Frau protestiert für die Abschaffung eines Geflüchtetenlagers. Eine Frau hält ein Schild mit der Aufschrift "L'europa de la honte", auf deutsch "Europa der Schande" vor sich.
"Europa der Schande" - Protest für die Evakuierung des Lagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos | Foto: The Left | Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

»Wir sehen uns als Brücke«

Ein Interview mit Women in Exile

Die Organisation Women in Exile wurde 2002 von geflüchteten Frauen in Brandenburg gegründet. In ihrer Arbeit verbinden sie die Unterstützung von Geflüchteten mit dem feministischen Kampf gegen Sexismus und geschlechtsspezifische Gewalt. Ihr Ziel ist es, geflüchtete Frauen im Alltag zu ermächtigen.

Das Interview führte Vroni Heitmeier

10.06.2025
Veröffentlicht im iz3w-Heft 409
Teil des Dossiers Festung Deutschland

iz3w: Inwiefern sind geflüchtete Frauen von intersektionaler Diskriminierung betroffen?

Elizabeth Ngari:Geflüchtete Frauen werden doppelt diskriminiert in dieser Gesellschaft, erst als ‚Flüchtlinge‘, dann als Frauen, weil sie nicht unter denselben Bedingungen leben. Und es gibt viele Dinge, worauf sie kein Recht haben. Sie dürfen nicht arbeiten, zum Teil nicht mal zur Schule oder zum Sprachkurs gehen. Die Situation war und ist sehr schwierig für Frauen, die in Flüchtlingslagern leben. Die Unterbringung in geteilten Räumen sorgt für fehlende Privatsphäre und viele Konflikte. Es besteht zwar ein Anrecht auf einen sechs Quadratmeter großen Raum, allerdings wird man dort mit fremden Personen zusammengesteckt und muss mit ihnen leben. Zudem sind die Lager geschlechtlich gemischt und Frauen sind vielen körperlichen und sexuellen Belästigungen ausgesetzt. Es gibt da viele feministische Kämpfe auf unterschiedlichen Levels. Aber das Wichtigste für uns ist, die Frauen aus den Camps herauszubekommen.

Was folgt aus der Situation?

Wir haben uns deshalb organisiert und Kampagnen mit den Titeln »Keine Lager für Frauen und Kinder!« oder »Schafft alle Lager ab!« gestartet. Wenn Frauen und Kinder die Möglichkeit bekommen aus den Lagern auszuziehen, ist das ein Schritt zu einem besseren Leben. Das wäre ein Schritt zu mehr Integration und Teilhabe an der Gesellschaft. Wir kämpfen

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