Sri Lankas Linke zwischen Revolution und Resignation
Wie geht es nach der Protestbewegung 2022 weiter?
Drei Jahre nach den Massenprotesten und dem Sieg einer vermeintlich linken Regierung bei den Wahlen im November 2024 kämpfen linke Aktivist*innen in Sri Lanka weiter. Das siegreiche Parteibündnis und sein Präsident werden den Erwartungen nicht gerecht.
Es sind die ersten Wahlen seit den Aragalaya(Singhalesisch für Kampf), den Massenprotesten im April 2022 (iz3w 398), die mit der Flucht des Präsidenten Gotabaya Rajapaksa endeten. Die Bilder der Proteste sind in Sri Lanka tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Fotos und Filmaufnahmen kursieren nicht nur in Aktivist*innenkreisen, sondern auch in der Bevölkerung: Es sind die Bilder, wie Menschen die Villa des Präsidenten stürmen und in seinen Pool springen. Oder von One Galle Face, Colombos zentrale Strandpromenade mit den angrenzenden, sonst stark befahrenen Straßen, voll Protestierender. Menschen berichten, wie man sich in der Menge sicher fühlen konnte, alle hätten sich umeinander gekümmert. Für einen kurzen Moment spielten Religion, Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit keine Rolle. Von überall her strömten die Menschen nach Colombo, um gegen die Korruption und Misswirtschaft der Regierung zu protestieren.
Was dem historischen Moment folgte, hat viele enttäuscht
»Those were the days, man« seufzen jetzt Chamod und Ravi, zwei Anfang-20-jährige Aktivisten nach einer improvisierten Demo zur Erinnerung an die Aragalaya, an der gerade zehn weitere Menschen teilgenommen haben. Auf einer Mauer am Rande des Galle FaceStrandes ist noch ein Graffiti zu entziffern, das ein Freund von Chamod gesprüht hat: »Power to the People«, in Singhalesisch, Tamilisch und Englisch.