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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 333 I Die Krise des Kapitalismus Neues Selbstbewusstsein

Neues Selbstbewusstsein

Afrika behauptet sich in der globalen Wirtschaftskrise

Internationale Analysten haben Afrika als Boom-Kontinent entdeckt. Der positive Blick auf das subsaharische Afrika, das noch vor kurzem als hoffnungsloser Fall abgeschrieben wurde, hat auch mit den scheinbar glimpflichen Auswirkungen der Weltwirtschafts- und Finanzkrise zu tun. Doch auch wenn das afrikanische Selbstbewusstsein gewachsen ist: Ganz so rosig ist die Lage nicht, einige Risiken wachsen mittelfristig.

 

von Jörg Goldberg

 

Die meisten Länder des subsaharischen Afrika können heute auf eine zehnjährige Periode hohen Wirtschaftswachstums zurückblicken, das an die Expansion der 1960er Jahre anzuknüpfen scheint. Trotzdem hat die Krise makroökonomisch Spuren hinterlassen. Zwar war der Einbruch 2008/09 rasch überwunden, die Wirtschaft wächst wieder deutlich, aber doch langsamer als vor der Krise. Angesichts der Tatsache, dass noch immer fast die Hälfte der AfrikanerInnen unter der Armutsgrenze lebt, ist diese Verlangsamung folgenreich: Für die Masse der Bevölkerung, die täglich ums Überleben kämpft und kaum Reserven hat, ist auch ein scheinbar geringfügiger Einbruch bedrohlich.

An der Spitze des Wachstums stehen die afrikanischen Ölländer; neu entdeckte Vorkommen beispielsweise in Ghana werden diese Gruppe in Zukunft vergrößern. Bemerkenswert ist die ebenfalls relativ rasche Expansion der Niedrigeinkommensländer, wobei auch hier die gestiegenen Preise für Rohstoffe die Hauptrolle spielen. Im Club der ‚fragilen’, durch Konflikte zerrissenen Staaten gab es zuletzt einige Veränderungen: In der Côte d’Ivoire und in Zimbabwe ist wirtschaftliche Stabilisierung zu verzeichnen, während Mali dieser Gruppe wohl bald erstmals zugerechnet werden muss.

Anders dagegen Südafrika, dessen Produktion für fast 40 Prozent des gesamten afrikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) steht. Die zur Gruppe der aufstrebenden BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) gezählte Ökonomie ist in den Krisenzyklus der ‚alten’ Industrieländer eingebunden. Angesichts Hunderttausender junger Leute, die jährlich auf den Arbeitsmarkt strömen, birgt die geringe Wirtschaftsdynamik Südafrikas gewaltigen sozialen und politischen Sprengstoff: Seit Jahren ist jede/r vierte SüdafrikanerIn arbeitslos, bei Jugendlichen bis 25 Jahren erreicht die Quote 50 Prozent.

Dass der Rede vom »Afrikaboom« – vor allem hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit – einige Skepsis entgegenzubringen ist, zeigt auch der Blick auf die Investitionen: Die Investitionsquote (der Anteil der Investitionen am BIP) liegt mit knapp 22 Prozent kaum über dem Stand zu Beginn der 2000er Jahre, und er liegt weit unter dem Wert Chinas von nahe 40 Prozent.

 

Isolierte afrikanische Finanzmärkte?

Im Zentrum der europäischen und US-amerikanischen Krisensorgen stehen Banken und Finanzmärkte. Analysen, die sich mit Afrika befassen, gebrauchen häufig das Wort »insulated«: Die afrikanischen Finanzsysteme seien, so der »Africa-Outlook« des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 2012, »relatively insulated from global financial markets«. Auch wenn es beispielsweise in Nigeria 2009 eine regelrechte Bankenkrise gegeben hat, die nur durch massive Staatshilfe entschärft werden konnte, ist diese Einschätzung nicht ganz falsch. Das hängt mit der relativ geringen ökonomischen Bedeutung der meisten afrikanischen Finanzsysteme (mit Ausnahme Südafrikas), der geringen internationalen Vernetzung der Geldströme und den hohen Bankreserven zusammen. Die Tatsache, dass in afrikanischen Ländern vielfach europäische Banken dominieren, hat bislang wenig direkte Folgen gehabt: Es überwiegen lokale Geschäfte. Eine Kehrseite der relativen Stabilität ist die geringe Effizienz des Sektors. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen haben extreme Schwierigkeiten, Kredite zu erhalten.

