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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 345 | von Barrieren und Behinderungen M. Moustapha Diallo (Hg.): Visionäre Afrikas.

M. Moustapha Diallo (Hg.): Visionäre Afrikas.

Der Kontinent in ungewöhnlichen Portraits. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2014. 366 Seiten, 29,90 Euro.

Pioniere der afrikanischen Geschichte

 

Afrika als Kontinent der Katastrophen, Krankheiten und Kriege – das Vorwort des Sammelbandes Visionäre Afrikas beklagt, wie sehr dieses Bild noch immer tief in den Köpfen vieler EuropäerInnen verwurzelt ist. Solchen Vorstellungen möchte das Buch mit Portraits entgegen treten, in denen von Menschen berichtet wird, die für eine bessere Zukunft kämpfen, die beharrlich an ihren Visionen festhalten, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Geschrieben wurden diese Porträts von unbekannten wie auch etablierten SchriftstellerInnen afrikanischer Herkunft. Ihnen gibt der Sammelband somit ebenfalls eine Stimme, die in Deutschland noch immer selten zu hören ist.

Einige der Portraitierten sind internationale Größen, wie die Schriftstellerin und Politikerin Aminata Traoré, der Musiker Fela Kuti oder der Unabhängigkeitsführer Patrice Lumumba. Andere hingegen sind kaum über die Grenzen ihrer Region oder ihrer Gruppe hinaus bekannt. Dort konnten sie jedoch wichtige Veränderungen bewirken und sind fest im kulturellen Gedächtnis verankert. Viele der Persönlichkeiten verschaffen sich Gehör durch Literatur oder Musik, aber auch durch die Gründung von Vereinen und Universitäten oder durch öffentliche Protestaktionen. Einige kämpfen als Führungspersonen, andere als einfache DorfbewohnerInnen gegen Kolonialismus, Abhängigkeiten, Korruption, Diskriminierung, Armut oder Umweltprobleme. Zwar sind die Geschichten wiederum geprägt von Konflikten und scheinbar ausweglosen Situationen. Gleichzeitig stellen sie sich aber auch gegen die oft vermutete Passivität der Menschen und zeigen ein Panoptikum an Möglichkeiten des Widerstandes auf.

Alle Portraits setzen einen Schwerpunkt auf die Umstände, die zu diesem außergewöhnlichen Handeln geführt haben. Dabei reichen die literarischen Darstellungsformen von sachlichen Kurzbiographien über Erfahrungsberichte der AutorInnen bis hin zu mündlich überlieferten Erzählungen, sie laden so zu einem abwechslungsreichen Schmökern ein. So schafft es der Sammelband, Vorurteile, Klischees und Stereotypen aufzubrechen, ohne dabei den Zeigefinger zu heben. Wer tiefgehende oder kritische Analysen erwartet, muss hingegen selbst aktiv werden. Bei einigen Portraits bieten Hinweise zu Literatur, Film und Musik die Möglichkeit, sich näher mit einzelnen Personen zu beschäftigen.

Überraschenderweise weist das Buch einen klaren Bezug zu Deutschland auf. Dies liegt nicht nur daran, dass die Erstausgabe in der Afrika-Reihe des deutschen Peter Hammer Verlages erschienen ist. Nicht wenige der AutorInnen sowie der Herausgeber leben oder lebten in Deutschland. Vor allem aber verdeutlichen die erzählten Geschichten eine starke Verbindung: Zahlreiche Portraits zeigen die kolonialen Verstrickungen Deutschlands in vielen afrikanischen Ländern auf, die bis heute weit reichende Auswirkungen haben.

Die Auswahl der Portraits wurde von den AutorInnen selbst getroffen und folgt keiner klaren Linie. Gerade deshalb präsentiert der Sammelband eine große Bandbreite bedeutender Persönlichkeiten, die deutlich macht, dass Afrika in vielen Bereichen auch ein Kontinent der Pioniere ist.

Eva-Marie Knapp

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