Proteste der Generation Z weltweit
Überblick in Wort und Bild
GenZ-Proteste verändern weltweit politische Machtverhältnisse: Von Nepal und Bangladesch über Kenia, Tansania und Madagaskar bis Marokko fordern junge Menschen Rechenschaftspflicht, Korruptionsbekämpfung, Meinungsfreiheit und Jobs. Auslöser sind Social-Media-Verbote, Wahlmanipulationen, Polizeigewalt oder soziale Ungleichheit. Die Generation Z organisiert sich digital über TikTok, Discord und Instagram, bewusst parteilos und dezentral. Während in Nepal und Bangladesch Regierungen stürzten, reagieren andere Staaten mit Repression, Internet-Shutdowns und Gewalt. Die globale Vernetzung verstärkt den Druck – doch die Erfolge bleiben lokal unterschiedlich.
Chile 2019
Als Reaktion auf eine Erhöhung der Preise im öffentlichen Nahverkehr kam es in Chile ab Oktober 2019 vermehrt zu Studierendenprotesten. Die Lage spitzte sich zu, als die konservative Regierung Chiles während der Covid-19-Pandemie Bildung, Renten und Pflege zunehmend privatisieren ließ. Es entstand eine Bewegung für mehr soziale Gerechtigkeit, besseren Zugang zu Bildung und eine funktionierende Gesundheitsversorgung. Die Aufstände erreichten am 8. März 2020 – dem Internationalen Feministischen Kampftag – bei einer Demonstration zur Erinnerung an die chilenische Militärdiktatur ihren Höhepunkt. Vier Millionen Menschen gingen auf die Straße, die Polizei reagierte mit massiver Gewalt, 20 Menschen kamen ums Leben. Zwei Jahre später, ein Hoffnungsschimmer – der linksgerichtete Politiker Gabriel Boric wird zum Präsidenten gewählt, seine geplante Verfassungsreform, die auf die Forderungen der Demonstrant*innen eingehen sollte, scheitert jedoch. Nach den Präsidentschaftswahlen Ende 2025, die der rechtsextreme Politiker José Antonio Karst gewann, besteht derzeit kaum Aussicht auf neuen Schwung in der Bewegung.
Sudan 2019
Zum Ende des Jahres 2018 nimmt im Sudan eine demokratische Revolution ihren Lauf. Die Protestierenden, unter der leitenden Kraft von Frauen, demonstrieren zunächst gegen steigende Lebensmittelpreise, treten im weiteren Verlauf der Proteste aber mit immer radikaleren Forderungen zum Sturz der Diktatur auf. Als Reaktion darauf stürzt im Jahr 2019 das sudanesische Militär den eigenen langjährigen Diktator Omar al-Baschir. Das sudanesische Volk begehrt weiterhin gegen das Militärregime auf. So auch am 3. Juni 2019 bei einer friedlichen Sitzblockade vor dem Militärhauptquartier in Khartum, die vom Militär auf brutalste Weise zerschlagen wird – 100 Menschen werden bei dem Massaker getötet. Doch die Zivilbevölkerung gibt nicht nach. Unter dem Druck der Oppositionsbewegung Forces of Freedom and Change (FFC) wird eine zivil-militärische Regierung etabliert, die Hoffnung auf einen demokratischen Wandel ist groß. Allerdings währt auch diese Übergangslösung nicht lange, im Jahr 2021 putscht das Militär unter General Abdel Fattah al-Burhan die Übergangsregierung und setzt Premierminister Abdalla Hamdok fest. In der Folge kommt es zu Machtkämpfen zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) – der bis heute anhaltende verheerende Bürgerkrieg entbrennt.
