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Weltladen Losheim am See

Die grundsätzlichen KapitalismuskritikerInnen der Aktion 3.Welt Saar hinter dem Ladentisch: Die iz3w bat die A3WS zu erklären, warum sie so ein konkretes Projekt machen.

Nun, wir sehen uns nicht einmal als besonders fundamental, eher als pragmatisch. Mit dem 3.Welt Laden - seit etwa 2000 nennen wir ihn Weltladen - fing 1982 alles an. Es ist das älteste Projekt der Aktion 3.Welt Saar und zugleich das regionalste. Während der Verein dem Laden geographisch und thematisch davon lief, blieb der Weltladen einfach in Losheim stehen. Dies mag man Kontinuität oder Starrsinn nennen.

Am Anfang stand da der Anspruch „Politik mit dem Einkaufskorb“ zu machen. Mittels kleiner Dinge, wie dem Einkauf von Nicaragua-Kaffee, am großen Rad zu drehen. Revolution war hip, solange sie anderswo stattfand. Da wollten wir dabei sein. Der Faire Handel änderte sich. Insbesondere Politik und Analyse wurden von vielen immer mehr als Ballast angesehen und abgeworfen. In den Vordergrund drängte sich nach und nach die schöne Produktwelt. Wir übernahmen auch diese Vorgaben, indem wir den Schwerpunkt auf den Verkauf legten. Der Weltladen wurde ein Projekt unter mehreren. Unser Vorteil war, dass die Aktion 3.Welt Saar als Dachverband genügend Platz für eine Verteilung diverser Ansätze bot. Das war insoweit clever, weil wir ihn damit aus den Niederungen politischer Analysen heraus hielten und damit auch voll im Trend des Fairen Handels lagen.

Immerhin bringt der Weltladen in einem eng umgrenzten Raum für einige konkrete Menschen, zum Beispiel Kaffeebauern oder TeepflückerInnen, Verbesserungen. Gerechtere Preise und angemessenere Löhne zu bezahlen ist im Gesamtrahmen Kapitalismus ja nicht per se schlecht. Trotzdem würden wir den Weltladen vermutlich aufgeben, wenn es den politischen Background mit der Aktion 3.Welt Saar nicht mehr gäbe. Letztlich finden wir uns mit all dem, was in einem Weltladen heutzutage kaum mehr möglich ist, im Verein wieder.

Die Vorstellung, durch niedrigschwellige Mitmachangebote - wir sagen etwas despektierlich „Verbrauchermitmachprojekte“ - könne man Menschen politisieren, stimmt eher selten. Der Weltladen bietet PRODUKTE an. Wer diese kauft, hat das Geld dazu - und entscheidet sich bewusst dafür. Immerhin weist der Laden in einer ich-zentrierten Welt auf Menschen anderswo hin. Schwierig ist es, nicht das Bild von Menschen im globalen Süden als EmpfängerInnen eines karitativen Aufpreises zu vermitteln.  Der Ladentisch in Losheim bietet aber somit zumindest die Chance, in einer sehr neoliberalen Welt ein paar humane Einsprengsel anzubringen.

 

Wolfgang Johann und Roland Röder

338 | Fairer Handel
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