Die Krise hat bislang auch nur vergleichsweise geringe Auswirkungen auf den Zustrom von Auslandskapital gehabt (mit Ausnahme von Südafrika): Es handelt sich überwiegend um Direktinvestitionen in den Bergbau – und der boomt weiter.

Ein Sonderproblem ist die Bindung des frankophonen Afrika an den Euro: Die 14 Länder der West- bzw. Zentralafrikanischen Währungsunion gehören mit ihrer Währung, dem Franc CFA, zur Eurozone, vermittelt über die Mitgliedschaft Frankreichs. Diese Länder deponieren ihre Devisenreserven bei der französischen Nationalbank und unterliegen geld- und wechselkurspolitisch den Vorgaben der Europäischen Zentralbank EZB. Die Krise hat jenen afrikanischen Stimmen Auftrieb gegeben, die die Bindung an den Euro auflösen wollen: Angesichts sich lockernder Wirtschaftsbeziehungen zu Europa werde die Abhängigkeit vom Euro kontraproduktiv. Auch wenn die relative Schwäche des Euro momentan den Interessen der CFA-Länder entgegenkommt (denn schwache nationale Währungen erhöhen die internationale Wettbewerbsfähigkeit): Das Kernargument für die Bindung an den französischen Franc bzw. heute an den Euro, dass arme afrikanische Länder von den Vorteilen einer sicheren Währung profitierten, ist angesichts der Eurokrise hinfällig. Die Ende 2011 umlaufenden Gerüchte über eine erneuten Abwertung des Franc CFA schürten den Verdacht, Frankreich nutze die afrikanischen Währungsreserven in Höhe von zehn Milliarden Euro, um seine Schwäche innerhalb der Eurozone zu überdecken.

 

Rohstoffe in alle Welt

Auch wenn von einer durchgängigen ‚Verinselung’ der afrikanischen Finanzmärkte nicht die Rede sein kann, so sind die Übertragungsmechanismen der Finanzmarktkrise nach Afrika doch überwiegend indirekt und über die Realwirtschaft vermittelt. Im Vordergrund stehen die Exporte: Obwohl der Anteil Afrikas am Welthandel marginal ist, ist seine Bedeutung für Afrika umgekehrt entscheidend. Der Anteil der Exporte am BIP afrikanischer Länder liegt bei 40 Prozent, Tendenz steigend. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um extrakontinentalen Handel, der innerafrikanische Austausch stagniert auf niedrigem Niveau.

Schwankende Einnahmen aus Tourismus, Direktinvestitionen, Überweisungen von MigrantInnen und Entwicklungshilfe tragen ebenfalls dazu bei, Krisen der Industrieländer nach Afrika zu übertragen. Wenn sich die kurzfristigen Auswirkungen bislang in Grenzen halten, so ist dies vor allem dem Rückgang der Wirtschaftsverflechtung mit Europa zu verdanken. Heute geht nur noch ein Fünftel der afrikanischen Ausfuhren in den krisenanfälligen Nachbarkontinent, gegenüber zwei Fünftel noch Anfang der 2000er. China, Indien und Brasilien kaufen inzwischen mehr afrikanische Produkte als die Eurozone.

Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Rohstoffe, die für 80 Prozent der afrikanischen Exporte stehen. Rohöl und Metalle, aber auch Agrarprodukte spielen in vielen Ländern eine dominante Rolle. Der wichtigste, für Afrika zunächst global positive Faktor ist der Anstieg der Rohstoffpreise seit Anfang der 2000er Jahre. Bereinigt um die allgemeine Preisentwicklung sind Energierohstoffe und Metalle derzeit dreimal so teuer wie 2000. Nahrungsmittel haben sich im gleichen Zeitraum um real 50 Prozent, andere Agrarprodukte um 20 Prozent verteuert. Hinzu kommen Mengeneffekte: Der Bergbau wird massiv ausgeweitet, die Suche nach neuen Vorkommen intensiviert; viele Länder sind neue Anbieter von Rohöl und Metallen.

Aber auch wenn festzuhalten ist, dass sich die für Afrika fatale Tendenz zur Verschlechterung der Terms of Trade heute umgekehrt hat, sind die wirtschaftlichen und sozialen Wirkungen doch differenziert zu betrachten. Dass die Preis- und Mengeneffekte bei der Bevölkerung ankommen, ist keineswegs ausgemacht. Da mit Ausnahme von Südafrika kaum ein afrikanisches Land die Fähigkeit hat, die Naturressourcen aus eigener Kraft zu erschließen, sind die Staaten auf das Kapital, das Know-How und die Fachkräfte internationaler Konzerne angewiesen – meist aus den alten Industrieländern, zunehmend auch aus Asien und Lateinamerika. Die Exportländer partizipieren nur insoweit an den steigenden Preisen und Mengen, wie es gelingt, die Überschüsse der Konzerne abzuschöpfen.

Aber nicht alle Länder profitieren von höheren Exportpreisen, manche leiden auch darunter. Ein Beispiel ist Nigeria, das wichtigste Ölland Afrikas. Dort führte die Erhöhung der Benzinpreise wegen Subventionskürzungen durch die Regierung zu Massenprotesten von »Occupy Nigeria« (siehe iz3w 331). Nigeria exportiert Rohöl, muss aber Treibstoff importieren. Benzinpreise sind in ganz Afrika ein sozial explosives Thema: Dank der einseitigen Orientierung auf die Straße ist das Auto das einzige Massenverkehrsmittel. In den Städten verschlingt die tägliche Mobilität leicht ein Fünftel des Einkommens selbst gut verdienender ArbeiterInnen. Auf dem Land kann eine Erhöhung der Benzinpreise für Kleinbauern das ‚Aus’ bedeuten, wenn die Transportkosten zum nächsten Markt unbezahlbar werden.

Ähnlich absurd sind die Folgen höherer Nahrungsmittelpreise: In vielen afrikanischen Ländern sind die ErzeugerInnen von Nahrungsmitteln, die eigentlich von höheren Agrarpreisen profitieren sollten, am stärksten von Hunger bedroht. Viele Bäuerinnen und Bauern müssen selbst dann Nahrungsmittel kaufen, wenn sie eigentlich genug für den eigenen Bedarf erzeugen. Nach der Ernte muss zu niedrigen Preisen verkauft werden, um dringende Geldausgaben zu bestreiten. Daher müssen in der ‚hungry season’ zu hohen Preisen Nahrungsmittel gekauft werden. Dies kann dazu führen, dass selbst gut situierte Kleinbauern in eine Schuldenfalle geraten.

Und hier kommen die Finanzmärkte ins Spiel: Steigende Preise für Nahrungsmittel bedeuten Inflation, die von den  Notenbanken durch Zinserhöhungen bekämpft werden. In Kenia und Äthiopien stiegen die Nahrungsmittelpreise 2011 dürrebedingt um bis zu 50 Prozent, was mit einer Straffung der bis  2009/10 lockeren Geldpolitik bekämpft wurde: Höhere Zinsen, niedrigere Inflation und niedrigeres Wirtschaftswachstum waren die Folgen. Für das subsaharische Afrika sind höhere Nahrungsmittelpreise jedenfalls eine gefährliche Bedrohung: Afrika muss jährlich zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar für Lebensmittelimporte ausgeben.

