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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 305 | Die Misere der Klimapolitik Elke Windisch: Zentralasien

Elke Windisch: Zentralasien

Politische Reisereportagen. Dag?yeli-Verlag, Berlin 2007. 308 S., 18,80 Euro.

Rezension: Reise nach Zentralasien

Obwohl sie ökonomisch aufgrund der enormen Erdöl- und Erdgasvorkommen immer wichtiger wird, ist Zentralasien keine Region, der hierzulande großes publizistisches Interesse entgegengebracht wird. Daran ändert auch der Band Zentralasien. Politische Reisereportagen von Elke Windisch nichts. Aber er zeigt, was es hier noch alles zu beschreiben gäbe. Die im besten Sinne einfach, aber schön geschriebenen journalistischen Texte machen Lust auf mehr. Man erfährt viel über die Geschichte und Politik, aber auch das Alltagsleben etwa in der neuen kasachischen Hauptstadt Astana.

Der Tod des größenwahnsinnigen Diktators Türkmenbas¸i steht am Beginn des Buches. Die Autorin freut sich sichtlich darüber, schließlich ist es der Präsident Turkmenistans, den sie für die Ermordung ihrer Freundin und Kollegin Ogulsapar Muradowa verantwortlich macht. Als Gründungsmitglied der nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisation Turkmenistan Helsinki Foundation (THF) und Korrespondentin des US-Rundfunksenders Radio Liberty war sie am 18. Juni 2006 in ihrer Wohnung von zwei Polizeibeamten ohne Haftbefehl festgenommen worden. Drei Monate später war sie tot.

Turkmenistan leidet heute nicht nur unter autoritären Strukturen, die vom Personenkult und der totalitären Diktatur des Türkmenbas¸i und seiner Nachfolger geprägt sind, sondern auch unter den Folgen des sowjetischen und heute russischen Imperialismus. Ähnliches zeigen auch die Reportagen aus Kasachstan, Kirgisien, Tajikistan, Usbekistan und der zu Usbekistan gehörenden autonomen Republik Karakalpakistan. Dabei beschränkt sich Windischs Sicht auf diesen trostlosen Winkel Zentralasiens nicht allein auf die von Menschenhand verursachte ökologische Katastrophe der Austrocknung des Aral-Sees. Sie spricht auch separatistische Bestrebungen, wie sie von der "Befreiungsfront Karakalpakistan" betrieben werden, oder die Funktion der lebensfeindlichen Wüste für die Straflager des autoritären usbekischen Präsidenten Karimow an.

Ihre Reportagen aus Afghanistan passen auf den ersten Blick nicht ganz in dieses Panorama der exsowjetischen Republiken Zentralasiens. Allerdings ist es nicht nur die räumliche Nähe Afghanistans, sondern auch die historische Bedeutung des Afghanistankriegs für das Ende der sowjetischen Dominanz über Zentralasien und später für das Erstarken islamistischer Kräfte in der Region, die dann doch eine gewisse Konsistenz herstellen.

Dem kleinen, aber feinen Dagag?yeli-Verlag, der sich auf die Literaturen der Türkvölker von der Ägäis bis Sibirien spezialisiert hat, ist mit diesem Buch ein wunderbarer Einstieg in eine zu Unrecht unbeachtete Region gelungen.

Thomas Schmidinger

305 | Die Misere der Klimapolitik
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