Gefährlicher Smog | Neue UN-Maßstäbe für die Weltkarte
Ein gefährlicher Smog
»Selbst im Haus, wo alles geschlossen war, drang der Rauch herein. […] Wir leben damit, seit ich geboren bin. Es ist jedes Jahr dasselbe, […] Aber dieses Jahr ist es schlimmer.« So beschreibt Rizma Nur Fatimah im BBC-Interview die katastrophale Lage in Südostasien. Eine schlimme Rauchkrise beherrscht die Region: Seit Mitte Juli wüten Waldbrände in den indonesischen Gebieten Kalimantan und Sumatra. Der giftige Smog hüllt weite Teile des Landes ein, zieht über Singapur, Malaysia, die Philippinen und erreicht nun auch Südthailand.
»Diese Feuer sind das Erbe von 50 Jahren Waldzerstörung«
Waldbrände sind in Indonesien ein jährliches Phänomen, doch die aktuelle Zerstörung nimmt drastische Ausmaße an. Angefacht wird dies durch die extreme Trockenheit des Wetterphänomens El Niño, doch die Hauptursache ist menschengemacht. Die jahrzehntelange Rodung und Entwässerung tropischer Wälder und Torfgebiete hat die Böden in tickende Feuergruben verwandelt. Ausgetrockneter Torf lässt Feuer unterirdisch einfach weiterbrennen. »Und je mehr Wasser man dann zuführt, desto mehr Rauch entsteht«, erklärt der Landschaftsökologe David Gaveau von Nusantara Atlas im Interview mit The Guardian. »Diese Feuer sind das Erbe von 50 Jahren Waldzerstörung, Abholzung und insbesondere der Eingriffe in Torfgebiete.«
Hinzu kommen illegale Feuer zur billigen Rodung von Plantagen. Indonesien ist der weltweit größte Palmölproduzent. Unter den trockenen Bedingungen geraten die Brände schnell außer Kontrolle. Die Ausbreitung ist grenzenlos und die körperlichen Folgen sind fatal: »Während wir schlafen, atmet die ganze Familie nur noch Rauch ein«, schildert eine Betroffene. »Die Augen brennen und tränen jeden Tag. Man hat das Gefühl, wenn wir diesen Smog weiter einatmen, nimmt der Schwindel überhand und unsere Körper geben einfach auf.« Mark Parrington vom Copernicus Atmosphere Monitoring Service betont, dass Waldbrände überregional wirken und keine rein lokale Herausforderung sind.
Auch politisch wird der Smog zur Krise. Die indonesische Regierung rief im August die Alarmstufe 3 aus, konnte jedoch die Brandherde nicht unter Kontrolle bringen. Während die Nachbarländer längst unter der giftigen Luft litten, bestritt die Regierung zunächst, Beschwerden erhalten zu haben. Erst Mitte September erzwang die Not ein Umdenken: Präsident Prabowo Subianto bat Malaysias Vizepremier offiziell um Unterstützung. Japan schickte über 300 Soldaten und Malaysia entsandte Hubschrauber und Löschflugzeuge. Kurzfristig können diese internationalen Maßnahmen helfen – doch wie sieht die Zukunft aus? Mit Blick auf den Klimawandel reicht die bloße Hoffnung auf die Regenzeit nicht aus. Es braucht funktionierende Brandschutzpläne.
Eine neue Sicht auf die Welt
Gute Nachrichten! Am 4. September haben 164 Länder der Vereinten Nationen für die »Correct the Map«-Resolution gestimmt. Damit signalisierten sie ihre Unterstützung für die Etablierung einer neuen, gerechteren Weltkarte: die Equal-Earth-Projektion. Anders als etablierte Weltkarten bildet diese Projektion alle Länder in ihren korrekten Größenverhältnissen ab. Die Resolution soll nun Regierungen, Schulen, internationale Organisationen und Technologieunternehmen zur Nutzung ermutigen.
Meistverwendet wird heute noch die Mercator-Projektion – eine aus dem 16. Jahrhundert stammende Weltkarte für Seefahrer*innen. Diese zeigt jedoch ein verzerrtes Bild: Grönland wird beispielsweise gleich groß wie Afrika dargestellt, obwohl Afrika 14-mal größer ist.
Angestoßen von der Initiative #CorrectTheMap von den Organisationen Africa No Filter und Speak Up Africa, brachte Togo mit der Unterstützung der Afrikanischen Union die Resolution bis in die UN-Generalversammlung. Fara Ndiaye von Speak Up Africa verdeutlicht das Problem: »Afrika steht im Zentrum dieses Jahrhunderts, doch die Welt stellt es sich immer noch durch ein Werkzeug vor, […], in der Hälfte seiner wahren Größe. Diese Kluft zwischen Realität und Darstellung hat ihren Preis in der Art und Weise, wie über Afrika gelehrt und berichtet wird, wie mit ihm verhandelt und in es investiert wird. Diese Resolution verlagert die Beweislast auf diejenigen, die diese Verzerrung aufrechterhalten wollen.«
»Eine gerechte Welt beginnt mit einer gerechten Karte«
Aktivist*innen betonen zudem, es gehe nicht nur um technische Genauigkeit, sondern um Wahrnehmung: Je realistischer eine Weltkarte, desto eher kann ein Bruch mit Stereotypen über den Globalen Süden erfolgen.
Auch der togoische Außenminister Robert Dussey unterstreicht, dass Karten unser Weltverständnis, unsere Bildung und kollektive Wahrnehmung prägen: »Eine gerechte Welt beginnt mit einer gerechten Karte«. Nach dem Erfolg bei der UN plant Togo nun für Anfang 2027 in Lomé ein Treffen mit der UNESCO, der Afrikanischen Union und Technologieunternehmen wie Google Maps. Gemeinsam sollen Leitlinien für den Einsatz flächengetreuer Karten in digitalen Diensten, Schulen und UN-Dokumenten erarbeitet werden.
Quellen
- Bericht der BBC Indonesia mit einer Infografik über die Rauchdichte in der Region.
- Bericht in The Guardian mit einer Karte von Orten in Südostasien, die über den zulässigen Werten der Weltgesundheitsorganisation zur Luftverschmutzung liegen.
- Die digitale Geodaten- und Monitoringplattform Nusantara Atlas, betrieben von der französischen Gesellschaft TheTreeMap, macht Entwaldung durch Abholzung, Plantagen, Bergbau, Wald und Torfbrände quasi in Echtzeit sichtbar.
- Die offizielle Seite der #CorrectTheMap Kampagne berichtet über die Abstimmung bei der UN und erklärt die Bedeutung der Equal-Earth Projektion.