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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 339 | Faschismus hat viele Gesichter Glückwünsche für Denis Goldberg

Glückwünsche für Denis Goldberg

Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen (Hg.): Denis Goldberg – Freiheitskämpfer und Humanist zum 80. Geburtstag. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2013. 240 Seiten, 19,90 Euro.

Neben Nelson Mandela ist hierzulande Denis Goldberg der bekannteste Anti-Apartheid-Aktivist Südafrikas. Das mag daher rühren, dass Goldbergs zweite Frau aus der DDR kam und er die deutsche Sprache erlernte. So sprach und diskutierte Goldberg nach dem Ende der Apartheid in Deutschland auf zahlreichen Versammlungen, in Schulklassen, vor Studierenden und ehemaligen UnterstützerInnen des Anti-Apartheid-Kampfes.

Über zwanzig Personen, die Denis Goldberg in seinem außergewöhnlichen Leben in der einen oder anderen Weise begegnet sind, haben zum Teil sehr persönliche Erinnerungen an ihn zu Papier gebracht – und daraus ein Buch für den Freiheitskämpfer und Humanisten zum 80. Geburtstag gemacht. Persönlich überreicht wurde das Buch vom südafrikanischen Botschafter in Deutschland, Makhenkesi Stofile, anlässlich einer Geburtstags(nach)-feier in Berlin.

Denis Goldberg war einer der wenigen 'Weißen' in der Führungsriege der südafrikanischen Befreiungsorganisation ANC. Er war der einzige Weiße, der im Rivonia-Prozess 1963/64, in dem Mandela und seine Mitkämpfer zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, auf der Anklagebank saß. Nach 22 Jahren kam er 1985 frei und wurde im Exil ANC-Sprecher für Europa, die USA und Kanada. Die Eltern von Denis waren Londoner, die nach Südafrika auswanderten, wo er 1933 geboren wurde. Sie, KommunistInnen, waren entsetzt über die rassistischen Strukturen in ihrer neuen Heimat. Dadurch sensibilisiert, wurde Denis schon als junger Mann politisch aktiv. Als Mitglied des ANC erhielt er die Aufgabe, Waffen zu beschaffen. Als Kämpfer der Untergrundorganisation Umkonto we Sizwe, als Gefangener des Apartheidregimes, als hochrangiger Vertreter des ANC-Exils und später in Regierungsfunktionen war er ein Vorbild. Sein Leben war der Befreiung Südafrikas vom Joch der Apartheid gewidmet.

War sein Ziel mit der Übernahme der Macht durch den ANC, nunmehr eine Partei, erreicht? Konnte er sich zurücklehnen und die Früchte seines und anderer Kampfes genießen? Mitnichten! Bis heute engagiert sich Denis Goldberg für die noch immer sozial stark benachteiligte schwarze Bevölkerungsmehrheit in Südafrika. Als nimmermüder Optimist erinnert er daran, dass es erst knapp zwei Jahrzehnte her sei, dass Südafrika frei ist – in dieser kurzen Zeit könne man nicht eine ganze Gesellschaft umkrempeln. Dabei verschließt er nicht die Augen vor den gegenwärtigen Zuständen im Land am Kap, auf die Autorin Elisabeth Quart eingeht: »Mit Sorge sehen viele Bürger Südafrikas und mit ihnen Freunde des ANC, dass heute eine Reihe gesellschaftlicher Phänomene die erklärten Ziele des ANC torpedieren und den nationalen Frieden gefährden. Dazu zählen Korruption auf allen Ebenen der Gesellschaft, verbreitete Unfähigkeit von Verwaltungen, maßlose Bereicherung durch einige führende Funktionäre, Vetternwirtschaft, Ignoranz oder Beschönigung anhaltender Probleme. Diese und zunehmende Mängel, etwa bei der Bereitstellung öffentlicher Güter und Dienstleistungen (Energie, Gesundheitswesen) untergraben die Glaubwürdigkeit des ANC«.

Mit Sicherheit beschäftigen diese und ähnliche Probleme den Jubilar ganz außerordentlich. Als Optimist wird er wissen, dass Optimismus allein nicht reichen wird, um den errungenen Sieg, für den er sein Leben lang gekämpft hat und für den viele Tausende mit dem Leben bezahlt haben, nicht zu verspielen.

Ulrich van der Heyden

339 | Faschismus hat viele Gesichter
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