Unterm Radar blickt auf unterbelichtete und vernachlässigte Nachrichten aus dem Globalen Süden
Illustration: Anni Eble

Proteste gegen Ebola-Quaran­täne­zentrum

Unterm Radar im Juli

von Sabine Adam

21.07.2026

Anfang Juni eskalierten Proteste in Nanyuki gegen ein US-amerikanisches Ebola-Quarantäne­zentrum. Sie richteten sich gegen die Pläne der USA, auf deren Gelände der Laikipia Air Base nahe Nanyuki eine Einrichtung für amerikanische Bürger*innen aufzubauen, die potenziell dem Virus ausgesetzt waren. Es kam zu Festnahmen und Gewalt aufgrund des Einsatzes von scharfer Munition und Tränengas durch die Polizei. Während der Demonstrationen kamen mindestens drei Personen ums Leben, darunter der 17-jährige Sylvester Muigai Ndung’u, der mutmaßlich von der Polizei durch einen Kopfschuss getötet wurde.

Den Protesten waren Sicherheitsbedenken gegen das inzwischen in Betrieb genommene Quarantäne­zentrum vorausgegangen. Diese stießen behördlicherseits auf mangelnde Transparenz und den Ausschluss der Bevölkerung bei der Planung. Mit der wachsenden Frustration verstärkte sich die Wahrnehmung, dass Kenia zum Auslagerungsort eines US-Risikos werde. Ein verantwortlicher Umgang mit einer Epidemie würde völlig andere Maßnahmen und Umgangsweisen erfordern. So war ein Demospruch bei den Protesten von Nanyuki im Juni: »Unser Land ist keine Müllhalde!«

Container mit einem Biossicherheitssystem für die Belandung in einem Flugzeug im Dunkeln, Menschen in Schutzanzügen
Im Rahmen der Operation Tranquil Shift wurde im April 2017 in Sierra Leone ein Flugzeug mit einem Biosicherheitssystem beladen, das nach dem Ebola-Ausbruch 2014 in Westafrika entwickelt worden war | Foto: U.S. Department of State Public Domain

Ebola Epi­demie ist keine regio­nale Gesundheits­krise

Zuerst hatte in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) die WHO den internationalen gesundheitlichen Notstand ausgerufen. Das Bundibugyo-Ebolavirus konnte sich dort stark ausbreiten (2.344 bestätigte Fälle und 930 Tote, Stand 20.7.2026), nachdem die Krankheit erst verzögert erkannt wurde. Schon im Jahr 2014 waren internationale Reaktionen, besonders die der WHO, auf die damalige Ebola-Epidemie in Guinea schwach. Trotz mehrfacher eindringlicher Warnungen von Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen schätzte die WHO die Bedrohung monatelang falsch ein. Die internationale Gemeinschaft hatte Ebola damals als regionale afrikanische Gesundheitskrise behandelt und erst reagiert, als daraus eine globale Gefahr wurde. Zudem führen die aktuellen Kürzungen der Gesundheitsfinanzierung durch die USA sowie andere westliche Geldgeber*innen im gesamten ostafrikanischen Raum zu medizinischen Versorgungsengpässen.

Die WHO befürchtet, dass der Höhepunkt der jetzigen Epidemie noch nicht erreicht sei. Die Trump Administration sagte dazu »man könnte nicht erlauben«, dass Ebola-Fälle erneut die USA erreichen. Während des Ausbruchs in Westafrika von 2014 bis 2016 wurde das Virus in die Staaten gebracht und mehrere Personen mussten auf US-amerikanischem Boden behandelt werden. Die Einrichtung in Nanyuki soll für Amerikaner*innen genutzt werden, die zwar dem Virus ausgesetzt waren, aber überwiegend asymptomatisch sind. Personen, die erkennbare Anzeichen der Krankheit zeigen, sollen zur Behandlung in andere Länder geschickt werden, jedoch sind Behandlungskapazitäten auch in Nanyuki vorgesehen. Kenianische Behörden gaben bekannt, die 50-Bett-Einrichtung würde auch der kenianischen Bevölkerung und ausländischen Staatsangehörigen zur Verfügung stehen, die US-amerikanischen Behörden bestätigten dies aber bisher nicht. Kenias Präsident William Ruto verteidigte das Vorhaben: Kenia stehe bei Washington für jahrelange Unterstützung und Hilfsmaßnahmen in der Schuld.