 

Objekt von Preiswetten

Steigende Rohstoffpreise und verstärkte Bergbauaktivitäten bringen also auch Probleme mit sich, wie die Debatte über den »Ressourcenfluch« deutlich macht. Eine zentrale Frage dabei ist: Wie wirkt die Entwicklung der Rohstoffeinnahmen auf die Struktur der afrikanischen Wirtschaft? Denn nachhaltige Armutsbekämpfung ist nur möglich, wenn die Produktivität der Landwirtschaft steigt und ein konkurrenzfähiger verarbeitender Sektor entsteht, der auskömmliche Arbeitsplätze bietet.

Sicher hängt dies auch von Willen und Fähigkeit afrikanischer Regierungen ab, die Rohstoffeinnahmen im Interesse der armen Bevölkerungsmehrheit zu verwenden. Dazu muss aber der internationale Rohstoffhandel so organisiert werden, dass dies auch möglich ist. Und hierbei ist Skepsis angebracht. Der Anstieg der Rohstoffpreise geht einher mit einer rapiden Finanzialisierung der Rohstoffmärkte, befeuert durch explodierende Finanzanlagen der Rohstofffonds. Aktuell stehen erneut Nahrungsmittel im Fokus der Spekulation – wie immer, wenn etwas knapp ist. Am 1. August 2012 stiegen beispielsweise die Engagements in Mais auf 11,3 Milliarden Dollar, zehn Tage vorher hatten sie 3,2 Mrd. betragen. Auch wenn umstritten ist, ob die Spekulation den Preisanstieg antreibt – kaum bestritten wird, dass sie die Preisschwankungen verstärkt.

Jene Faktoren, die hinter der aktuellen Finanzmarktkrise stehen, nämlich der Überschuss an anlagesuchendem Geldkapital, befördern auch die Rohstoffspekulation und machen immer neue ‚Produkte’ zum Objekt von Preiswetten. In der Folge schwanken die sowohl für die öffentlichen Einnahmen der Regierungen als auch für die Produzenten zentralen Absatzpreise hektisch: Baumwolle, ein für viele afrikanische Länder und Millionen von Kleinbauern lebenswichtiges Produkt, verzeichnete im Jahresverlauf 2011 gewaltige Preisschwankungen: Im März lag der Preis bei 230 US-Cent, im Dezember bei 95 US-Cent pro lb (Pfund). Für die Bauern, die in Afrika cash crops oft zusammen mit Nahrungsmitteln anbauen, ist diese Preisunsicherheit lebensbedrohend.

Die Abhängigkeit der Export- und Staatseinnahmen von schwankenden Rohstoffpreisen stellt sowohl die bäuerlichen ProduzentInnen als auch die Regierungen vor große Herausforderungen: Um sich vor den Folgen der Preisschwankungen zu schützen, müssen sie einen wachsenden Teil der Einnahmen als Reserven halten, die nicht für Investitionen zur Verfügung stehen. Die zunehmende Exposition gegenüber internationalen Preisschocks schmälert somit die Einsatzmöglichkeiten der Rohstoffeinnahmen.

Dadurch wird wiederum notwendiger Strukturwandel behindert. Untersuchungen zeigen, dass gerade in ressourcenreichen Ländern die Landwirtschaft besonders stark zurückbleibt: Während das Land scheinbar reicher wird, bleibt die für die Mehrheit der Bevölkerung zentrale Landwirtschaft zurück. Bislang hat das rohstoffbasierte Wirtschaftswachstum in afrikanischen Ländern nicht zum notwendigen Strukturwandel geführt, wie die Stagnation der landwirtschaftlichen Produktivität und der niedrige, tendenziell eher rückläufige Anteil der Verarbeitungswirtschaft zeigen.

