuelle Lage, organisieren Aufgaben des alltäglichen Lebens und bilden sich gemeinsam – auch an der Waffe.

In der naheliegenden Stadt Derîk laufe die Organisierung der Stadtbevölkerung schleppender, zur Teilnahme an den Kommunentreffen, die jeden Samstag stattfinden, müssten die Leute animiert werden. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Selbstorganisierung sei nicht so stark ve

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