Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Kontakt Spenden Abo Newsletter
Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 329 | Globales Lernen mit Defiziten Amir Hassan Cheheltan: Amerikaner töten in Teheran

Amir Hassan Cheheltan: Amerikaner töten in Teheran

Ein Roman über den Hass in sechs Episoden. C. H. Beck, München 2011. 189 Seiten, 18,95 Euro.

Roman über den Hass

In den letzten Jahren wurden viele persische Texte übersetzt, die im Iran an der Zensurbehörde scheiterte. Nach »Teheran Revolutionsstraße« 2009 hat der iranische Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan jetzt seinen zweiten Roman Amerikaner töten in Teheran auf Deutsch herausgebracht. 2008 hatte der Autor versucht, diesen politischen Roman im Iran zu veröffentlichen, was ihm trotz vieler Änderungen und Kürzungen nicht gelang. Die unzensierte Ausgabe des Buches ist nun in einer Übertragung der ÜbersetzerInnen Susanne Baghestani und Kurt Scharf im C.H. Beck Verlag erschienen.

Cheheltan ist diesmal auf der Suche nach den Gründen des Antiamerikanismus im Iran. Er hat einen Roman vorgelegt mit vielen historischen Fakten, die eingebunden werden in eine raffinierte fiktionale Geschichte. Die Botschaft ist klar: »Auf einer solchen Vergangenheit (kann man) keine glänzende Zukunft aufbauen«. Cheheltan zeigt, wie drei Generationen einer Familie die schwere Last der iranischen Geschichte auf ihren Schultern tragen. »Die Amerikaner werden in Teheran getötet«, heißt der Originaltitel des Bandes. Die Doppeldeutigkeit des deutschen Titels scheint bewusst gewählt zu sein, um darauf zu verweisen, dass auch IranerInnen schwer unter den Amerikanern leiden mussten.

Die in sechs Episoden erzählte Geschichte kreist um Amerikaner, die innerhalb von sechs Jahrzehnten in Teheran ums Leben kommen. Der Iran mit seinem Erdöl gilt als Land, auf das sich das koloniale Begehren der Russen und des Westens richtet. Das erste Opfer im Roman ist Major Robert Imbrie, Vizekonsul an der amerikanischen Botschaft, der 1924 wegen einer Konzession für Erdölfelder nach Teheran reist. Zu dieser Zeit gibt es Unruhen in der Hauptstadt, und Resa Chan, der Vater des Schahs, kommt an die Macht. Die iranische Gesellschaft ist laut Cheheltan von Aberglaube und Irrationalität geprägt. Ironisch schildert der Autor, wie Imbrie in dieser Atmosphäre heftige Prügel mit Todesfolge bezieht. Dreißig Jahre nach Imbries Ankunft kommt ein Operationsleiter der CIA nach Teheran, um die Regierung des Linksnationalisten Mohammad Mossadegh durch einen Putsch zu stürzen. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Amerikaner bei den PerserInnen noch beliebt. Der CIA-Agent kehrt er als Sieger in seine Heimat zurück.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Figur namens Resa. Fünfzig Jahre vergehen nach Imbries Ermordung, als George, sein Großneffe, nach Teheran kommt, um herauszufinden, warum Amerikaner in diesem Land getötet werden. Georges Beziehung mit Resas Zwillingsschwester endet damit, dass beide in einem Stammlokal der Amerikaner durch einen terroristischen Anschlag kommunistischer Revolutionäre ums Leben kommen. Resa gehört zu einer ähnlichen Untergrundorganisation und tötet Amerikaner. Er wird festgenommen, kommt aber kurz vor der Islamischen Revolution 1979 frei, weil er Genossen verrät. Da er sich nach der Revolution dem neuen Regime entgegenstellt, muss er noch einmal sechs Jahre lang in Haft. 1988 wird Resa wie viele Tausende exekutiert.

Wer nach den Ursachen des Hasses im Iran auf den Westen – vor allem auf die USA – sucht, muss dieses spannende Buch lesen.

Azadeh Hatami

329 | Globales Lernen mit Defiziten
Cover Vergrößern