Nigeria 2020
Seit den 1990er-Jahren besteht das Special-Anti-Robbery-Squad, eine Spezialeinheit der nigerianischen Polizei. Gegründet wurde sie, um für Sicherheit zu sorgen, eine Zielsetzung, der die nigerianische Zivilbevölkerung im Jahr 2020 nicht mehr glauben kann. So wurden über Jahre Fälle von Folter, Entführungen, Überfällen, Vergewaltigungen und Hinrichtungen publik. Der Unmut über SARS war also bereits groß, als am 3. Oktober 2020 auf Twitter ein Video erschien, das die Erschießung eines nigerianischen Bürgers durch die Spezialeinheit zeigt. Innerhalb von sechs Tagen nach Erscheinen des Videos schafften es sogenannte »Yahoo Boys«, junge nigerianische ITler, Massen von Menschen gegen SARS auf die Straßen zu bringen. Es entstand eine hybride, sowohl digitale als auch analoge Bewegung. Am 20. Oktober 2020 eskalierte der Konflikt, als das Militär bei einer friedlichen Demonstration am Lekki Toll Gate auf Teilnehmende schoss und zwölf Menschen tötete.
Sri Lanka April 2022
Im April 2022 kam es in Sri Lanka zu Protesten gegen die Regierung des Premierministers Mahinda Rajapaksa. Anlass dafür waren Unzufriedenheiten mit Korruption, Vetternwirtschaft und der Handhabe der seit 2019 anhalten Wirtschaftskrise. Im Zuge der Proteste kam es zur gewaltvollen Besetzung des Finanzministeriums und der Büros des Präsidenten Gotabaya Rajapaksa. Das Rückgrat der Bewegung waren vor allem junge Leute, die den Galle Face Green besetzten, einen urbanen Strand in der Hauptstadt Colombo. Die Regierung reagierte mit Ausgangssperren, der Verhängung des Ausnahmezustandes, Verhaftungen und enormer Gewalt, die mehrere Demonstrant*innen das Leben kostete. Nach anhaltendem Druck der Zivilbevölkerung traten im Juli 2022 sowohl der Präsident Gotabaya Rajapaksa als auch der Premierminister Mahinda Rajapaksa zurück. Der Präsidentenpalast wurde besetzt.
Iran ab September 2022
Als Jina Mahsa Amini von der Sittenpolizei des Iran festgenommen und getötet wird, entbrennen im September 2022 Proteste gegen das totalitäre Mullah-Regime. Eine Liberalisierungsbewegung gegen das islamistische Regime, gegen Repression und gegen die Unterdrückung von Frauen* entsteht. Das Regime reagiert darauf, indem es vor allem junge Menschen gezielt umbringt oder ins Gefängnis schafft. Der Konflikt zwischen der Regierung und der Bevölkerung spitzt sich gegenwärtig zu einem humanitären Desaster zu. Gegen Proteste Anfang Januar wurde auf brutalste Weise vorgegangen, zwischen 6.000 und 25.000 Menschen sind dabei Schätzungen zufolge ums Leben gekommen. Derweil verwehrt die iranische Regierung ihrer Bevölkerung jeglichen Zugang zum Internet und somit jeden Kontakt zur Außenwelt.
Philippinen September 2025
Es reicht! Alle Beteiligten müssen bestraft werden! - »TAMA NA! LAHAT NG SANGKOT MANAGOT!«
Dieser Ruf hallt seit September 2025 in den Straßen Manilas, über den Luneta Park bis zum People Power Monument. Was sich hier entlädt, ist mehr als Wut über einen einzelnen Skandal. Es ist die Frustration über ein politisches System, in dem Korruption seit Jahren zum Alltag gehört.
Der Inselstaat Philippinen gehört zu den Regionen der Welt, die besonders stark von den Folgen der globalen Erwärmung betroffen sind. Jedes Jahr treffen Taifune mit zerstörerischer Kraft auf die Küsten. Ganze Gemeinden werden überschwemmt, Häuser zerstört, Existenzen ausgelöscht. In einem solchen Kontext entscheidet funktionierender Hochwasserschutz nicht nur über wirtschaftliche Schäden, sondern oft über Leben und Tod. Die Proteste brachen aus, nachdem hunderte Milliarden an staatlichen Geldern von Regierungsbeamt*innen veruntreut wurden, die eigentlich für Infrastruktur wie Hochwasserschutzprojekte vorgesehen waren. Und es ist nicht das erste Mal, dass Korruption in dieser Größenordnung auf den Philippinen auftritt: Während der Amtszeit von Präsident Noynoy Aquino gab es den Janet-Lim-Napoles-Düngemittelbetrug im Umfang von rund zehn Milliarden Pesos. Und unter Präsident Rodrigo Duterte, Präsident bis 2022, den Pharmally-Skandal um überteuerte Covid-19-Hilfsgüter. Bis heute wurde niemand für den Raub dieser öffentlichen Gelder zur Rechenschaft gezogen.
