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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 315 | Digitale Welten Dambisa Moyo: Dead Aid

Dambisa Moyo: Dead Aid

Why aid is not working and how there is another way for Africa. Penguin Books, London 2009. 189 Seiten, 14,99 Pfund.

Tödliche Hilfe reloaded

Die sambische Ökonomin und Bankerin Dambisa Moyo verließ für ihr Studium in Harvard und Oxford und wegen fehlender beruflicher Aussichten ihre Heimat. Mit ihrem Buch Dead Aid landete sie nicht nur auf der Bestsellerliste der New York Times, sondern auch auf der Liste des Time Magazins der einhundert einflussreichsten Menschen der Welt. Und das, obwohl sie in ihrem Buch keine Neuigkeiten verkündet. Die Hauptthese in »Dead Aid« ist, dass Entwicklungshilfe der Grund allen Übels in Afrika ist. Ihr Buch soll eine Anleitung sein, wie sich Afrika aus dem Teufelskreis dieser Hilfe befreien kann. Moyo greift dazu die bisher geführten Kontroversen auf und legt sie gut strukturiert und verständlich dar.
Moyo teilt Hilfe in drei Kategorien ein: Humanitäre Hilfe in Katastrophenfällen, karitative Hilfe à la »Wir sammeln für eine Schule in Afrika« und systematische Hilfe, also Zahlungen, die entweder direkt oder über multilaterale Institutionen von Regierungen an Regierungen fließen. Die ersten beiden Typen verurteilt Moyo nicht prinzipiell, kritisiert aber deren schlechtes Management und hohe Verwaltungskosten. Im Zentrum ihrer Analyse steht jedoch die systematische Hilfe. Deren grundlegendes Problem ist die fehlende Rechenschaftspflicht: Korrupte Regierungen werden mit »frei verfügbaren Geldmitteln« versorgt und geraten so in den Teufelskreis der Entwicklungshilfe. Die Entstehung transparenter staatlicher Institutionen, die Einhaltung der Gesetze sowie der Schutz der bürgerlichen Rechte werden verhindert, was wiederum Korruption begünstigt.
Der erste Punkt in der Anleitung der sambischen Ökonomin, wie Afrika sich daraus befreien kann, knüpft genau hier an: Die afrikanischen Regierungen müssen den internationalen Markt für Anleihen für sich erschließen. Dort würden sie nur dann weiterhin mit Krediten versorgt, wenn sie ein wirtschaftsförderndes Klima in ihrem Land erzeugen, das Kreditrückzahlungen und Gewinne der AnlegerInnen ermöglicht. Rechenschaft sollten die Regierungen auch ihren eigenen BürgerInnen abgeben, denn nur so können öffentliche Einrichtungen funktionieren.
Der zweite Pfeiler, wie afrikanische Staaten von der Entwicklungshilfe loskommen, ist die Kooperation mit China: Infrastruktur gegen Rohstoffe sei ein Geschäft mit klaren Linien, das eine win-win Situation für alle Beteiligten darstelle. Drittens müsse Afrika für freien und fairen Handel kämpfen. Die Agrarsubventionen der USA und der EU verhinderten, dass afrikanische Länder aus dem Handel mit ihren Produkten Gewinne machen. Der vierte Rat von Moyo betrifft die temporäre Förderung von Mikrokrediten, die sich bereits in Asien und Lateinamerika bewährt haben, und die Erleichterung der Rücküberweisungen von ArbeitsmigrantInnen.
Würden afrikanische Regierungen diese Vorschläge befolgen, könnten laut Moyo alle Hilfsleistungen in fünf bis zehn Jahren eingestellt werden. Bis dahin muss sie wohl noch weiter das Ende der Entwicklungshilfe fordern und das kritisieren, was auch schon Vielen in der entwicklungspolitischen Szene Bauchweh bereitet hat: Den »selbstlosen« Einsatz von Stars wie Bono für Glamour Aid.
Natalie Plhak

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