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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 306 | Nationalstaat und Panafrikanismus Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag e.V.: Von Trommlern und Helfern

Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag e.V.: Von Trommlern und Helfern

Beiträge zu einer nicht-rassistischen entwicklungspolitischen Bildungs- und Projektarbeit. 84 Seiten. Bezugsadresse: Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag e.V. (BER), Greifswalderstr. 4, 10405 Berlin, buero@ber-ev.de, Schutzgebühr: 5 Euro zzgl. Porto

Rezension: Gut gemeinter Rassismus

Spätestens Ende der 1990er Jahre begann auch innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) eine Auseinandersetzung um rassistische Strukturen. Leider ist es nicht gelungen, diese Debatte konsequent fortzuführen und sie in konkrete Praxis zu übersetzen. Das koloniale Gepäck der AkteurInnen stellt nach wie vor eine feste Größe in der entwicklungspolitischen Realität dar. Die Broschüre Von Trommlern und Helfern, herausgegeben von den entwicklungspolitischen Landesnetzwerken Berlin, Hamburg, Hessen und Sachsen, ist seit langem der erste neue Beitrag zu dieser Debatte. Schlüssig wird darin dargelegt, dass gerade auch EZ-Projekte Bestandteil eines Systems rassistischer Diskriminierung sind. Ethnisierende Etikettierungen und rassifizierende Zuschreibungen in Spendenaufrufen von Hilfsorganisationen oder auf Fairtrade-Produkten kommen dabei ebenso zur Sprache wie der institutionelle, strukturelle Rassismus, der sich in der Dichotomie zwischen "entwickelten" und "unterentwickelten" Geber- und Nehmerländern ausdrückt.

Die Broschüre liest sich als flammendes Plädoyer gegen die im entwicklungspolitischen Betrieb wie in der Eine-Welt-Szene häufig anzutreffende Reproduktion von Stereotypen, vermittelt durch Tanz- und Trommelgruppen, "afrikanische Abende" oder "Obstworkshops im Zeichen der interkulturellen Handlungskompetenz". Zur Vermeidung solcher rassistischer Fallstricke werden Projektstandards formuliert, Materialien für eine antirassistische Bildungsarbeit (die leider nur bedingt Personen mit einschlägiger Erfahrung innerhalb der EZ ansprechen) sowie eine Literaturliste bereitgestellt.

Bebildert ist die Broschüre mit einem Fotoprojekt mosambikanischer und deutscher SchülerInnen zum Thema "Armut und Reichtum". Text und Bild stehen zwar nicht in einem direkten thematischen Zusammenhang, beiden ist jedoch die kritische Auseinandersetzung mit etablierten Wahrnehmungs- und Deutungsmustern im Nord-Süd-Verhältnis gemein. Die Stärke der Broschüre ist die Problematisierung verschiedener Formen von Rassismus in der Arbeit von EZ-Organisationen. Wünschenswert wäre jedoch eine stringentere und kompaktere Einführung in die Grundlagen antirassistischer Theorie. Ebenso fehlt eine intensivere Bearbeitung des kolonialen Kontextes. Insbesondere der in missionarischer Tradition stehende "Helfer"-Diskurs, auf den der Titel der Broschüre verweist, hätte einer ausführlicheren Analyse bedurft. Dem Anspruch, längst überfällige Diskussions- und Denkanstöße zu geben, wird die Broschüre aber gerecht.

Fabian Holzheid/Sara Zavaree

306 | Nationalstaat und Panafrikanismus
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