Die Menschen haben genug davon, dass bei Taifunen Gemeinden im Wasser versinken, während Bauunternehmer und ihre Familien mit teuren Luxusgütern Markenkleidung und SUVs prahlen. Vor allem Aktivist*innen marschieren auf den Straßen, Studierende verlassen ihre Hörsäle und Klassenräume. Verschiedene Gruppen inszenieren kreative Formen des Protests. Denn für viele liegt der Zusammenhang auf der Hand: Mit den Milliarden, die veruntreut wurden, hätten Krankenhäuser gebaut, Schulen modernisiert und dringend benötigte Care-Strukturen aufgebaut werden können, Ärzt*innen, Pflegekräfte und Lehrer*innen eingestellt werden können. Stattdessen fehlt das Geld dort, wo es für Millionen Menschen den größten Unterschied machen würde. Die Parole auf den Straßen bringt diese Wut auf den Punkt: »Tama na« – Es reicht. Im November 2025 und im Februar 2026 gehen die Menschen unter dem Trillion Pesos March erneut auf die Straße, es kommt zu Massenprotesten in 17 großen Städten auf dem gesamten Archipel. Die Internationale Koalition für Menschenrechte auf den Philippinen bezeichnete die Massenverhaftungen durch die Polizei und gewaltsamen Auflösungen der Versammlung als Menschenrechtsverletzungen.
Madagaskar, Oktober 2025
Trinkwasserkrisen und Stromausfälle, verursacht durch marode Infrastruktur, treiben im September 2025 die Generation Z Madagaskars auf die Straße. Selbst als die Regierung Andry Rajoelinas die Proteste gewaltsam niederschlagen lässt, lassen sich die Demonstrierenden nicht entmutigen. Nach anhaltenden Aufständen zeigen sich im Oktober Teile des Militärs und insbesondere die Eliteeinheit CAPSAT solidarisch mit der Bewegung. Am 12. Oktober ergreift CAPSAT die Macht, Andry Rajoelina muss fliehen. Ein historisches Ereignis – zum ersten Mal erkennen Putschisten die Macht der Gen Z an!
#GenZMadagascar | #GenZMada | #MitsanganaRyTanora (»Steht auf, Jugend« – Hymne der Bewegung) | #LeoDelestage (»Nase voll von Stromausfällen«)
Tansania Oktober 2025
Am 18. Oktober 2025 macht sich John Heche von der Chama cha Demokrasia na Maendeleo (CHADEMA), der größten Oppositionspartei in Tansania, auf den Weg zur Beerdigung von Raila Odinga – ein kurz zuvor verstorbener langjähriger kenianischen Politiker und Symbolfigur für die Oppositionsbewegung in Kenia. Auf seinem Weg wird John Heche am Grenzübergang verhaftet. Ein Videoclip, der im Getümmel über seine »Festnahme ohne Anschuldigung« gedreht wurde, ging viral. Innerhalb von drei Stunden mobilisierte sich die GenZ-Bewegung, nicht hinter Bildschirmen, sondern auf den Straßen – und zwar auf beiden Seiten der kenianisch-tansanischen Grenze. Junge Menschen liefen in Richtung Einwanderungszentrum, in dem Heche festgehalten wurde. Hunderte junge Menschen forderten seine Freilassung. Mit Erfolg. Dieses Ereignis, kurz vor den Wahlen in Tansania am 29. Oktober, brach das Eis des Schweigens und machte den Menschen in Tansania Mut, über Einschüchterungen der letzten Jahre zu sprechen. Viele äußerten sich öffentlich über Verhaftungen und Repressionen, die sie in den letzten Monaten und Jahren erlebt hatten.
