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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 305 | Die Misere der Klimapolitik Sascha Müller-Kraenner: Energiesicherheit

Sascha Müller-Kraenner: Energiesicherheit

Die neue Vermessung der Welt. Verlag Antje Kunstmann, München 2007. 239 S., 19,90 Euro.

Rezension: Energiesicherheit als Herausforderung

In Zeiten knapper werdender fossiler Ressourcen und der Klimakatastrophe ist ein Buch mit dem Titel Energiesicherheit besonders aktuell. Sein Autor Sascha Müller-Kraenner, Europarepräsentant von The Nature Conservancy, einer führenden internationalen Umweltorganisation, versteht unter Energiesicherheit nicht nur die sichere und bezahlbare Versorgung mit Energie, sondern eine Politik, die im Kampf um Rohstoffe keine neuen Konflikte schafft und die Umwelt nicht unwiederbringlich schädigt. Außer Frage steht für ihn dabei, dass Erdöl und Erdgas eher früher als später zur Neige gehen werden.

Müller-Kraenner identifiziert die USA, Russland, China und die EU als Hauptakteure in der neuen Vermessung der Welt. Dementsprechend bezieht er sich immer wieder auf diese vier Machtblöcke, ohne dabei den Nahen Osten, Indien oder südamerikanische und afrikanische Staaten zu vergessen. Seine Analysen sind in der Regel sachlich und genau formuliert. Umso negativer fallen Polemiken auf, etwa wenn die USA als "Land der unbegrenzten Energieverschwendung" bezeichnet werden. Ebenso störend ist die häufige Verwendung des Imperativs: "Länder, die wie Russland weiter die Atomenergie nutzen möchten, müssen dazu gebracht werden, sich strikt (...) an Sicherheitsstandards (...) zu halten." (S. 86).

Gründlich analysiert werden Russland und China. Ersteres, weil Präsident Putin mit den vorhandenen Ressourcen Machtpolitik betreibt. Müller-Kraenner deckt beispielsweise auf, wie es Russland gelingt, Staaten wie die Ukraine, Aserbaidschan und Georgien in Abhängigkeit zu halten. China ist deshalb von großer Bedeutung, weil sein Wirtschaftswachstum mit stark steigendem Energiebedarf einhergeht, der auf die Außen- und Energiepolitik von vielen anderen Staaten Auswirkungen hat. Insbesondere dann, wenn es Russland gelingt, Europa und China bei der Verteilung seiner Erdgasvorkommen gegeneinander auszuspielen.

Die EU hingegen behandelt Müller-Kraenner relativ schonend. Der Westen Europas wird mitunter sogar als Lichtblick dargestellt, was den Umgang mit Energie, Ressourcen und auch mit Menschenrechten angeht. Gerhard Schröders Engagement im russischen Unternehmen Gazprom wird zwar aufgezeigt, viel Kritik muss er sich aber nicht gefallen lassen.

Müller-Kraenner verdeutlicht, warum es oberstes Ziel eines jeden Landes sein sollte, sich soweit irgend möglich aus Ressourcenabhängigkeiten zu lösen und nicht nur von einer Abhängigkeit (etwa vom russischem Erdgas) in die nächste (etwa von brasilianischem Ethanol) zu geraten. Dem Ausbau der Atomenergie erteilt er dabei eine deutliche Absage.
Die Qualität des Buches besteht darin, dass es die Zusammenhänge zwischen Ressourcenknappheit, sicherheitspolitischen Interessen und Umweltzerstörung verständlich darstellt. Dass der Autor sich dabei nicht mit groben Spekulationen abgibt, ist angesichts der medialen Stimmungsmache in Energiefragen zu begrüßen.

Georg Eberhardt

305 | Die Misere der Klimapolitik
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