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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 309 | Arbeit macht das Leben schwer "Let's make money" Dokumentarfilm

"Let's make money" Dokumentarfilm

Österreich 2008, ca. 110 min, Multilingual mit dt. UT, Delphi Filmverleih, www.letsmakemoney.at

Rezension: Lets make money Dokumentarfilm

Nach "We feed the world", dem 2005 erschienenen Dokumentarfilm über die globale Essensproduktion, läuft pünktlich zum Weltspartag am 31. Oktober der neue Film des österreichischen Regisseurs Erwin Wagenhofer in den deutschen Kinos an.

Let's make money verspricht "der Spur des Geldes im weltweiten Finanzsystem" zu folgen und die "Konsequenzen unserer Geldgier" aufzuzeigen. Wagenhofer übernimmt das bewährte Konzept des Interviewens von ExpertInnen: Waren es in "We feed the world" der bis 2008 als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung tätige Jean Ziegler oder der Nestlé-Konzernchef Peter Brabeck, kommen nun Finanz- und Wirtschaftsexperten wie Mark Mobius, Gerhard Schwarz, John Christensen, Hermann Scheer oder John Perkins zu Wort und erklären das Funktionieren des globalen Geldmarktes.

Mark Mobius, der als Fonds-Manager "Emerging Markets" betreut und auf eine Reihe von Auszeichnungen à la "Bester Fondsmanager für Anlagen in weltweiten Schwellenländern" zurückblicken kann, kommentiert seine Investitionsstrategie mit den Worten: "The best time to buy is when there is blood on the streets". Die ZuschauerIn ist geneigt, sich zu fragen, wann Mobius wohl dazu kommt, das Blut, von dem er spricht, auf den Straßen zu entdecken. Im Film hält er sich nur in scheinbar hermetisch abgeschlossenen Räumen auf: Im Fitnessstudio beim Analysieren von Statistiken und Bilanzen, in seinem steril wirkenden Hochglanz-Büro in Singapur. Auf der Homepage von tradewire, einem Magazin für BörsenspekulantInnen, wird er als eben der Workaholic beschrieben, als der er auch im Film dargestellt wird: "300 Tage im Jahr im Jet, in afrikanischen Goldminenschächten oder türkischen Zementwerken unterwegs, sucht er nach verborgenen Investmentschätzen. Hotelzimmer macht er zum Parkett: Taschenrechner am Handgelenk, Notebook auf den Knien, Handy am Ohr."

Eine solche Welt schreit nach Gegenbildern. Wagenhofer bedient dieses Bedürfnis mit passenden Szenen: BaumwollpflückerInnen aus Burkina Faso, SlumbewohnerInnen in Chennai, als Bauarbeiter beschäftigte afrikanische Migranten in Südspanien. Bilder, die an Motive einschlägiger Spendenkampagnen erinnern. Spendenaufrufe sind es auch, mit denen diverse Banken und Kreditinstitute auf haushohen Werbeflächen um die Gunst ihrer potentiellen AnlegerInnen werben. Mitten in den Slums von Indien, durch die uns die Kamera führt, wirken sie allerdings ein wenig fehl am Platz. Ein Paradoxon, das nicht zufällig zum Sinnbild für den klaffenden Gegensatz zwischen den Welten in "Let's make money" wird - der Film prangert unmissverständlich das durch den Neoliberalismus aufrecht erhaltene Ungleichgewicht zwischen Entwicklungs- und Industrieländern an.

Werner Rügemer, John Christensen und Anton Schneider erklären im Film die Auswirkungen und Folgen von "Cross-Border-Leasing", Off-Shore-Finanzplätzen und Immobilien-Anlagewahn. Der US-amerikanische Ökonom John Perkins verrät, was er mit dem Sturz von Saddam Hussein zu tun hat (wenn man dies nicht bereits in seinem Buch "Bekenntnisse eines Economic Hit Man" selbst nachgelesen hat). Der Leiter der Wirtschaftsredaktion der "Neuen Zürcher Zeitung", Gerhard Schwarz, vergleicht Europa mit einem Clubhaus, in dem Asyl suchende MigrantInnen für ihre Aufnahme in diesen exklusiven Kreis ein gewisses Eintrittsgeld zu zahlen haben.

Wer sich von diesem Film eine Sendung mit der Maus für Fortgeschrittene zum Thema "Wie funktioniert der globale Geldmarkt?" gewünscht hat, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein. Doch wie bereits mit "We feed the world" gelingt Wagenhofer auch diesmal ein kritischer Blick hinter die Kulissen eines scheinbar exklusiven Clubhauses. Manchmal werden einem doch nicht alle Türen, an die man klopft, vor der Nase zugeschlagen.

Sophie Eulenfeld

309 | Arbeit macht das Leben schwer
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