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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 328 | Der Krieg gegen Drogen ist gescheitert Leserinnenbrief zum Artikel „Im kolonialen Geiste".

Leserinnenbrief zum Artikel „Im kolonialen Geiste".

von Doreen Thieke

Sehr geehrtes Redaktionsteam der iz3w,

den Artikel „Im kolonialen Geiste. Eine Bonner Ausstellung über das Kulturerbe der Dogon“ von Katja Behrens, der in Ihrer letzten Ausgabe erschien, finde ich persönlich etwas übertrieben. Viel Kritik, wenig Inhalt!

Gern kann man einen Baum aus Pappmaché, der die Funktion hat Besucher und Besucherinnen in ein wohlgemerkt grundsätzlich fremdes Thema einzustimmen, überflüssig finden. Auf mich aber wirkt der Artikel so, als sei die ganze Ausstellung überflüssig, einfach weil es falsch ist, dass die Exponate überhaupt in Europa sind. Natürlich möchte ich den Kunstraub nicht gutheißen! Aber eine Kunsthalle, die bekanntlich keine eigene Sammlung beherbergt, sondern eine Ausstellung ausleiht, sollte wohl kaum Objekte zurückgeben können. Die Kritik ist absolut berechtigt, aber an unpassender Stelle eingesetzt.

Vielmehr ist es doch wichtig, danach zu fragen, worum es denn eigentlich geht bei einer Ausstellung mit völkerkundlichen Objekten. Um interkulturellen Austausch, das Sich-Hineindenken und Verstehen in die Komplexität uns fremder Kulturen, die wir so gern über einen Kamm geschert wissen (Afrika ist ja öfters mal ein Land!). Es geht auch um Kunst, ja, denn nicht nur wir EuropäerInnen sind KünstlerInnen.

Was zeigt also die Dogon-Ausstellung? Dies ist von Ihnen leider nur sehr punktuell zu erfahren. Von Exotik ist die Rede, aber der Spiegel, der den BesucherInnen bereits im Eingangsbereich in den Fotografien eines Deutschland-Fußballtrikots in Mali oder einer Touristen-Maske vorgehalten wird, bleibt unerwähnt. Über die Exponate wird wenig gesagt, Weder über die sakralen Kunstgegenstände noch über die profanen Alltagsgegenstände werden erläuternde Worte verloren. Schummeriges Licht habe ich außer im Kinoraum nur im Raum der Masken wahrgenommen – über diese stereotype Inszenierung ließe sich natürlich diskutieren! Der überwiegende Teil ist jedoch in hellen, freundlichen Farben gestaltet, die Objekte werden nach aktuellesten Standards präsentiert.

Unerwähnt bleibt leider auch, dass relativ umfassend über die Begegnungen zwischen EuropäerInnen und den Dogon informiert wird – und dies vom Kolonialismus über Ethnographen wie Marcel Griaule bis hin zum aktuellen Kunstraub. Nicht selbstverständlich finde ich die personalisierten Interviews mit Dogon und die teilweise sehr offenen Fragen („Dogon-Kunst in Europa. Wie finden Sie das?“) sowie das Angebot eines Dialoges per E-Mail, Blog&  Co.

Wenn ich mir andere Afrika-Ausstellungen anschaue, muss zumindest ich sagen, dass mir die Dogon-Ausstellung in Bonn durch ihre Ästhetik, ihre Vielfalt an Themen, ihre Angebote an Auseinandersetzung mit Mali und den Dogon und nicht zuletzt durch ihre Aufklärungsbereitschaft auffallend gut gefallen hat.

Doreen Thieke, Maihingen

4.2.2012

328 | Der Krieg gegen Drogen ist gescheitert
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