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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 286 | Kriminalliteratur aus dem Süden Pepetela: Jaime Bunda, Geheimagent

Pepetela: Jaime Bunda, Geheimagent

Unionsverlag, Zürich 2004, 381 S., 19,90 Euro

Rezension: Politische Machenschaften als Komödie

Es beginnt mit dem Mord an einem Mädchen. Weil der Fall simpel zu sein scheint, wird der junge Praktikant Jaime Bunda mit den Ermittlungen der Sicherheitsbehörden beauftragt. Jaime Bunda, dessen Name nicht von ungefähr an James Bond erinnert, ist so gar nicht das, was man mit dem Namen der berühmten Filmfigur verbindet. Er bekam seine Stelle nicht etwa wegen herausragender Leistungen, sondern aufgrund des Einflusses seines Cousins, der in einer höheren Etage desselben Büros tätig ist. Auch das Aussehen Jaime Bundas entspricht nicht dem smarten Erscheinungsbild der Bond-Darsteller, denn Jaime ist untersetzt und hörbar kurzatmig.

Überdies hat Jaime Bunda eine Marotte: Er liest gerne Kriminalromane. Und so beginnt er seine Ermittlungen im Fall des ermordeten Mädchens damit, seine Lektüreerfahrungen mit Chandler & Co. abzurufen. Entsprechend weiß Jaime Bunda bald: Hinter dem vermeintlich offensichtlichen Mord steckt ein politisches Komplott, eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes, ein Skandal, der die Gesellschaft erschüttern wird.

Pepetela verbindet in seinem Roman Jaime Bunda, Geheimagent Vergnügen mit Aufklärung. Die Handlung verläuft trotz aller Verwicklungen und Winkelzüge schlüssig und zügig, und die Ironie des Autors tut der Lektüre gut. Vermutlich lassen sich die gesellschaftlichen Missstände - nicht nur - in Angola am besten komödiantisch beschreiben. Denn diese Herangehensweise erlaubt es, durch alle Kritik hindurch die Zuneigung zu dem Land erkennbar zu lassen. Pepetelas Sprache - in der Übersetzung von Barbara Mesquita gut erhalten - ist präzise, schnörkellos, klar und nicht verkünstelt. Kurzum so, wie es von einem Krimi zu erwarten ist.

Mit Sinn für Humor und Skurrilitäten schickt Pepetela seinen Anti-Helden zur Arbeit. Und weil Jaime Bunda so überzeugt ist von seiner Verschwörungstheorie, findet er tatsächlich bald Hinweise für ein Netz aus Drogenhandel, Korruption und Machtintrigen. Was im Angola der Gegenwart, wie der Autor Glauben macht, so schwer nicht ist. Zuletzt deckt Jaime Bunda kriminelle Machenschaften gröbsten Ausmaßes auf, die von höchster Stelle organisiert wurden. Mit dem anfänglichen Mord hat das aber nichts mehr zu tun.

Manfred Loimeier

286 | Kriminalliteratur aus dem Süden
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