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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 332 | Wem gehört die Stadt? Editorial des Dossiers

Editorial des Dossiers

Hello City – wem gehört die Stadt?

Vom Sturm auf die Bastille 1789 in Paris über den Sturz des Schah-Regimes in Teheran 1979 bis zur Revolution auf dem Tahrir-Platz in Kairo 2011: Es ist die städtische Bevölkerung und oft sind es die Menschen der neuen Vorstädte, die Geschichte machen. Die Stadt ist ein Terrain dynamischer und gelegentlich großer politischer Umbrüche, oft geprägt von Migration, vernetzt mit ländlichen Regionen oder anderen Metropolen. In der Stadt verdichten sich gesellschaftliche Konflikte zwischen den mehr und den weniger Besitzenden von Land, Geld, Macht, Wohlstand. Der städtische Raum selbst »ist der Ort, an dem das globale Kapital sichtbar wird. Und in dieser Sichtbarkeit liegt die Möglichkeit einer politischen Antwort«, sagte jüngst die Stadtsoziologin Saskia Sassen. In den Ankunftsorten der großen Städte spielen sich die Auseinandersetzungen um Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum ab oder um ein »Recht auf Stadt«.

Die derzeitige Migration vom Land in die Stadt ist eine der bedeutendsten Umstrukturierungen der Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert. Jede Stadt ist verschieden, doch stellt sich die Ankunft in Städten des Globalen Südens anders dar als etwa jene in Berlin, und die in Jakarta anders als in Rio. In europäischen Städten wie Brüssel, Berlin oder Athen werden Ankömmlinge aus dem Süden und Osten ebenfalls in ihrer Entfaltung behindert, wenn auch eher mit Gesetzen als mit schierem Mangel.

Nach einigen Gedankengängen über das »Recht auf Stadt« und urbane »Territorien des Widerstands«, die Raúl Zibechi für Lateinamerika beschreibt, berichten wir in diesem Dossier vom Alltagsleben in den Slums von Nairobi. Dort wie auch in den Townships Südafrikas drehen sich die Konflikte um Besitzfragen und um Gestaltungsmacht. Die Frage des Wohneigentums ist gerade in Armutsregionen existenziell wichtig, weil Mieten unerschwinglich sind und die eigenen vier Wände oft die einzige erreichbare soziale Absicherung darstellen.

Verstädterung geschieht überall, vor allem aber im Globalen Süden. Dort werden auch Ansiedlungen in der Einöde und sogar Flüchtlingslager zu urbanen Räumen – für viele allerdings auch zu Territorien der Perspektivlosigkeit. In Jakarta wird auf Schlamm gebaut und in Brasilien wird das Aufhübschen der Favelas vom Wegschieben des Unerwünschten begleitet: Die von Basisbewegungen geforderte Verbesserung von Bauten und Infrastruktur in den Armenvierteln geht einher mit der Vertreibung der Ärmsten, wie angesichts der Vorbereitungen auf die Männer-Fußball-WM 2014 deutlich wird.

Gerade im Globalen Süden zeigt sich, dass beides notwendig ist: Einerseits die Aufwertung der Infrastruktur, der städtischen Räume und Wohnungen, andererseits das Recht der StadtbewohnerInnen auf Entfaltungsmöglichkeiten und einen selbst gewählten Wohnort. Im Dossier gehen unsere AutorInnen der Frage nach, wie sich die aktuelle Verstädterung darstellt und welche sozialen Kämpfe sie begleiten.

Da Städte auch Nährboden für allerlei Kuriosa bieten, haben wir unsere Analysen und Reportagen mit Geschichten aus dem urbanen Leben garniert.

 

die redaktion

 

Das Dossier wurde gefördert aus Mitteln von ENGAGEMENT GLOBAL und des Evangelischen Entwicklungsdienstes.

332 | Wem gehört die Stadt?
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