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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 291 | (Post-)Koloniale Reisebilder Zakes Mda: Die Madonna von Excelsior

Zakes Mda: Die Madonna von Excelsior

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, Zürich 2005, 315 S. 19,90 Euro

Rezension: Ein Bild der Vergangenheit

Es geschah einmal in dem Burenstädtchen Excelsior zu einer Zeit, als die Rassentrennungsgesetze Südafrikas jedweden Verkehr zwischen Schwarz und Weiß und Farbig untersagten, dass von schwarzen Frauen merkwürdigerweise immer wieder farbige Kinder geboren wurden, deren Väter irgendwie nicht zu ermitteln waren. Das sprach sich bis nach Pretoria herum, und ein Untersuchungsausschuss verdächtigte bald - und wohl nicht zu Unrecht - Bürgermeister, Pfarrer, Polizist, kurzum die Honoratioren Excelsiors. Irgendwann wurde das Verfahren aber eingestellt, weil die nationale Regierungspartei sonst durch die Doppelmoral ihrer Mitglieder in erhebliche Erklärungsnöte geraten wäre.

Diesen verbürgten Vorfall greift nun der 57-jährige Dramatiker, Dozent, Maler und Romancier Zakes Mda in seinem Buch Die Madonna von Excelsior auf, indem er das Schicksal einer der weiblichen Hauptfiguren nachzeichnet. Es ist indes nicht nur ein historischer Roman, den Mda da schrieb, sondern ein Buch, das Vergangenheit und Gegenwart verknüpft, das beweist, dass es zwischen den Volksgruppen Südafrikas immer schon engste Beziehungen gab, die sich die Moralapostel prüder Reinheitsphantasien nur eingestehen müssen. Vergangenheitsbewältigung einmal anderer Art - Mda gelingt das in einer ironischen und doch zarten und anschaulichen Sprache ganz vorbildlich und vergnüglich. Unübersehbar sind außerdem nicht immer nur dezente Anspielungen auf Machtmissbrauch und Korruption innerhalb der Reihen des regierenden ANC, und so ist dieser Roman in jedweder Hinsicht hoch politisch: mit Blick sowohl auf das Vergangene als auch auf das Gegenwärtige.

Schade ist nur, dass der Verlag - wohl aus nachvollziehbaren Kostengründen - darauf verzichtet hat, wie in der Originalausgabe jedes Kapitel mit einem Gemälde illustriert beginnen zu lassen. Zum noch besseren Verständnis dieses Romans, dessen Kapitel Mda, der selbst auch Maler ist, mit einer Bildbeschreibung der Gemälde eröffnet, wäre eine solche Publikation allerdings unabdingbar gewesen. So aber wirken die malerischen Kapiteleröffnungen womöglich etwas manieriert.

Manfred Loimeier

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