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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 292 | Linke in Lateinamerika medico international (Hg.): Im Inneren der Globalisierung

medico international (Hg.): Im Inneren der Globalisierung

Psychosoziale Arbeit in Gewaltkontexten. Mabuse Verlag, Frankfurt 2005, 212 Seiten, 12 Euro.

Gewalttraumata heilen

Der medico-Report 26, Im Inneren der Globalisierung. Psychosoziale Arbeit in Gewaltkontexten, ist in erster Linie eine Sammlung von Berichten über Traumata und ihre Heilung in unterschiedlichen Kontexten. Zum einen versucht das Buch, einen theoretischen Hintergrund zur Trauma-Therapie zu liefern. Sehr informativ ist diesbezüglich der Beitrag von David Becker, der jedoch weiter vorne im Buch besser zur Geltung gekommen wäre. Zum anderen werden Erfahrungsberichte von HelferInnen an diversen Orten der Welt präsentiert. Betrachtet wird, wie Gewalttraumata entstehen, wie und ob überhaupt eine Unterscheidung von Opfern und Tätern getroffen werden kann und wann das Pochen auf den Opferstatus sinnvoll ist. Es wird über Aufarbeitung und Wiedergutmachung diskutiert und gefragt, ob "Wahrheit heilen kann": Hilft das Verbalisieren dem traumatisierten Individuum? Welche gesellschaftlichen Aufgaben erfüllen Wahrheitskommissionen und welche Erwartungen der Opfer enttäuschen sie?
Im ganzen Buch zu Recht hervorgehoben und durch die Vielzahl an Beiträgen verdeutlicht wird der gesellschafts- und kulturspezifische Umgang mit Erinnerung und der Verbalisierung von Innerlichkeit. Aus verschiedenen Perspektiven werden pathologisierende und standardisierte Verfahren und Diagnosen hinterfragt und teilweise explizit abgelehnt. In den komplexen und oft das ganze Leben durchdringenden Gewaltumfeldern der heutigen Zeit nimmt Traumatisierung die verschiedensten Formen an. Für die psychosoziale Arbeit kann es deshalb kein universelles Patentrezept geben. So schaffen es einige Artikel, nicht nur die Probleme mit westlichen Heilungskonzepten darzustellen, sondern auch Handlungs- und Heilungsperspektiven zu eröffnen, die die jeweiligen materiellen, politisch-sozialen und kulturellen Kontexte berücksichtigen.
Die vielfältige Zusammensetzung der Texte macht das Buch zu einem empathischen und angenehm unakademischen Werk. Oft ergibt sich so im Zusammenhang ein sinnvoller, sich ergänzender Überblick. Teilweise bleibt die Textsammlung aber ein widersprüchliches Potpourri, das durch die versuchte Aufteilung in verschiedene Themengebiete keine hilfreiche Gliederung erhält. Auch bleiben manche Texte oberflächlich. Zudem suggeriert der Titel "Im Inneren der Globalisierung", dass es um die Verortung neuerer Entwicklungen und Phänomene in einem globalen Kontext geht. Der Versuch, die teils sehr direkten Erfahrungsberichte in einen theoretischen Zusammenhang bringen zu wollen, wirkt jedoch bemüht. So liegt die eigentliche Stärke des Buches in der Nähe zur psychosozialen Arbeit vor Ort.

Maren Küster

292 | Linke in Lateinamerika
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