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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 345 | von Barrieren und Behinderungen Gundi Dick: Eine Hand allein kann nicht klatschen.

Gundi Dick: Eine Hand allein kann nicht klatschen.

Westsahara – mit Frauen im Gespräch. Löcker, Wien 2014. 173 Seiten, 19,80 Euro.

Weiblicher Widerstand in der Westsahara

 

Die UN misst Frauen bei der Konfliktlösung und Friedenssicherung eine wichtige Rolle bei. Auch die Frauen in der Westsahara erweisen sich als wichtige Akteurinnen, die sich für die Unabhängigkeit ihres Landes einsetzen. Gundi Dick geht in ihrer Studie Eine Hand allein kann nicht klatschen auf ihre Situation ein. Dabei fragt sie nach der politischen und gesellschaftlichen Handlungsmacht der Frauen innerhalb der Gesellschaft. Ihnen wird ein »guter Status« zuerkannt, aber ihr politisches Engagement beschränkt sich vor allem auf die Basis; in höheren Ämtern sind sie unterrepräsentiert. Können sie sich also für eigene Belange einsetzen oder werden sie nur im Hinblick auf den Widerstand gefördert?

Bevor Dick auf diese Fragen eingeht, gibt sie einen historischen Überblick über den Konflikt in der Westsahara, der seit Anfang der 1970er Jahre andauert. In einem Geheimabkommen vergab Spanien zwei Drittel seines ehemaligen Kolonialgebiets an Marokko und ein Drittel an Mauretanien, statt ein Referendum über die Unabhängigkeit durchzuführen. Der Widerstand der sahrauischen Bevölkerung mündete in der Gründung der Polisario (Frente Popular para la Liberación de Saguía el Hamra y Río de Oro), die Krieg gegen die Besatzer führte. Seit einem Friedensabkommen mit Mauretanien 1979 steht das östliche Drittel unter Verwaltung der Polisario. In der Westsahara, in algerischen Flüchtlingslagern sowie im Exil versuchen sahrauische AktivistInnen, auf eine endgültige Lösung und die Unabhängigkeit der Westsahara hinzuwirken.

Frauen nehmen dabei eine wichtige Rolle ein: In den Flüchtlingslagern bauen sie Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen auf. Im besetzten Gebiet organisieren sie den Widerstand und leisten wichtige Aufklärungsarbeit, wobei sie immer riskieren, festgenommen zu werden. Wie beeinflusst das ihren Status? Dick plädiert dafür, bei einer wissenschaftlichen Betrachtung westliche Feminismuskonzepte und politisches Handeln zu entkoppeln. Denn die Aktivistinnen führen keinen Diskurs über Herrschaft, bei dem es um eine Veränderung der Geschlechterverhältnisse und die Emanzipation der Frauen innerhalb der Gesellschaft geht. Ihr politisches Handeln richtet sich gegen die marokkanische Besatzung. Widerstand wird durch die Loyalität mit der eigenen politischen, hauptsächlich männlichen Repräsentanz ausgedrückt. Und obwohl die Meinungen der Informantinnen über das Ausmaß ihrer Emanzipation differieren, blicken sie alle zuversichtlich in die Zukunft: Sahrauische Frauen seien wichtige Partnerinnen der Männer und würden dies durch ihr Engagement und ihre Stärke auch bleiben.

Dicks Studie gibt einen guten Einblick in sahrauische Gesellschaftsstrukturen und den Widerstand in einem Konflikt, der auf internationaler Ebene eine marginale Rolle spielt. Sehr eindrücklich sind dabei die Berichte einiger Frauen, die seit Mitte der 1970er Jahre in Flüchtlingslagern leben oder jahrelang inhaftiert und gefoltert wurden. Im Gespräch mit den Frauen wird deutlich, dass sie sich ihres guten Status bewusst sind, die individuelle Selbstbestimmung aber der kollektiven Unabhängigkeit unterordnen – bis diese erreicht ist.

Katharina Forster

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