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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 297 | Planspiel Bevölkerungspolitik Maquilapolis. City of Factories.

Maquilapolis. City of Factories.

Dokumentarfilm, 2006, USA/ Mexiko Regie: Vicky Funari und Sergio de la Torre, 68 Minuten (Englisch und Spanisch mit englischen Untertiteln). DVDs und Infomaterial können über die offizielle Webseite www.maquilapolis.com bestellt werden.

Im Innern der Maquila | DVD

Die mexikanische Maquila-Industrie ist berühmt-berüchtigt: Zu Hunderten stehen die Fertigungshallen transnationaler Unternehmen entlang der Grenze zu den USA. Hier werden Bauteile für Computer und Fernseher zusammengesteckt, Strumpfhosen, T-Shirts und Jeans genäht und allerlei mehr produziert, was anschließend in US-amerikanischen und auch in europäischen Wohnzimmern landet. Vor allem Frauen arbeiten in den Fabriken, für etwa elf Dollar pro Tag und oftmals unter gefährlichen Arbeitsbedingungen. Mit der zunehmenden Liberalisierung des Weltmarktes stehen die mexikanischen Arbeiterinnen nicht mehr nur in Konkurrenz zu ihren Kolleginnen im Norden, sondern werden zunehmend auch durch Frauen in asiatischen Billiglohnländern ersetzt.

Vicky Funari und Sergio de la Torre haben mit Maquilapolis einen eindrucksvollen Dokumentarfilm über die Fabriken in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana gedreht. Gemeinsam mit Arbeiterinnen, die sich in den vergangenen Jahren politisch organisiert haben, veranstalteten die beiden FilmemacherInnen einen sechswöchigen Videoworkshop. Anschließend dokumentierten die Frauen selbst ihre Arbeit in der Maquila, ihr Leben in den von Fabrikabwässern vergifteten Slums von Tijuana und die erfolgreiche Zusammenarbeit lokaler Initiativen mit linken Basisorganisationen aus den USA.

Vicky Funari und Sergio de la Torre mischten das kleinteilige und teilweise illegal gedrehte Doku-Material der Arbeiterinnen mit performance-artigen Sequenzen, in denen die Protagonistinnen wie Ballett-Tänzerinnen die Monotonie der Fließbandarbeit darstellen. Luftaufnahmen der hoch militarisierten und von gigantischen Fabrikhallen zerklüfteten Grenzregion ergänzen das Bild von der 'City of Factories'. Das Ergebnis ist ein unbedingt sehenswerter Film, der sich an der Schnittstelle zwischen Dokumentation und Videokunst bewegt.

"Maquilapolis" ist ein Film, der viele Themen berührt: Freihandel, Fairtrade, Frauenrechte, Internationalismus und Umweltpolitik sind nur einige davon. Seine Stärke liegt freilich in dem sehr persönlichen und subjektiven Zugang. Die Arbeiterinnen machen sich und ihre alltäglichen Kämpfe sichtbar. Da ist es verzeihlich, dass analytische Aspekte manchmal eher auf der Strecke bleiben. In Deutschland wird "Maquilapolis" diesen Herbst auf mehreren Filmfestivals gezeigt. Unter anderem ist er in Leipzig auf dem Internationalen Festival für Dokumentar- und Animationsfilm zu sehen und in Tübingen auf dem Terres des Femmes Festival. Schade nur, dass es bislang noch keine Fassung mit deutschen Untertiteln gibt. Denn der Film eignet sich auch hervorragend für ein Publikum, das mit dem Thema noch wenig vertraut ist.

Henrik Lebuhn

297 | Planspiel Bevölkerungspolitik
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