Samia Suluhu Hassan, die nach dem Tod ihres Vorgängers Magufuli 2023 die Regierungsgeschäfte und damit das Präsidentschaftsamt übernommen hatte, war damit plötzlich nicht mehr die weniger autoritäre Nachfolgerin Mama Samia, sondern stand im Fokus landesweit hörbarer Kritik. Dennoch, sie gewann die Wahl und wurde als Wahlsiegerin vereidigt. Die zuvor aufkeimenden Proteste wurden durch einen Internetlockdown während der Wahlen Ende Oktober blockiert. Sie waren nicht spontaner Natur, sondern viele hatten plötzlich den Mut gefasst, ihre Kritik laut auf die Straße zu tragen. Medienaktivist*innen hatten den Führungsstil von Hassan scharf kritisiert, so etwa Enock Sikolia auf seinem YouTube Kanal The Kenyan Historian. Er beschreibt in »The Making of a Dictator: How Samia Suluhu Took Control of Tanzania«, wie es zu der Machtaneignung von Samia kam. Ein Beispiel für Netz-Aktivismus, der auch reale Folgen für die Mobilisierung von Straßenprotesten hatte: Die Aktivist*innen der Generation Z sowie etablierte Menschenrechtsorganisationen riefen zu einem Megaprotest am 9. Dezember auf, um den Rücktritt von Präsidentin Samia Suluhu Hassan zu fordern. Kurz zuvor waren schockierende Berichte über geheime Bestattungen, Massenverhaftungen und Vermisstenfälle im Zuge der Wahlproteste aufgetaucht. Die Zahl der angegebenen Todesopfer stieg im November ständig, mehrere hundert waren es mindestens. Die UN forderte eine unabhängige Untersuchungskommission. Die Lage in Tansania hatte sich – trotz Internetblockade – zu einer nationalen Krise ausgeweitet, die internationale Aufmerksamkeit erlangte: So legte das Europäische Parlament Widerspruch ein gegen die geplante Auszahlung von 156 Millionen Euro durch die EU-Kommission an Tansania. Die Afrikanische Union forderte eine Untersuchung der Vorfälle. Samia sagte die Feierlichkeiten für den Tag der Unabhängigkeit* ab. Seither legt die Angst vor Repression und die polizeiliche Kontrolle wieder den Teppich des Schweigens über die tansanischen Verhältnisse. Doch die Vernetzung der GenZ über Grenzen hinweg und Solidarität untereinander bleiben – wenngleich weitgehend unsichtbar, bis zum nächsten Clash.
Marokko, September / Oktober 2025
Milliarden-Investitionen des marokkanischen Staates in internationale Sportveranstaltungen wie die FIFA WM 2030 verärgern im Jahr 2025 vor allem junge Marokkaner*innen. Von den 8,2 Millionen GenZ-Angehörigen in Marokko sind 1,5 Millionen ohne Beruf oder Ausbildung. Vor diesem Hintergrund kommt es im September und Oktober 2025 zu Protesten für soziale Gerechtigkeit und Reformen des Bildungs- und des Gesundheitswesens. Über Discord organisiert das anonyme und dezentrale Kollektiv GenZ212 Proteste im ganzen Land. Es kommt wiederholt zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Demonstrierenden und Polizei. Aber die Proteste stoßen auch friedlichen Wandel an. Die Demonstrierenden wenden sich mit einem 8-Punkte-Manifest an den marokkanischen König Mohamed VI. – er wird der »größte Verbündete« der Bewegung. Die Regierung steht unter Druck, auf die Forderungen der GenZ einzugehen: Es werden mehrere Reformen verabschiedet, die dem Bildungs- und Gesundheitswesen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, Jobs kreieren, und darüber hinaus die politische Partizipation junger Menschen erleichtern sollen.
