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Seven years after – was bleibt vom Arabischen Frühling?

Eine Diskussionsveranstaltung von iz3w & jungle world
Wann 22.03.2018 um 20:00 bis
23.03.2018 um 00:00
Wo K-Fetisch (Wildenbruchstraße 86/ Ecke Weserstraße, Berlin-Neukölln)
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Gebannt verfolgte die Weltöffentlichkeit, was zu Jahresbeginn 2011 in arabischen Ländern geschah: In Tunesien vertrieb eine spontan entstandene soziale Bewegung den autoritären Präsidenten Ben Ali von der Macht. Einen Monat später war es in Ägypten so weit: Präsident Mubarak musste nach anhaltenden Protesten zurücktreten. Der Tahrirplatz in Kairo wurde weltweit zum Symbol einer jungen hoffnungsvollen Demokratiebewegung, die nicht nur im Westen viel Sympathie erfuhr.

Ein Jahr später war eine große Ernüchterung eingekehrt, die bis heute anhält. In Syrien ging das Assad-Regime mit äußerster Brutalität gegen Oppositionelle vor, was einen lang anhaltenden opferreichen Krieg zur Folge hatte. In Libyen wurde die Herrschaft des Gaddafi-Regimes durch diejenige von Rackets ersetzt. In allen arabischen Ländern waren islamistische Strömungen auf dem Vormarsch, was in Irak und Syrien sogar in die Schreckensherrschaft des „Islamischen Staates“ mündete.

Heute herrscht in sowohl in konservativen wie in linken Kreisen Konsens darüber, dass der Arabische Frühling nicht nur krachend gescheitert sei, sondern nurmehr neue Barbarei hervorgebracht habe. „Die arabische Rebellion war ein Desaster“, fasst zum Beispiel der Cicero diese Einschätzung zusammen und führt als eines von vielen Beispielen an: „In Ägypten artete die ‚Revolution‘ auf dem Tahrir-Platz in eine Massenvergewaltigung aus, und statt von Hosni Mubarak wird das Land nun von einer anderen Militärdiktatur regiert.“

Linke sehen das ähnlich, mit dem Unterschied zu den Konservativen, dass für sie allein der Westen und seine ideologischen Hilfstruppen verantwortlich sind für die Misere. Konkret-Herausgeber Gremliza beispielsweise kleidet diese antiimperialistische Sichtweise in die Frage: „Auf wie viele Erschossene, Verbrannte, Vergiftete oder sonstwie an Leib und Leben Versehrte es Vorbereitung, Führung und Liquidation des »Arabischen Frühlings« gebracht haben und noch bringen werden, bis die als NGO firmierenden Hilfstruppen der imperialistischen Staaten oder wenigstens die Linkischen der Kriegstreiber endlich ein Einsehen haben?“

Mit unserer Veranstaltung wollen wir diese Sichtweise zurechtrücken. Der Arabische Frühling war angesichts der bleiernen Verhältnisse ein absolut notwendiger sozialer Aufbruch, kein imperialistisches Unternehmen. Die Intentionen seiner maßgeblichen ProtagonistInnen waren Demokratisierung und soziale Gerechtigkeit, nicht Islamisierung und Krieg. Dass die Revoltierenden bittere Niederlagen erleiden und viele Opfer erbringen mussten, kann ihnen nicht zum Vorwurf gemacht werden. Sie sind auch nicht verantwortlich für die mangelnde Unterstützung seitens des Westens und die tödliche Einmischung von Akteuren wie Iran, Türkei, Russland, Saudi Arabien, die Emirate und Qatar.

Die Redaktionen von iz3w und jungle world sowie unsere AutorInnen haben die emanzipatorischen Bestrebungen in arabischen Ländern von Beginn an intensiv publizistisch unterstützt. Daran halten wir fest, und deshalb fragen wir uns sieben Jahren nach seinem Beginn: Was bleibt vom Arabischen Frühling? Wie ist aktuell die Lage in Tunesien, Ägypten und anderen Ländern? Welche Erfolge konnten die Demokratiebewegungen erstreiten? Wie hat sich der Arabische Frühling auf die Lage von Frauen und Feministinnen ausgewirkt? Und wie soll das alles weitergehen?

Es diskutieren Bernd Beier, Juliane Schumacher, Jörn Schulz und Hannah Wettig. Moderation: Christian Stock.