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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 331 | Restitution geraubter Gebeine Norbert Nicoll: Hat die Zukunft eine Wirtschaft?

Norbert Nicoll: Hat die Zukunft eine Wirtschaft?

Das Ende des Wachstums und die kommenden Krisen. Unrast Verlag, Münster 2011. 177 Seiten, 14 Euro.

Fallhöhen der Kapitalismuskritik

Eine Analyse der kommenden Krisen und der Grenzen des Wachstums – es klingt anspruchsvoll, was der Untertitel der Buches Hat die Zukunft eine Wirtschaft? für die folgenden 163 Seiten vorgibt. Eine solche Analyse wäre sinnvollerweise interdisziplinär angelegt und spräche politische, ökonomische, soziale und ökologische Aspekte an. Diese kaum zu vermeidende inhaltliche Breite wäre innerhalb des geringen Textumfangs nur mittels einer starken Fokussierung zu bewältigen. Dies entspricht auch dem Anspruch des Autors Norbert Nicoll, »Schneisen in das Dickicht der Informationsflut zu schlagen«.

Fangen wir von hinten an. Im Schlusskapitel formuliert Nicoll diese Thesen und Argumente: Das kapitalistische System ist abhängig von der Nutzung fossiler Brennstoffe und anderer begrenzter Ressourcen. Diese werden in der Zukunft immer weniger zur Verfügung stehen. Dadurch hat der »globalisierte, finanzmarktgetriebene Kapitalismus«, keine Zukunft. »Umbau oder Niedergang – so lauten die Alternativen«, wobei unter Umbau die Umstellung auf eine lokal begrenzte Ökonomie »mit nachwachsenden Rohstoffen und mit Hilfe der Naturgewalten« gemeint ist. Der gegenwärtige Energieverbrauch soll gesenkt werden – nicht zuletzt durch »echte Einschnitte beim Konsum«.

Eine nachvollziehbare Herleitung dieser Argumentation wäre wünschenswert gewesen, gerade weil Wachstumskritik nach wie vor politisch umstritten bleibt. Wer über »Grenzen des Wachstums« spricht, gerät schnell in den Verdacht, eine »moralische Verzichtsethik« zu betreiben oder »alarmistische Katastrophenszenarien« an die Wand zu malen. Doch der Autor verliert sich in der Breite seiner Themen, die von der wissenschaftlich längst widerlegten These von der »abiotischen Erdölentstehung« bis hin zum Lobbyismus reichen. Die historischen Ausflüge reichen über das Mittelalter bis zur neolithischen Revolution (ca. 5000 v. Chr.), die als eine »verheerende Entwicklung« angesehen wird. Verbindungen und Herleitungen zwischen den verschiedenen mal mehr, mal weniger schlüssigen Gedankenfetzen fehlen weitgehend – eine zentrale Schwachstelle der Publikation.

Der Autor versteht sein Buch als eine »lose Skizze«, wobei »ursprünglich nicht angedacht war, die Texte zu einem Buch zusammenzufassen«. Diese Selbstcharakterisierung trifft zu, womit sich die Frage stellt, warum Verlag und Autor das Buch in seiner jetzigen Form dennoch veröffentlicht haben. Geradezu absurd wird es, wenn es gegen Ende heißt: »Ziel des Essays war es, den Entwicklungsweg der Menschheit zu analysieren«. Zu hoch gegriffen – dies wäre noch freundlich ausgedrückt.

Ismail Küpeli

331 | Restitution geraubter Gebeine
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