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NACLA

Report on the Americas, Vol. 42, No. 2, March/April 2009. www. nacla.org.

NACLA – Report on the Americas

Die immer lesenswerte US-amerikanische Lateinamerikazeitschrift NACLA nimmt den 50. Jahrestag der kubanischen Revolution zum Anlass, mit einem Themenschwerpunkt »Revolutionary Legacies in the 21st Century« aufzuspüren. Zentrale Fragestellungen sind: Was ist geblieben von den revolutionären Anstrengungen und Ideologien in Lateinamerika? Inwieweit beeinflussen sie die heutigen Linksregierungen? Louis A. Pérez Jr. gibt zunächst eine Antwort auf die Frage, warum die kubanischen Revolutionäre bis heute das Heft in der Hand haben. Seine Antwort: Die Konstruktion eines Patria, eines »Vaterlandes«, das unabhängig von äußeren Einflüssen nationale Selbstbestimmung garantiert, ist in Kuba schon seit dem 19. Jahrhundert ein effektiver gesellschaftlicher Kitt. Die Revolutionäre wussten ihn nur besonders geschickt einzusetzen. Sanktionen und Feindseligkeiten seitens der USA bestärkten das Selbstwertgefühl der
KubanerInnen nur noch. Doch es wird durch Verarmungsprozesse und die »Traumata« der »Spezialperiode« aufgeweicht, so dass fraglich ist, ob die revolutionäre Opferbereitschaft nach Fidel Castros Tod anhält.
Als »politische Tragödie« bezeichnet Roger Burbach den »Verrat« an der sandinistischen Revolution durch die heutige Regierung Ortega. Alle einstigen Anstrengungen für eine partizipatorische Demokratie würden nun durch autoritäre Klientelpolitik zunichte gemacht. Von einem »zweiten Stadium der sandinistischen Revolution«, wie Daniel Ortega seine Amtszeit seit 2007 nennt, kann also keine Rede sein. Weitere Beiträge befassen sich mit der Fortdauer von revolutionären Anstrengungen in Bolivien und in Mexiko. In beiden Ländern ist die Beschwörung früherer Revolutionen ein wichtiger Bestandteil des politischen Diskurses, und zwar nicht nur auf Seiten der Linken.
Nicht im Themenschwerpunkt, aber in engem Zusammenhang zu ihm steht ein Artikel über den kubanischen Punkrocker Gorki Águila, der sich selbst als revolutionärer Dissident sieht. Seine Band Porno Para Ricardo wendet sich mit wüsten pornographischen Texten gegen die kubanische Regierung.
Das Bandlogo ist ein Hammer und Sichel-Emblem, wobei der Hammer ein Phallus ist. Gorki wurde mehrfach inhaftiert, zuletzt im August 2008. US-amerikanischen Medien galt das als Beweis dafür, dass Raùl Castro den politischen Freiheiten enge Grenzen zu setzen gedenkt. Was wiederum die erzkonservative exilkubanische Miami-Connection bewog, dem anarcho-libertären Águila zur Seite zu stehen. Seltsame Welt.
cst.

312 | Kollaborateure in der 3. Welt
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