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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 318 | Alte und neue Grenzregimes Uwe Hoering/ Oliver Pye/ Wolfram Schaffar / Christa Wichterich (Hg.): Globalisierung bringt Bewegung

Uwe Hoering/ Oliver Pye/ Wolfram Schaffar / Christa Wichterich (Hg.): Globalisierung bringt Bewegung

Lokale Kämpfe und transnationale Vernetzungen in Asien. Westfälisches Dampfboot, Münster 2009. 200 Seiten, 24,90 Euro

Globalisierung bringt Bewegung.

Wenn es um den Widerstand gegen Auswirkungen der globalen Wirtschaftsliberalisierung geht, richtet sich der Fokus meist auf Lateinamerika und seine sozialen Bewegungen, weniger auf Asien. Die AutorInnen des Sammelbandes Globalisierung bringt Bewegung wollen hier Abhilfe schaffen und die Vielfalt der sozialen Organisierung ‚von unten’ in Asien darstellen. Die neun Beiträge sind sehr divers, doch alle haben den lokalen und transnationalen Widerstand gegen bestehende Wirtschaftspolitiken zum Thema. Die im Buch vorgestellten AkteurInnen sind dabei so heterogen wie ihre Anliegen. Die AutorInnen betonen, dass die AktivistInnen sich losgelöst haben aus den alten Kategorien linker Dogmen, die in der Region lange Zeit von Mao oder Ho-Chi Minh symbolisiert wurden. Oft sind Gruppen beteiligt, die nationalistischen oder kapitalistischen Strömungen zumindest nicht abgeneigt sind. Die Fülle zivilgesellschaftlicher Gruppen in manchen Staaten Asiens lässt sich auch mit den erfolgreichen Kämpfen gegen autoritäre Regime erklären, wie auf den Philippinen oder in Indonesien.
Die neuen sozialen Bewegungen sind oft auf ein klar eingegrenztes Ziel gerichtet und wie beim Protest gegen Wasserprivatisierung in Manila ein Konglomerat aus unterschiedlichen Gruppen, die sich nur temporär als Einheit zusammen finden. Einzig bei der Demokratiebewegung in Myanmar ist der Ruf nach politischer Partizipation ausschlaggebend für den Protest gewesen, so Mitherausgeber Wolfram Schaffar. Allerdings war selbst dort die Erhöhung der Benzinpreise die Initialzündung.
Die transnationale Vernetzung ist ein weiteres Charakteristikum der neuen sozialen Bewegungen in Südostasien. Beim Protest gegen Palmölplantagen zeigt sich, welche Erfolge sich dadurch erzielen lassen können. Durch die Zusammenarbeit von NGOs aus Südostasien und Europa konnte ein Round Table mit Supermärkten und Kosmetikgeschäften in Europa gegründet werden, um Druck auf die Plantagenbetreiber auszuüben. Auch über die Beteiligung an weltweit aktiven Netzwerken wie La Via Campesina lassen sich Proteste von lokalen Gruppen auf die globale Ebene übertragen.
Das Buch kann mit vielfältigen Beispielen aufwarten und ist gut zu lesen. Die Heterogenität der Themen und die Größe des geographischen Raums sind jedoch auch ein Manko. Tiefergehende Analysen sind zwar in Ansätzen vorhanden, bleiben aber aus Platzgründen zu knapp. Offen bleibt auch, wie die sozialen Bewegungen in die Gesellschaften der jeweiligen Länder einzuordnen sind und wie viel Unterstützung sie in der breiten Bevölkerung genießen. Was ebenfalls fehlt, ist ein Ausblick auf die künftige Entwicklung von zivilgesellschaftlichem Protest. Insgesamt zeigt das Buch anschaulich, dass die VerliererInnen des wirtschaftlichen Aufstiegs in Südostasien zunehmend Widerstand leisten und sie klug genug sind, sich transnational zu vernetzen.

Lucas Grothe

318 | Alte und neue Grenzregimes
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