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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 287 | Die neuen Süd-Süd-Beziehungen Franz Nuscheler: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik

Franz Nuscheler: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik

5. Auflage, J.H.W. Dietz, Bonn 2004. 16,80 Euro.

Rezension: Ewiger Nuscheler

Die Zeiten haben sich geändert: Heute steht das "Staatsunternehmen Entwicklungshilfe" nicht mehr unter marxistischem, sondern unter neoliberalem Beschuss. Der Papst der wissenschaftlichen Begleitung der bundesdeutschen Entwicklungspolitik, Franz Nuscheler, hat das eine überstanden und wird auch das andere überdauern. Denn solange es den Kapitalismus gibt, wird es auch eine internationale Sozialpolitik geben müssen. Man darf also konstatieren: Die Kritiker von Entwicklungspolitik kommen und gehen - der Nuscheler aber bleibt bestehen.
Damit dies so auch wirklich bleibt, hat der inzwischen emeritierte Politologe die fünfte vollständig veränderte Auflage des Lern- und Arbeitsbuches Entwicklungspolitik herausgebracht - eine, wie es im Untertitel heißt, "grundlegende Einführung in die zentralen entwicklungspolitischen Themenfelder Globalisierung, Staatsversagen, Hunger, Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt". Keine Frage, das Buch ist ein Überblickswerk, das seines Gleichen sucht. Nuscheler ist ein Meister der Komplexitätsreduzierung auf hohem Niveau. Manchmal doziert er wie ein Schullehrer, aber Nuscheler ist ja eben eine Schule für Entwicklungspolitik.
Zu dieser Attitüde gehört das penetrant vorgetragene Credo der Differenziertheit. Das geht so: Nuscheler stellt Position A vor, die behauptet: "Alles ist schlecht". Dann widerspricht Position B: "Alles ist gut." Dann kommt Nuscheler und sagt: "Nicht alles ist gut, aber auch nicht alles ist schlecht." Manchmal sagt er auch: "Nicht alles ist schlecht, aber auch nicht alles ist gut." Gut ist in jedem Fall Willy Brandts Nord-Süd-Politik, undifferenziert wahrscheinlich die iz3w, die erstmals nicht mehr zu den im Handbuch erwähnten wichtigen Zeitschriften zählt, obwohl sie weder neoliberal ist noch Attac angehört.
Nun sind zwar pauschale und einseitige Urteile in der Regel tatsächlich undifferenziert; Urteile jedoch, die notorisch den vermeintlich "goldenen Mittelweg" wählen, egal, worum es geht, lassen darauf schließen, dass der Urteilende es sich bequem gemacht hat. Für den Leser ist das zumindest oft langweilig. So gilt insgesamt für den neuen Nuscheler: Zwar ist nicht alles gut, aber das wenigste ist wirklich schlecht.

Jörg Später

287 | Die neuen Süd-Süd-Beziehungen
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