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# 75 Die langen Schatten des Kolonialismus

Haiti war das erste Land in Lateinamerika, das sich durch einen Aufstand der Sklav*innen von der Kolonialherrschaft Frankreichs befreite. Doch die Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1804 hatte einen hohen Preis. Frankreich verlangte eine Entschädigungssumme von 150 Millionen Francs von dem Inselstaat in der Karibik – Eine riesige Summe, die die Steuern in Haiti bis ins 20. Jahrhundert nach oben und die öffentlichen Ausgaben langfristig nach unten trieb. Für den Südnordfunk # 75 im August haben wir mit der Literatur- und Geschichtswissenschaftlerin Marlene Daut über die Auswirkungen der französischen Kolonialherrschaft gesprochen. Außerdem schauen wir auf die Überschneidungen von Rassismus und Klassismus in Deutschland, koloniale Muster in der Berichterstattung der Tagesschau und das Erstarken des Hindunationalismus in Indien.

südnordfunk vom 4. August 2020 auf Radio Dreyeckland

Die ganze Sendung anhören

 

Wie Haiti zu einem der ärmsten Länder der Welt wurde

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Anfang des 19. Jahrhunderts war Haiti der erste unabhängige Staat in ganz Lateinamerika. 1791 begann der Weg zur Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich mit einem Aufstand von Sklav*innen. Über 20 Jahre später, im Jahr 1804 wurde aus der französischen Kolonie Saint-Domingue der Staat Haiti - und der Kampf der Sklav*innen zur ersten erfolgreichen Rebellion Versklavter in der Geschichte. Doch Frankreich hat das lange nicht akzeptiert und verlangte eine Entschädigung von 150 Millionen Francs von dem Inselstaat. Wir sprachen mit Marlene Daut über Frankreichs koloniale Praktiken in Haiti. Sie lehrt an der University of Virginia und hat mehrere Bücher und Artikel zur Haitianischen Revolution veröffentlicht. Ein Beitrag von Adèle Cailleteau.

 

Wenn der Globale Süden kein Thema ist

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Wer abends um acht pünktlich vor dem Fernseher sitzt und die Tageschau einschaltet, hat oft das Gefühl: Die wirklich wichtigen Dinge auf der Welt passieren in Europa, den USA und dem Nahen Osten. Politische Ereignisse aus den Ländern Lateinamerikas und Afrikas sind viel seltener eine Nachricht wert. Der Germanist Ladislaus Ludescher wollte diesen Eindruck in Zahlen messen und hat deswegen eine Langzeitstudie gemacht. Dafür hat er 10 Jahre Tagesschau und andere Leitmedien ausgewertet und sich angeschaut, welche Länder wie oft Thema sind. Die Ergebnisse sind deutlich: Gemessen an der Bevölkerungszahl kommen Europa, die USA und der Nahe Osten überproportional oft in der Tagesschau vor. Die Länder Lateinamerikas und Afrikas und die Südpazifikregion werden dagegen vernachlässigt. Im Interview mit Radio Corax erklärt Ladislaus Ludescher zuerst, welche Folgen diese verzerrte Repräsentation hat.

Die Studie "Vergessene Welten und blinde Flecken -über die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens" findet ihr hier.

 

"Individualisierung macht Diskriminerung unsichtbar"

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Wenn Schwarze Menschen arm sind, erleben sie andere Formen der Diskriminierung als arme weiße Menschen oder reiche Schwarze. Diese Diskriminierungen sind durch globale Machtstrukturen wie Kolonialismus und Kapitalismus gewachsen. Und haben ganz konkrete Auswirkungen- zum Beispiel in Deutschland. Wir haben uns von der Politikwissenschaftlerin Dimitra Dermitzaki vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung erklären lassen, was die Intersektion von Rassismus und Klassismus bedeutet und welches Ausmaß sie in Deutschland hat. Ein Interview von Antonia Vangelista.

 

War's das mit Indiens säkularem Pluralismus?

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Das indische Parlament verabschiedete im Dezember letzten Jahres ein neues Staatsbürgerschaftsgesetz, den Citizenship Amendment Act (CAA), welcher Migration von Menschen verschiedener Religionen und Ethnien aus umliegende Staaten erleichern soll, Muslime*a aber ausdrücklich ausklammert. Knapp 2 Millionen indische Muslime*a fürchten nun, von der hindunationalistischen BJP Regierung staatenlos gemacht zu werden. Dagegen gab es riesige Proteste, die im Februar bei den Ausschreitungen in Delhi einen brutalen Höhepunkt erreichten: dutzende Menschen – vor allem Muslime – wurden vom hinduistischen Mob getötet. Der Gesetzesvorstoß hat systematische pogromartige Angriffe auf die muslimische Bevölkerung wieder befeuert. Inzwischen haben mindestens acht indische Bundesstaaten angekündigt, das Gesetz nich zu implementieren.

Lalit Vachani, Wissenschaftler, Dozent an der Uni Göttingen und Dokumentarfilmer, sieht das Land in eine autoritäre, hindunationalistische Richtung wandern. Die Regierungspartei BJP kommt aus der Tradition der hindunationalistischen Organisation RSS. unter verschärften Bedingungen, wie der Ausgangssperre aufgrund der Gesundheitskrise nach dem ersten Lockdown am 4. März sieht Vachani antimuslimischen Rassismus weiter anwachsen Ein Beitrag von Meike Bischoff.

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Proteste & Energiekrise in Haiti

Beiträge zu 1968 international

Pedro Monaville ist Assistant-Professor an der New York University in Abu Dhabi und forscht zu linker Protestgeschichte im Kongo. Der südnordfunk sprach mit ihm über die Studentenbewegung 1968 im Kongo.

 

Edith Gonzalez aus Mexiko über das Massaker von Tlatelolco:  Mexiko1968 war das Jahr der Olympischen Spiele in Mexiko. Es war auch ein Jahr des gemeinsamen Aufbegehrens gegen ein autoritäres Regime und seine Gewalt. Edith Gonzalez nahm als Dreizehnjährige an den Mobilisierungen teil.

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