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HipLife in der neoliberalen Peripherie

Jesse Weaver Shipley: Living the Hiplife. Celebrity and Entrepreneurship in Ghanaian Popular Music. Duke University Press, Durham /London 2013. 329 Seiten, ca. 21 Euro.

Musik ist in Afrika allgegenwärtig. Wie wirkungsmächtig ihre politischen, sozialen und moralischen Dimensionen sein können, zeigte sich beispielsweise bei den Wahlen im Jahr 2000 im Senegal, als junge Hiphop-KünstlerInnen dabei halfen, Präsident Abdou Diouf aus dem Amt zu vertreiben und einen Wechsel zu Abdoulaye Wade zu erzwingen. Ende der 2000er Jahre waren die MusikerInnen ebenso kritisch gegenüber Wade, dem Verrat an den demokratischen Idealen vorgeworfen wurde, die er einst vertreten hatte.

In Living the Hiplife zeichnet Jesse Weaver Shipley, Professor für Anthropologie am US-amerikanischen Haverford College, die Entstehung und Bedeutung des Hiplife nach, dieser ghanaischen Melange aus Hiphop und Highlife. Um es vorwegzunehmen: Dieses Buch ist ein Muss für alle, die sich mit kultureller Produktion, afrikanischem Kosmopolitanismus und ästhetischem Unternehmertum im peripheren Neoliberalismus beschäftigen. Durchgängig gut lesbar, empirisch reichhaltig und theoretisch ambitioniert ist Shipley ein Beitrag zur Musikanthropologie gelungen, der es in sich hat.

Shipley verortet die Ökonomie des in den 1990er Jahren stetig an Popularität gewinnenden Hiphop im Rahmen der Durchsetzung des Neoliberalismus in Ghana. Das Ideal des selbstständigen Unternehmers, der sich unabhängig vom Staat ökonomischen und symbolischen Erfolg erarbeitet, passt hervorragend zur Erzählung vom Gangster-Rapper, der
aus ärmlichen Verhältnissen stammt und durch eigene Kraft zu Ruhm, materiellem Wohlstand und Anerkennung gelangt.

Die Hiplife-Größen, denen Shipley in Accra, London und New York folgt – darunter Reggie Rockstone, M3nsa, Mzbel und VIP – verkörpern die Verschmelzung von Unternehmertum und künstlerischer Berühmtheit. Die Vermittlung des eigenen Erfolges ist ein symbolischer Wert für sich, der auf dem Weg über die Musik in materielles Kapital umgewandelt werden kann. Eine wichtige Rolle spielen dabei die transnationalen Verbindungen dieses Genres. Erfolgreiche MusikerInnen pendeln nicht selten zwischen Europa, den USA und Westafrika und arbeiten dort mit KollegInnen zusammen. Ihre Auslandserfahrungen, verbunden mit dem Nachweis, dass man sich nicht vom »lokalen« Leben entfernt hat, sind eine Art Währung, die eine gewichtige Rolle bei der Etablierung im westafrikanischen und internationalen Showbusiness spielt.

Die öffentliche Auseinandersetzung zu Hiplife in Ghana, so der Autor, steht auch für die Spannung zwischen einem westlich orientierten Kosmopolitanismus in der Ära des Freihandels und so genannten traditionellen Werten. Vor allem von älteren GhanaerInnen wurde diese Musik vor allem in ihrer Anfangsphase als unafrikanisch und kulturell kontaminierend angesehen. Ihren Höhepunkt erreichte diese Diskussion nach der sexualisierten Gewalt gegen die Sängerin Mzbel, der Shipley ein eigenes Kapitel widmet.

Eine Art Ritterschlag erhält Shipleys Studie durch das begeisterte Lob von M-1, einem Mitglied des US-amerikanischen sozialkritischen Hiphop-Duos Dead Prez: »Die äußerst wichtigen Stimmen, die die Welle der Kreativität in Afrika und besonders in Ghana ausmachen, werden die maßgeblichen Stimmen der Zukunft sein. (...) ‚Living the Hiplife’ ist eine notwendige Analyse des afrikanischen Wortes, der Sounds und der Macht.« Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen.

Ruben Eberlein

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