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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 325 | Chinas roter Kapitalismus Sasha Lilley: Capital and its Discontents

Sasha Lilley: Capital and its Discontents

Conversations with Radical Thinkers in a Time of Tumult. PM Press & Merlin Press, Pontypool 2011. 320 Seiten, 14,95 GBP

Über Kapitalismus sprechen

»Es gibt eine Gruppe von Leuten, die sind im Prinzip Vulgärmarxisten und widmen sich stets dem Klassenkampf. Das ist die Unternehmerklasse. Das ist eine Gruppe, die ein starkes Klassenbewusstsein besitzt. Die kämpfen einen bitteren Klassenkampf.« Eigentlich denkt man bei ‚Klassenkampf’ ja meist an Arbeiterbewegungen, Gewerkschaften und Streiks. Nicht so Noam Chomsky. Das kontraintuitive Zitat über die klassenbewussten Kapitalisten stammt aus einem schönen Gespräch mit Chomsky über »Anarchismus, Rätekommunismus und ein Leben nach dem Kapitalismus«. Erschienen ist es in englischer Sprache in Sasha Lilleys Interviewband Capital and its Discontents.

Neben dem Gespräch mit Chomsky finden sich in dem Buch 14 weitere Interviews, die Lilley mit linken Intellektuellen rund um das Thema Kapitalismus und Krise geführt hat. Thematisch gliedert das Buch sich in drei Teile: Die Interviews im Teil »Empire, Neoliberalism, Crisis« fokussieren auf die verschiedenen Facetten der aktuellen Finanzkrise, auf ihre Hintergründe und ihre Folgen. David Harvey etwa wird zum Aufstieg des Neoliberalismus interviewt und bettet die aktuelle Wirtschaftskrise in ihren historischen Kontext ein. Sam Gindin, Greg Albo und Leo Panitch analysieren die Krisenstrategie der US-Regierung und diskutieren politische Alternativen. Dabei geht es nicht zuletzt auch um die Schwäche der US-ArbeiterInnenbewegung und die Frage, warum sich im Zuge der Finanzkrise keine starken Proteste entwickelt haben.

Die Interviews im zweiten Teil widmen sich den Themen »Commodification, Enclosure, and the Contradictions of Capitalism«, also den grundlegenden gesellschaftlichen Widersprüchen des Kapitalismus. John Bellamy Foster, Jason W. Moore, Gillian Hart und Ursula Huws diskutieren hier nicht nur das Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital, sondern auch Genderaspekte, die ökologische Krise und die Krise der Agrarwirtschaft im globalen Süden. Im dritten Teil schließlich finden sich Interviews über soziale Bewegungen und politische Alternativen. Neben Chomsky kommen Tariq Ali, Mike Davis, John Sanbonmatsu und andere zu Wort. Die Themenpalette reicht von der Auseinandersetzung mit dem Antiimperialismus der Linken über historische Erfahrungen mit der Rätedemokratie bis hin zu einer Kritik postmoderner Theoriebildung.

Die meisten Interviews sind im Kontext der Radiosendung Against the Grain entstanden, die Sasha Lilley zusammen mit C.S. Soon moderiert und die Montags bis Mittwochs auf dem (öffentlichen) US-amerikanischen Radiosender KPFA gesendet wird. Fast alle Interviews kann man daher auch als Audio-Files unter www.againstthegrain.org anhören. Zwar wurden die Radiosendungen für die Buchveröffentlichung leicht überarbeitet. Doch der Gesprächscharakter ist in den Texten weitgehend erhalten geblieben. Nicht zuletzt macht genau das den Reiz des Buches aus. Wer als ExpertIn mit den Arbeiten von Lilleys GesprächspartnerInnen bereits gut vertraut ist, wird in Capital and its Discontents nur wenig Neues finden. Für alle anderen bietet der Band dagegen eine komprimierte, gut verständliche und unterhaltsame Einführung in aktuelle linke Debatten rund um die gegenwärtige Krise des Kapitalismus und gesellschaftliche Gegenentwürfe.

Henrik Lebuhn

325 | Chinas roter Kapitalismus
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