Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Kontakt Spenden Abo Newsletter
Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 346 | Ausbeutung der Meere Birgit Englert und Barbara Gärber (Hg.): Landgrabbing

Birgit Englert und Barbara Gärber (Hg.): Landgrabbing

Landnahmen in historischer und globaler Perspektive. New Academic Press, Wien 2014. 232 Seiten, 24,90 Euro.

Wem gehört das Land?

Landgrabbing, also großflächige Landnahmen durch finanzstarke Investoren, erfahren in den letzten Jahren erhöhte Aufmerksamkeit, sowohl in den Medien als auch in akademischen Kreisen. In den meisten Fällen wird Landgrabbing als neues Phänomen klassifiziert, das durch eine entfesselte Marktlogik und starke Liberalisierungstendenzen weltweit entstanden sei. Selten werden die neueren Landnahmen in einen historischen Kontext gestellt. So bleibt oft unklar, inwiefern sie Kontinuitäten gegenüber früheren Aneignungsformen und Inbesitznahmen aufweisen. Zudem bleiben die konkreten wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen der Landnahmen auf die LandnutzerInnen oft unterbeleuchtet.

Birgit Englert und Barbara Gärber setzen dem ihren Sammelband Landgrabbing entgegen. Sie haben Fallstudien zusammengetragen, die dieses Phänomen bewusst in breitere historische, geographische und politische Kontexte stellen. So wollen sie deutlich machen, dass Landnahmen kein rezentes Phänomen sind, sondern in den unterschiedlichsten Formen immer Teil historischer Prozesse von Aneignungen, Inbesitznahmen, Landreformen und dem Widerstand gegen diese waren. Die Auswirkungen auf bestimmte soziale Gruppen von LandnutzerInnen sind ein weiterer Schwerpunkt des Bandes, weshalb zahlreiche Untersuchungen die lokale oder sogar familiäre Ebene in den Blick nehmen. So entsteht durch die Befassung mit vermeintlichen Detailfragen ein umfassendes Bild aktueller und historischer Landnahmen.

Sechs Beiträge widmen sich dem afrikanischen Raum, drei dem asiatischen und drei weitere den beiden Amerikas. Zusätzlich werden gesondert theoretische Fragen und die Bedeutung von Geschlecht behandelt. Die Beiträge verdeutlichen, dass die Motive hinter den Landnahmen unterschiedlicher nicht sein könnten: Angefangen von kolonialen Eroberungen und totalitären Regimen über nationale Landreformen und Landaneignungen im Namen des Naturschutzes oder des Tourismus bis hin zu neueren treibenden Kräften wie den globalen Wirtschafts-, Finanz- und Ernährungskrisen.

Nichtsdestotrotz zeigen die verschiedenen Beispiele große Gemeinsamkeiten und somit Kontinuitäten auf: Die LandnutzerInnen werden meist als Hindernis für eine effiziente oder ökologisch sinnvolle Nutzung des Bodens betrachtet, womit ihnen der Anspruch auf Besitz oder Nutzung des Landes entzogen wird. Geheimhaltung und Intransparenz sind ebenfalls ein Kennzeichen der verschiedensten Landnahmeprozesse. So bleiben Mitspracherechte und die Möglichkeiten des lokalen Widerstands für die LandnutzerInnen oftmals sehr begrenzt.

Englert und Gärber machen in ihrem wertvollen Band deutlich, dass Landnahmen immer Ausdruck herrschender Machtverhältnisse sowohl auf (inter-)nationaler als auch auf lokaler Ebene waren und es noch immer sind. Deshalb müssen sie als politisches Problem im historischen Kontext gedacht werden.

Janna Aljets

346 | Ausbeutung der Meere
Cover Vergrößern
Südnordfunk zum Thema

Zur Südnordfunk-Sendung

"Ausbeutung der Meere"

Meere4.JPG