#GenZ212 | #WeDeserveBetter
Peru, Oktober 2025
Ab September 2025 kommt es in Peru zu Protesten gegen die Regierung der Präsidentin Dina Boluarte. Die Bevölkerung ist gebeutelt von jahrelangen politischen Krisen, steigender Kriminalität und einem korrupten Staat. Eine Rentenreform, die alle Volljährigen dazu verpflichtet, in die Rentenkasse einzuzahlen, bringt das Fass zum Überlaufen. Angehörige der GenZ blockieren wichtige Straßenkreuzungen und marschieren zum Kongressgebäude, es kommt vermehrt zu gewaltsamen Konfrontationen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Am 10. Oktober wird Dina Boluarte vom peruanischen Kongress aus dem Amt der Präsidentin enthoben, die Proteste ebben aber auch unter ihrem Nachfolger José Jerí nicht ab. Bei einer Demonstration am 15. Oktober tötet die Polizei einen Teilnehmer und verletzt 80 weitere. Auch Jerí bleibt nicht lange im Amt. Am 14. Februar 2026 wird auch er vom Kongress nach einem Misstrauensvotum abgesetzt. Die Lage in Peru bleibt instabil.
#QueSeVayanTodos (»Sie sollen alle gehen«) – gefordert wird Rücktritt der Präsidentin und die Auflösung des Kongresses
Indonesien, August 2025
Paramilitärische Elitepolizisten überfahren Ende August einen 21-jährigen Auslieferungsfahrer in Jakarta mit einem gepanzerten Wagen. Daraufhin wachsen die Proteste in Indonesien gegen die Regierung landesweit an. Doch der Grund der schnell wachsenden Protestbewegung ist ein bereits seit geraumer Zeit gewachsener Unmut, denn: Die Preise für Lebensmittel waren stark gestiegen. Gleichzeitig wurde es immer schwerer, eine fair bezahlte Arbeit zu finden. Daten der Weltbank zufolge arbeiten rund 60 Prozent der indonesischen Erwerbstätigen ohne ein stabiles Einkommen im so genannten informellen Sektor, in dem eine soziale Absicherung fehlt. Zunehmende wirtschaftliche Not und eine Politik, die als gleichgültig gegenüber den Problemen der einfachen Leute wahrgenommen wird, sorgten bereits seit langem für großes Missbehagen gegenüber der indonesischen Politik.
Die Protestierenden formulierten ganz konkrete Forderungen. So soll etwa die geplante Erhöhung von Zulagen wie Wohngeld für Parlamentsabgeordnete zurückgenommen werden. Die neue Bewegung »17+8« fordert die Regierung zudem auf, innerhalb einer Woche 17 dringende Aufgaben zu lösen. Auch fordert sie einen Untersuchungsausschuss zum Tod von Affan Kurniawan.
In den sozialen Medien hat sich schnell ein Demo-Logo verbreitet: ein Totenkopf mit einem gelben Strohhut. Das Motiv aus dem japanischen Anime One Piece, in dem Piraten für die Freiheit kämpfen, taucht also zum ersten Mal Ende August 2025 bei den Protesten in Indonesien auf. Es wird zum Sinnbild für Proteste in anderen Ländern wie Madagaskar.
#PolisiPembunuhRakyat (Polizei ermordet das Volk) - entstanden nach gewaltsamen Zusammenstößen und dem Tod eines Demonstranten im August 2025 | #KaburAjaDulu (»Einfach erst mal abhauen«) - zeugt von der Frustration junger Indonesier*innen über die politische Lage und Gesetzesänderungen
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Proteste gegen Polizeigewalt in Kenia, Juli 2025 | Foto: Storyzangu Hub -
Gegen die Steuerreform. Proteste in Kenia 2024 | Foto: Hassan Kibwana Unsplash
Kenia, 2024-2025
Am 9. Juni 2025 erschütterten erneut Demonstrationen und Proteste Kenia – mit Bildern, die an Straßenschlachten erinnern. In der Tradition der Protestbewegung »United We Stand: Citizens Rise Against Over-Taxation – Reject the Finance Bill 2024« ein Jahr zuvor, gingen auch diesmal wieder tausende Jugendliche und junge Erwachsene auf die Straßen.