Desinfizierte grüne Arbeitskleidung der medizinischen Personals auf einer Wäscheleine und weiße Gummistiefel in einem Quarantänezentrum in Liberia 2013
Quarantänezentrum in Liberia 2013 | ©EC/ECHO/Cyprien Fabre

Gerichtlich verordnete Pause

Ende Mai hatte das Milimani High Court aufgrund einer Petition des Katiba Instituts* sowie Gesundheitsbedenken das bilaterale Abkommen pausiert. In einer Erklärung des Katiba Institutes wird betont, dass auch internationale Gesundheitsmaßnahmen »verfassungsrechtlicher Rechenschaftspflicht, Transparenz und Rechtsstaatlichkeit« unterliegen müssten. Das Quarantänezentrum dürfe also nicht ohne Kontrolle durch Parlament, Gerichte und Öffentlichkeit umgesetzt werden.

Satelliten­bilder zeigten den Ausbau der Quarantäne­zelte

Im Juni gaben US-amerikanische und kenianische Behörden bekannt, dass sie trotz gerichtlicher Anordnungen und Proteste an dem Plan festhalten. Die Konstruktionsarbeiten in Nanyuki wurden fortgesetzt. Flugzeuge des US-Militärs brachten daraufhin Ausrüstung und Personal nach Kenia. Satellitenbilder zeigten den Ausbau der Quarantänezelte. Infolgedessen wurde am 23. Juni Gesundheitsminister Aden Duale wegen der Missachtung des gerichtlich angeordneten Baustopps vor Gericht geladen. Nach einer Entschuldigung und der Zusage, die Arbeiten einzustellen, wurde er verwarnt. Sicherheit für den Baustopp gibt es dennoch nicht. Die Bevölkerung fordert vor Ort eine Bestätigung der vollständigen und permanenten Einstellung des Quarantänezentrums ein.

Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden die Namen der beiden anderen Todesopfer noch nicht veröffentlicht. Ende Juni kam es zu weiteren großen Protesten, die sich sowohl gegen das Vorhaben des Quarantänezentrums als auch gegen die Polizeigewalt im Gedenken an den bekannten Verstorbenen richteten. Berichten zufolge verliefen die jüngsten Protestaktionen friedlich. Dennoch wurden sie seitens der Polizei gewaltsam aufgelöst und mehrere Personen festgenommen. Die NGO Kenya Human Rights Commission (KHRC) wirft der Polizei unverhältnismäßige Gewaltanwendung, einschließlich des Einsatzes scharfer Munition und willkürlicher Festnahmen, während der Protestaktionen vor. »Eine Regierung kann nicht behaupten, sie würde eine Einrichtung zur Rettung von Menschenleben schaffen, während gleichzeitig durch rechtswidrige Polizeieinsätze Menschenleben genommen werden,« so George Morara, Direktor von Amnesty International Kenia. Die Menschenrechtsorganisation und ihre US-amerikanische Stelle fordern nun eine rasche Aufklärung und Aufarbeitung der Todesfälle.

Zwar sind öffentliche Massenproteste im Juli nahezu verschwunden, doch lokale Gruppen, Menschenrechtsorganisationen und Teile der Bevölkerung kritisierten weiterhin die Nähe der Anlage zu Wohngebieten, mögliche Gesundheitsrisiken und die mangelnde Beteiligung der Bevölkerung an der Entscheidung. Am 17. Juli wurden in dem Quarantänezentrum erstmals vorsorglich sieben US-amerikanische Mitarbeiter*innen der Hilfsorganisation Samaritan’s Purse untergebracht, die aus einem Ebola-Einsatz in der Demokratischen Republik Kongo zurückkehrten. Sie bleiben in einer 21-tägigen Quarantäne, wie es heißt.

Weiterführende Links

    • Das Katiba-Institut reichte eine Petition ein, in der es gegen die geplante Einrichtung von Ebola-Quarantäne- und Behandlungseinrichtungen in Kenia Einspruch erhebt
    • Ebola-Ausbruch: In Kenia wächst die Empörung über ein Quarantänezentrum für amerikanische Patienten*innen, siehe Le Monde Africa

Sabine Adam studiert Medienforschung in Dresden.

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