Unterm Radar im März
Kurznachrichten global
Erfolg für Arbeiter*innen in Brasilien
VW wegen Sklavenarbeit verurteilt
Pedro Pereira Vasconcelos erinnert sich: »Von frühmorgens bis spät in die Nacht mussten wir arbeiten. Sie haben uns Pistoleiros - bewaffnete Wächter - geschickt. Wer weglief, konnte erschossen werden, wurde in den Fluss geworfen. Das war hart.« Von 1974 bis 1986, während der Militärdiktatur, zwangen die Betreiber der Rinderfarm Companhia Vale do Rio Cristalino (CVRC) Menschen per Schuldknechtschaft und Waffengewalt zur Arbeit. Im August 2025 hatte das Arbeitsgericht in Redenção Volkswagen do Brasil Indústria de Veículos Automotores Ltda. erstinstanzlich zu Zahlungen von 165 Millionen Reais (zirka 27 Millionen Euro) verpflichtet - laut der Staatsanwaltschaft die höchste in Brasilien je verhängte Geldstrafe wegen moderner Sklavenarbeit.
Dagegen hatte der Großkonzern Einspruch eingelegt. VWs Verteidigung argumentierte, dass VW nicht verantwortlich gemacht werden könne, da der Konzern lediglich Aktionär der Farm war. Das Regionale Arbeitsgericht TRT-8 wies den Einspruch Ende Februar 2026 zurück und bekräftigte das Urteil. Bereits 2019 hatte das Arbeitsgericht Ermittlungen aufgenommen und bewertete die Schuldknechtschaft schlussendlich als sklavenähnliche Arbeit und VW als mitverantwortlich: Es »besteht kein Zweifel daran, dass die Verantwortlichen für die begangenen Verbrechen vorsätzlich und aus diskriminierenden Motiven gehandelt und systematisch eine schwache soziale Gruppe der brasilianischen Zivilbevölkerung angegriffen haben«. Neben Mord werfen die Kläger*innen VW auch Folter, Zerstörung von Regenwald, Kinderarbeit und Eindringen in Indigenes Gebiet vor. Die Brasilieninitiative Freiburg e.V. und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre solidarisierten sich im September 2025 in einem offenen Brief an VW mit den Arbeiter*innen. Neben Entschädigungszahlungen soll VW auch öffentlich Stellung nehmen und sich bei den Betroffenen entschuldigen.
Das bestätigte Urteil ist ein hoffnungsvolles Zeichen in einer Welt, in der internationale Großkonzerne vielerorts Menschen insbesondere im Globalen Süden ausbeuten können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Wem die Prinzipien der Menschenwürde ernst gemeint sind, übernimmt jetzt historische Verantwortung im Angesicht der Betroffenen, bevor diese inzwischen betagten ehemaligen Arbeiter von dieser Welt gehen.
Sorge vor Krieg in der äthiopischen Region Tigray
Alte Rivalitäten mit Eritrea
In Tigray im Norden Äthiopiens eskalieren seit Ende Januar Spannungen zwischen der äthiopischen Regierung, politischen und militärischen Gruppen in Tigray und dem Nachbarland Eritrea. Menschen in Tigray leben mit der Sorge, dass jeden Moment Krieg ausbrechen könnte. Zudem besteht die Gefahr, dass der Konflikt sich in einen regionalen Krieg am ganzen Horn von Afrika ausweiten könnte, in den etwa der Sudan und die rivalisierenden Regionalmächte VAE und Saudi-Arabien sich involvieren könnten.
Seit dem Ende des zweijährigen Kriegs 2020 bis 2022 zwischen der Zentralregierung Äthiopiens und der Tigray People‘s Liberation Front (TPLF) hat sich Tigray noch lange nicht von den Folgen der Gewalt erholt. In dessen Verlauf haben Regierungstruppen und ihre Verbündeten massive Gräueltaten an der Zivilbevölkerung begangen und im westlichen Tigray ethnische Säuberungen durchgeführt, bis zu 600.000 Menschen wurden laut einem Gesandten der Afrikanischen Union (AU) getötet. Nach wie vor sind 800.000 Menschen innerhalb der Region vertrieben und leben unter schlechten humanitären Bedingungen in Lagern. »Die Lage ist nach wie vor äußerst instabil, und wir befürchten, dass sie sich weiter verschlechtern und die ohnehin schon prekäre Menschenrechts- und humanitäre Lage in der Region noch weiter verschärfen wird«, erklärte die Sprecherin des Menschenrechtsbüros der Vereinten Nationen, Ravina Shamdasani, im Februar 2026.
Die ungelöste Notlage ist jedoch nur eine mehrerer Ursachen für die Spannungen Während dem Krieg verbündete sich die äthiopische Zentralregierung sich mit dem Nachbarland Eritrea und besiegte die TPLF. Heute sind die in diesem Bürgerkrieg kurzfristig verbündeten Nachbarstaaten [MB5] zerstritten. Neben der ungelösten Situation von Vertreibung innerhalb Tigrays gibt es weitere Aspekte, die die Spannungen verstärken. Im Juni 2026 finden in Äthiopien Wahlen statt, die äthiopische Regierung hat der TPLF den Status als politische Partei entzogen, sodass sie nicht antreten kann. Bei den Spannungen mit Eritrea geht es außerdem um Zugang zum Roten Meer. Seit Eritrea sich 1993 von Äthiopien abgespalten hat, verlor Äthiopien seinen Zugang zur Küste und den Häfen. Das Land muss fast alle Waren über das Nachbarland Dschibuti ein- und ausführen, das kostet sehr hohe Zölle. Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed machte jüngst Andeutungen, durch eine Invasion Eritreas wieder direkten Zugang zu den Häfen am Roten Meer erlangen zu wollen. Eritrea sieht diese Bestrebungen als Bedrohung seiner Existenz, weshalb es im aktuellen Konflikt sowohl die TPLF als auch bewaffnete Gruppen in Amhara unterstützt, um Äthiopien von innen heraus zu destabilisieren, so berichtet What happend last week.