Die aktuell zu beobachtende relative Krisenresistenz Afrikas ändert nichts an der Tatsache, dass der Kontinent mittelfristig extrem verletzlich gegenüber internationalen Schocks ist.

a) Der afrikanische Finanzsektor ist vor allem deshalb relativ krisenresistent, weil er klein und ineffizient ist und in der Breite kaum einen Beitrag zur Förderung von Investitionen leistet.

b) Der Rohstoffboom füllt zwar die Kassen der Regierungen, behindert aber den notwendigen Strukturwandel, unter anderem als Folge der spekulativ verstärkten Preisvolatilität. Höhere Nahrungsmittel- und Treibstoffpreise sind sozialer Sprengstoff ersten Ranges.

c) Die Diversifizierung des Außenhandels weg von Europa und die Intensivierung der Süd-Süd-Beziehungen ist der wichtigste Faktor, der Afrika bislang vor den schlimmsten Krisenfolgen geschützt hat. Es ist aber nicht ausgemacht, ob sich die europäisch-nordamerikanische Krise nicht letzten Endes doch nach Asien und Lateinamerika ausdehnt.

Dagegen ist positiv zu bemerken, dass im Zuge der zugunsten des Südens veränderten internationalen Kräfteverhältnisse viele afrikanische Regierungen und zivilgesellschaftliche Kräfte den gewachsenen Verhandlungsspielraum nutzen, wie der afrikanische Widerstand gegen den Druck der EU in Sachen »Europäische Partnerschaftsabkommen« zeigt. Es wird interessant sein, ob es gelingt, im Rahmen des von den G 20 im Jahre 2011 etablierten »Agricultural Market Information Systems«, das bei starken Preisveränderungen von Nahrungsmitteln stabilisierende Eingriffe vorsieht, den Trend zur spekulativen Finanzialisierung des Agrarhandels zu stoppen. Bislang ist aber noch unklar, wie diese Eingriffe aussehen sollen.

 

Emanzipation von Europa

Bemerkenswert ist auch, dass die Landwirtschaft ins Zentrum der Diskussion gerückt ist. Dabei gibt es immer mehr Widerstand gegen agroindustrielle Entwicklungen, und die wichtige Rolle der Kleinbauern wird zunehmend erkannt. Für Afrika heißt dies unter anderem: Sicherung der kleinbäuerlichen Landnutzungsrechte. Im Kampf gegen den gerade auf Afrika (mit seinen nur vermeintlich großen Landreserven) zielenden Wettlauf der Investoren um Ackerland (»land-grabbing«) gibt es Erfolge. Die im März in Rom von 96 Staaten, NROs und internationalen Organisationen beschlossenen »freiwilligen Leitlinien« zu Landnutzungsrechten sollen traditionelle Besitzverhältnisse formellen Landtiteln gleichstellen und den gleichberechtigten Zugang von Frauen zu natürlichen Ressourcen fördern.

Weniger erfolgreich sind die Bemühungen um eine stärkere regionale Integration der afrikanischen Ökonomien. Obwohl allen Fachleuten bewusst ist, dass größere integrierte Märkte die Voraussetzung für den Aufbau von Verarbeitungsketten sind, dominieren in Afrika wenig effiziente Wirtschaftszonen, die sich zudem oft überschneiden.

Die Krise zeigt, dass Afrika dabei ist, sich von der Vormundschaft der ehemaligen Kolonialmächte und der von ihnen beherrschten internationalen Organisationen zu emanzipieren. Auslandsverschuldung ist – mit einigen Ausnahmen – kein Thema mehr, viele Länder haben ausreichende Devisenreserven. Der

IWF überzieht heute nicht mehr afrikanische Länder, sondern Teile Europas mit »Strukturanpassungsprogrammen«. Angola und Mozambique sind (neben Brasilien) beliebte Emigrationsziele für Fachkräfte aus dem krisengeschüttelten ‚Mutterland’ Portugal. Diese partielle Umkehrung der Verhältnisse dürfte ökonomisch nicht viel bedeuten – für das afrikanische Selbstbewusstsein gegenüber Europa aber ist es kaum zu überschätzen.

 

 

Jörg Goldberg ist Ökonom und entwicklungspolitischer Gutachter mit Schwerpunkt Afrika.

333 I Die Krise des Kapitalismus
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