Im Juni 2024 beschließt das kenianische Parlament in einer Eilsitzung ein Haushaltsgesetz, das eine Reihe von Steuererhöhungen vorsieht. Für die kenianische Bevölkerung und vor allem für die Jugend bedeutet dies eine Verschärfung der ökonomischen Herausforderungen, die ohnehin schon von starker Inflation und hohen Lebenshaltungskosten geprägt sind. Nach der Verabschiedung des Gesetzes stürmen Protestierende das kenianische Parlament und zwingen Abgeordnete durch Sicherheitstunnel zu fliehen. Nachdem der Blogger und Lehrer Albert Omondi Ojwang im Juni 2025 in Polizeigewahrsam stirbt, entbrennen die Proteste des vorigen Jahres erneut. Sie richten sich gegen, Polizeibrutalität und fordern Rechenschaftspflicht.
#RejectFinanceBill #RutoMustGo
Bangladesch, Juli 2024
Anfang Juli 2024 kommt es in Bangladesch erstmals zu friedlichen Protesten Studierender gegen eine Quotenregelung im öffentlichen Dienst, die knapp ein Drittel der staatlichen Stellen regierungsnahen Gruppen vorbehält. Als am 16. Juli 2024 regierungsnahe Schlägertruppen Demonstrierende attackieren, eskalieren die Proteste. Die Protestierenden bringen ihren Unmut über die autoritäre Regierung der Ministerpräsidentin Sheikh Hasina zunehmend militant zum Ausdruck, die Regierung reagiert mit enormer Brutalität, verhängt Ausgangssperren und schaltet landesweit das Internet ab. Schätzungen der UN zufolge kommen bei den Protesten bis zu 1.400 Menschen ums Leben.* Aber die Demonstrierenden geben nicht nach – am 5. August stürmen sie den Amtssitz der Ministerpräsidentin Sheikh Hasina, sie flieht per Hubschrauber nach Indien. Am 8. August tritt die Übergangsregierung unter Muhammad Yunus in Kraft. Anfang 2026 hat die Nationalistische Partei (BNP) die Parlamentswahl für sich entschieden. Sie weckt damit Hoffnungen auf eine politische Stabilisierung, denn im Wahlkampf hatte die Partei unter anderem Finanzhilfen für arme Familien, eine Begrenzung der Amtszeit für Regierungschefs und eine Stärkung der Wirtschaft durch ausländische Investitionen versprochen. Die islamischen Kräfte räumten zwar ihre Niederlage ein. Doch die gestürzte Ministerpräsidentin Hasina bezeichnete aus ihrem Exil in Indien die Abstimmung als »sorgfältig geplante Farce«.
#July36 | #StepDownHasina | #QuotaMovement
Serbien, 2024-2025
Am ersten November 2024 kommt es in Serbien zu einer fatalen Tragödie. In Novi Sad stürzt das Betondach des örtlichen Bahnhofs ein, tötet 16 Menschen und verletzt weitere schwer. Das Unglück löst große Proteste aus. Die Demonstrierenden werfen der Regierung vor, für das Unglück verantwortlich zu sein. Sie verschaffen ihrer Unzufriedenheit mit der Regierung von Miloš Vučević Gehör und protestieren gegen Korruption, mangelnde Transparenz der Behörden und die systematische Erosion demokratischer Rechtsstaatlichkeit in Serbien. Die Protestbewegung entwickelt sich nicht nur zu der größten Studierendenbewegung in der modernen Geschichte des Balkans, sondern schafft es auch, verschiedene gesellschaftliche Gruppen hinter einem Zweck zu vereinen. Mit politischem Erfolg: Mehrere Beamte treten ihre Ämter ab, der Ministerpräsident Miloš Vučević tritt im Januar 2025 zurück.
#protestisrbija (Haupt-Hashtag für Proteste in ganz Serbien) || #NoviSad #NoviSadProtests (Bezug zum Ursprungsort der aktuellen Welle nach der Bahnhofskatastrophe) | #studenti (Fokus auf die studentische Mobilisierung)
Mit finanzieller Unterstützung des Landtages Baden-Württemberg und des Staatsministeriums Baden-Württemberg über die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg