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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 300 | Namibias langer Weg in die Unabhängigkeit Helen Schwenken: Rechtlos, aber nicht ohne Stimme

Helen Schwenken: Rechtlos, aber nicht ohne Stimme

Politische Mobilisierungen um irreguläre Migration in die Europäische Union. Transcript, Bielefeld 2006. 372 Seiten, 29,80 Euro.

Rezension: Schwierige Selbstorganisation

Unter dem Begriff "Autonomie der Migration" hat sich seit einigen Jahren eine vielschichtige Betrachtungsweise des komplexen Zusammenspiels von staatlicher Abschottungspolitik und sich dennoch vollziehender Migration herausgebildet. Im Zentrum dieses Ansatzes steht die Sichtbarmachung von MigrantInnen als politisch Handelnde. Wie irreguläre MigrantInnen und sie unterstützende Organisationen im Kontext der repressiven EU-Migrationspolitik agieren (können), untersucht Helen Schwenken in ihrem Buch Rechtlos, aber nicht ohne Stimme.
Am Beispiel des Rote-Kreuz-Zentrums im französischen Sangatte, das bis zur Schließung 2002 etwa 80.000 Flüchtlinge und irreguläre MigrantInnen durchlaufen haben, und des europäischen MigrantInnennetzwerkes RESPECT, das für die Rechte von HausarbeiterInnen eintritt, arbeitet Schwenken heraus, wie irreguläre MigrantInnen sich verschiedener Strategien bedienen, um ihre Anliegen zu vertreten. Die Flüchtlinge von Sangatte thematisierten Menschenrechte und Flüchtlingsschutz, die HausarbeiterInnen von RESPECT vor allem Frauenrechte. Die Selbstorganisierung geht jedoch häufig unter schwierigen Bedingungen vonstatten: in Sangatte herrschte hohe Fluktuation, RESPECT hatte mit der Isolierung in privaten Haushalten zu kämpfen. Hinzu kommt, dass es durchaus konfligierende Mobilisierungsversuche zwischen verschiedenen MigrantInnengruppen gibt.

Schwenken diskutiert aber auch die sich verändernden gesellschaftspolitischen Handlungsräume, die sich im Kontext der EU-Integration für die Organisierung schwacher Interessen und damit für migrationspolitische Belange ergeben. Dabei bezieht die Autorin eine genderspezifische Betrachtung stets mit ein und kommt so zu interessanten Erkenntnissen: Während einerseits in der EU die diskursive Verschränkung von Migrationskontrolle und Sicherheitsfragen politische Mobilisierungen von irregulären MigrantInnen eher verunmöglicht, öffnen sich andererseits über genderspezifische Argumente Möglichkeiten für irreguläre Migrantinnen. Denn diese Anliegen werden von Frauennetzwerken und PolitikerInnen unterstützt. Ein sehr informatives und inspirierendes Buch!

Simone Buckel

300 | Namibias langer Weg in die Unabhängigkeit
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