Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Kontakt Spenden Abo Newsletter
Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 340 | Eigentor Brasilien Dieter Seifried: Energierevolution in Kuba

Dieter Seifried: Energierevolution in Kuba

Ein Modell für den Klimaschutz? Büro Ö-quadrat, Freiburg 2013. Kostenloser Download: www.oe2.de/referenzprojekte/energierevolution-in-kuba/

Von Kubas Energierevolution lernen

Als das Global Footprint Network im Jahr 2005 »The Living Planet« veröffentlichte, wurde belegt, dass in Sachen Nachhaltigkeitspolitik mit Kuba zu rechnen ist. Denn darin wurde die Lebensqualität von 150 Ländern ins Verhältnis zum jeweiligen »ökologischen Fußabdruck« (Umweltverschmutzung und -Verbrauch) gesetzt. Kuba war das erste und einzige Land, das den Zielbereich zur Nachhaltigkeit überschritten hatte. Ein solcher Erfolg, der indes weltweit ignoriert wurde, ist selbstverständlich nur mit umfangreichen Maßnahmen zu erreichen. Ein zentraler Bestandteil der zukunftsorientierten Politik in Kuba sind die Energieprogramme, die schon seit Jahren, ab 2006 dann als »Energierevolution« systematisch und mit Nachdruck umgesetzt wurden. Während zeitgleich in Deutschland Umweltminister Trittin vor der Lobby der Getränkekonzerne einknickte und seine Reform des Mehrwegsystems bis zur Unwirksamkeit beschneiden musste, wurde im »konzernfreien Kuba« eine umfassende Nachhaltigkeitspolitik praktiziert.

Diese Energierevolution, ihre Effekte sowie ihre Relevanz für die deutsche Energiepolitik werden in einer vom Freiburger Büro Ö-Quadrat veröffentlichten Studie beschrieben. Fidel Castro rief die Energierevolution 2005 aus, weil Einsparpotenziale als lukrative Energiequelle begriffen wurden: »Wir warten nicht, bis Treibstoffe vom Himmel fallen, denn wir haben zum Glück etwas sehr viel Wichtigeres entdeckt: Energieeinsparung – was so viel wert ist wie große neue Ölvorkommen zu entdecken.« Die Energierevolution war eine Herkulesaufgabe. Im Zuge der Umsetzung wurden beispielsweise 2,5 Millionen meist alte US-Kühlschränke durch ein staatliches Programm gegen effizientere, meist chinesische Kühlgeräte ausgetauscht. Die Umstellung von Glüh- auf Sparlampen wurde vollständig vorgenommen.

Diese Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz waren eine von sechs Komponenten der Energierevolution. So wurde das Stromsparprogramm sozial vorbildhaft abgesichert: Die ehemals hohe Subventionierung des Stromverbrauchs wurde abgebaut, zugleich Sozialkredite gewährt und die Stromverbrauchstarife geändert: Haushalte mit hohem Stromverbrauch zahlen nun deutlich höhere Preise. Zudem wurde die Energieerzeugung flächendeckend dezentralisiert und modernisiert, und die bereits übliche Bewusstseinsbildung noch weiter verstärkt (z.B. durch »Energy Advocates«, Medienkampagnen, Festivals). Regenerative Energien wurden ausgebaut, eigene fossile Vorkommen erschlossen und internationale Kooperation verstärkt.

Autor Seifried resümiert: Angesichts des notwendigen weiteren Ausbaus der regenerativen Energiequellen und der Strompreissteigerungen in Deutschland wäre dies sozial gerecht abzufedern. Eine gezielte Förderpolitik, flankiert durch tarifpolitische Maßnahmen sowie durch kostenlose Energiesparchecks und Sozialkredite könnten zur Energiewende und gleichzeitig zur Kostenentlastung von Stromkunden beitragen. In der weltweiten Suche nach zukunftsfähigen Entwicklungspfaden und alternativen Strategien stellt seine Studie ein interessantes Beispiel dafür dar, inwiefern der »Norden« vom »Süden« lernen kann und sollte.

 

Edgar Göll

340 | Eigentor Brasilien
Cover Vergrößern