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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 319 | 50 Jahre postkoloniales Afrika Haferburg C./ Steinbrink M. (Hg.): Mega-Event und Stadtentwicklung im globalen Süden

Haferburg C./ Steinbrink M. (Hg.): Mega-Event und Stadtentwicklung im globalen Süden

Die Fußballweltmeisterschaft 2010 und ihre Impulse für Südafrika. Brandes und Apsel Verlag, Frankfurt a.M. 2010. 258 Seiten, 24,90 Euro.

Die Fußball-WM als Brennglas

Schon im Vorfeld sorgte die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika für einen heftigen Meinungsstreit. Während die BefürworterInnen lautstark die Wichtigkeit dieses Großereignisses für das Nation-Building und das Wirtschaftswachstum Südafrikas priesen, verbreitete die europäische Tagespresse eher Skepsis. Ihre negativen Einschätzungen bezogen sich vor allem auf Zweifel an den Fähigkeiten der SüdafrikanerInnen, die Stadien rechtzeitig fertig zu stellen und für die Sicherheit der ausländischen Fans zu sorgen. Schließlich ist Südafrika im weltweiten Vergleich Spitzenreiter in den Gewaltstatistiken. Der Sammelband Mega-Event und Stadtentwicklung im globalen Süden nimmt solche gegensätzlichen Einschätzungen unter die Lupe und ermöglicht einen differenzierten Überblick über aktuelle Forschungen zur WM. Die AutorInnen sind mehrheitlich junge GeographInnen, StadtplanerInnen und ArchitektInnen aus Deutschland und Südafrika. Das Buch bietet aus ganz unterschiedlichen Perspektiven Einblicke in zentrale Problemkomplexe, wie das erhoffte Wirtschaftswachstum, die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, die Interessenpolitik der FIFA und die Problematik von Sponsorenverträgen. Ausgehend von solchen übergreifenden Themen richten die AutorInnen ihren Fokus auf die Austragungsorte der WM, auf Kapstadt, Johannesburg, Durban und Mbombela (Nelspruit). Anhand einzelner Stadtteile werden Korruptionsskandale, Zwangsumsiedlungen und die Verdrängung informeller HändlerInnen analysiert. Hier finden auch die Widerstandsstrategien der Betroffenen Beachtung.
Einen großen Stellenwert haben infrastrukturelle Probleme, wobei die Verkehrsplanung besonders detailliert untersucht wird. Das betrifft die Sanierung des veralteten Eisenbahnnetzes und die Konflikte, die aus der Konkurrenz zwischen den mächtigen und teilweise mafiösen Betreibern der Minibusse (»Taxis«) und den neuen städtischen Bussystemen resultieren.
Neben Aspekten, die sich auf das Ereignis WM beziehen wie beispielweise das Public Viewing in den Townships, thematisieren die AutorInnen immer wieder Fragen, die weit darüber hinaus gehen. So ist dieses umstrittene Sportereignis wie ein Brennglas, in dem sich Strukturprobleme bündeln – im Kontext der Stadtplanung, des sozialen Wohnungsbaus, des formellen und informellen Sektors, der hohen Arbeitslosigkeit, der Kriminalität und der Spaltungen der südafrikanischen Gesellschaft. Damit wird das faktenreiche Buch auch nach dem Ende der WM ein wichtiges Referenzwerk bleiben.

Rita Schäfer

319 | 50 Jahre postkoloniales Afrika
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