Wider­stand statt Green­washing

Rezensiert von Johanna Bächle

11.06.2025
Veröffentlicht im iz3w-Heft 409

Führt der Green New Deal zu mehr Klimaschutz? Kann der Emissionshandel die Klimakrise abwenden? Peter Gelderloos erteilt diesen technokratischen, kapitalistischen ‚Lösungsansätzen‘ internationaler Regierungen in Tausend widerständige Territorien eine klare Absage. Der US-amerikanische Aktivist, Anarchist und Publizist unterstellt den Regierungen eine strukturelle Unfähigkeit, der Klimakatastrophe wirksam zu begegnen. Dieser Unfähigkeit setzt Gelderloos Graswurzelbewegungen entgegen, die das Potential hätten, die Zerstörung der Erde zu stoppen und ein gutes Leben für Alle zu ermöglichen.

In fünf Kapiteln zeichnet der Autor nach, wie auch Projekte der grünen Energieindustrie neokolonial und extraktivistisch wirken und eben nicht zur Rettung der Pflanzen, Tiere und Menschen beitragen, sondern zu deren Zerstörung. Dagegen plädiert Gelderloos für »tausend widerständige Territorien«, die sich in lokalen, selbstermächtigten und autonomen Zusammenschlüssen die Kontrolle über ihr eigenes Land und Leben zurückerobern. Von staatlicher und kapitalistischer Fremdbestimmung losgelöst, würden sie eine revolutionäre Antwort auf die Klimakatastrophe finden.

Besonderen Stellenwert widmet Gelderloos in seinem Buch indigenen Communities, die weltweit für ein Leben im Einklang mit der Natur kämpfen. »Zu behaupten, dass ‚der Mensch‘ für die ökologische Zerstörung verantwortlich ist, ist eine Fortsetzung des kolonialen Rassismus und eine Beleidigung für die Gemeinschaften, die gegen die Auslöschung gekämpft haben«, so Gelderloos.

Trotz der theoretischen Sprache veranschaulicht das Buch die Verschränkung von Staat, Kapital und der Fossillobby anhand vieler praktischer Beispiele. Gelderloos weist sowohl auf staatliche Repressionen als auch auf Widerstandsbewegungen hin. Diese erstrecken sich von Blockadeaktionen in Indonesien, Nordeuropa und dem Hambacher Forst, über Initiativen zu Ernährungssouveränität und agrarökologischer Landwirtschaft in Brasilien und Venezuela bis hin zu Wiederaneignungen städtischer Lebensräume.

Laut Gelderloos, könnten weder eine Weiterführung des Status Quo noch grüner Kapitalismus einen Ausweg aus der Klimakatastrophe bieten. Er folgert: »Deshalb müssen wir für eine Revolution kämpfen und unser Bestes geben, um zu gewinnen.« Das Buch bietet realistische Hoffnung und alternative Wege, die aktuell mehr denn je gebraucht werden.

Johanna Bächle

Peter Gelderloos: Tausend widerständige Territorien. Strategien für eine ökologische Revolution von unten. Unrast Verlag, Münster 2024. 328 Seiten, 22 Euro.

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