Was, wenn Transformation nicht Rettung bedeutet?
Sterbebegleitung der Moderne
Als Antwort auf Klimakollaps und Krisenphänomene wird häufig von Transformation gesprochen. Aber das kann alles und nichts bedeuten. Angesichts des laufenden Klimakollapses braucht es ein Umdenken und eine Praxis, die an die Wurzeln der herrschenden Verhältnisse geht. Wie kann das aussehen?
Transformation wird oft als ein umfassender Wandel beschrieben, der politische, ökonomische, kulturelle und ökologische Dimensionen zugleich umfasst. Diese Prozesse sind im Alltag präsent und werden auch als gestaltbar wahrgenommen. Doch Transformation zeigt sich weniger als Bewegung in eine gestaltbare Zukunft denn als ein Feld ungleich verteilter Unsicherheit, Widersprüche und gleichzeitiger Dynamiken.
Gesellschaftliche Transformationen sind umkämpfte und offene Phänomene. Sie sind unvorhersehbar und prozesshaft, verstrickt in verschiedene Praktiken, situative sowie kontextabhängige Konstellationen und gesellschaftliche Machtverhältnisse. Während autoritäre Transformationsvorhaben auf einer Zielvorgabe beharren, folgen emanzipatorische Veränderungen selten linearen Logiken; sie zeigen sich eher in fragilen Suchbewegungen – und vielen Rückschlägen. Transformation wird damit zu einem permanenten Umgang mit Ungewissheit. Vorstellungen eines erreichbaren Endzustands verlieren dabei an Bedeutung, weil die Bedingungen ihrer Umsetzung selbst in Bewegung sind. Anstatt zu fragen: »Wohin wollen wir?«, soll es mehr darum gehen, mit einer Gegenwart umzugehen, in der dieses »Wohin« immer wieder neu ausgehandelt werden muss.
Abschied von Gewissheiten
Degrowth erscheint als ein Ansatz, der gesellschaftliche Prozesse als gestaltbar denkt und sich auf ein heterogenes Feld von Kritik, Analyse und normativen Vorstellungen bezieht. Degrowth-Bemühungen stecken jedoch oftmals im Spannungsfeld