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Editorial

Die Macht der Verhältnisse

Es nähert sich das Jahresende und damit die Zeit der Rückblicke, Bilanzen, Neujahrsvorsätze und Spendenaufrufe. Zwar verursacht der Gedanke, öffentlich über Geldmangel zu klagen, der Redaktion Stirnfalten und Magenkrämpfe. Doch lässt uns die finanzielle Lage des iz3w kaum eine andere Wahl, als den bitteren Tatsachen ins Auge zu sehen und auch Sie, liebe LeserInnen, daran teilhaben zu lassen. Weil wir aber auch und gerade in schweren Zeiten MaterialistInnen bleiben, wollen wir weder beten noch betteln, sondern dem Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Situation im Allgemeinen und unserer finanziellen Not im Besonderen auf den Grund gehen.

 

 

Für die einen ist sie altbekannt, für die anderen Anlass zu aufgeregter Debatte: die Entdeckung der »Unterschicht« und des »Prekariats«. Regierung und Opposition verfallen in hektische Aktivität. Da wird behauptet, dementiert, korrigiert und interpretiert, dass es die reine Freude ist. Es tut der regen Diskussion auch keinen Abbruch, dass sich alle einig sind: eine Unterschicht darf es in Deutschland nicht geben! (Stellt sich die Frage: Anderswo schon?) Da sich die Verhältnisse, die diese Unterschicht hervorbringen, jedoch in absehbarer Zeit kaum bessern dürften, bleibt es bei reiner Rhetorik. Man übt sich in semantischer Soforthilfe und befördert die »Stigmatisierten« zu »Menschen mit sozialen und Integrationsproblemen« (Franz Müntefering, SPD). Wieder ein Problem gelöst: »Es gibt«, so Müntefering weiter, »keine Schichten in Deutschland. Es gibt Menschen, die es schwerer haben«. Das ist doch wirklich mal ein integrativer Ansatz, denn schwer haben es viele.

Zum Beispiel wir! Immerhin wissen wir genau, welche Ursachen dazu beigetragen haben, dass sich die finanzielle Lage des iz3w in den vergangenen Jahren so dramatisch verschlechtert hat. Dass wir in diesem Jahr trotz schmerzhaftem Sparkurs auf ein Rekord-Defizit zusteuern, beruht nicht auf Ideenmangel und Motivationsschwäche bei den wenigen haupt- und vielen ehrenamtlichen iz3w-MitarbeiterInnen. Es liegt auch nicht daran, dass unsere Arbeit von LeserInnen und AbonnentInnen nicht mehr geschätzt würde, im Gegenteil! So ernteten wir bei der im Frühjahr durchgeführten LeserInnen-Befragung viel Zuspruch (Ergebnisse siehe iz3w 295).

 

Dass uns das Wasser trotzdem bis zum Hals steht, liegt an der massiven Streichung öffentlicher institutioneller Förderung in den letzten Jahren. Ob uns das zum Teil eines neuen medialen Prekariats macht, wissen wir nicht.

In jedem Fall erschwert es die Arbeit ganz erheblich. Der allgemeine Spar- und Kürzungszwang macht sich für Projekte wie das iz3w vor allem durch die extreme Einschränkung von Strukturfördermöglichkeiten bemerkbar. Besonders bitter ist für uns, dass damit kaum noch die Chance zur (anteiligen) Stellenfinanzierung über Fördermittel besteht.

Heutzutage ist, wenn überhaupt noch Geld zu verteilen ist, vor allem Projektförderung angesagt, um die dann hunderte Gruppen und NGOs mittels aufwändiger Antragsverfahren konkurrieren müssen und bei der die Unbequemen aussortiert werden. (Wie sagte der unlängst verstorbene DDR-Filmemacher Frank Beyer ganz richtig in einem Interview: »Former we had censorship, now we have sponsorship«). Inzwischen lebt das iz3w mehr schlecht als recht und ganz im Sinne neoliberaler Umstrukturierung zum größten Teil vom »Markt« – sprich von Aboeinnahmen und Spenden.

 

Deshalb, liebe LeserInnen: abonnieren Sie bitte die iz3w! Liebe AbonnentInnen: werden Sie FörderInnen oder verschenken Sie ein iz3w-Abo zu Weihnachten! Und an alle: Bitte machen Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten vom beiliegenden Spendenüberweisungsträger Gebrauch!

 

Es wird Ihnen herzlich danken:

die redaktion

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