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Huck, Alexandra: Marielas Traum

Alexandra Huck: Marielas Traum. Books on Demand, Norderstedt 2014. 472 Seiten, 14,90 Euro.

Kolumbianische Träume von Gerechtigkeit

Der Chitandó ist ein Fluss im kolumbianischen Dschungel. Seine Ufer sind die Heimat von Mariela, die in einer der dort siedelnden afrokolumbianischen Gemeinden aufwächst. Deren BewohnerInnen leben als Kleinbauern vom Anbau von Reis und Kochbananen. Eines Tages tauchen Militärs und Paramilitärs in den Dörfern auf und vertreiben die EinwohnerInnen brutal von ihrem Land. Von nun an sind sie Flüchtlinge, die, unter der ständigen Aufsicht von Paramilitärs in einem Sportstadion der nächstgelegenen Stadt untergebracht, auf die Zuteilung von Nahrungsrationen angewiesen sind.

Von offizieller Seite wird schnell eine Erklärung für das Vorgehen gefunden: Es handelt sich um eine Operation von Paramilitärs, die das Militär im Kampf gegen die linke Guerilla unterstützt. Die Gemeinden am Ufer des Chitandós mussten geräumt werden, da sie den Guerillas Unterschlupf gewährten und sie mit Nahrung versorgten. Doch die Wahrheit sieht anders aus: Es handelt sich um einen klassischen Fall von Landgrabbing. Investoren mit Verbindungen zu höchsten Kreisen in Militär und Politik haben Interesse an dem Land am Chitandó angemeldet, um dort den Dschungel zu roden und Palmölplantagen anzulegen.

»Eher fließt das Wasser flussaufwärts, als dass ein Vertriebener sein Land zurückbekommt – oder ein General für seine Verbrechen ins Gefängnis geht.« Diese Devise der älteren DorfbewohnerInnen gilt es zu widerlegen. Und so stellt sich Mariela mit an die Spitze einer Gruppe, die nicht nur entschlossen ist, für die Rückkehr auf ihr Land zu kämpfen, sondern die auch die zuständigen Militärs und Paramilitärs für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen sehen will. Sie führen diesen Kampf nicht alleine, sondern werden unterstützt von einer Gruppe von Patres und Nonnen und vor allem von »Pro Derechos«, einer Gruppe von AnwältInnen, die sich auf solche Fälle konzentrieren. Durch diese Gruppe wird auch Beata, eine junge Deutsche, die nach Kolumbien gekommen war, um bei »Pro Derechos« ein Praktikum zu absolvieren, in den Kampf involviert. Es ist kein leichter: Sie kämpfen gegen hochrangige Militärs, die ihre GegnerInnen einzuschüchtern wissen. Doch auch, wenn sie ihrem Ziel nur langsam näher kommen, am Ende kehren sie auf ihr Land zurück und bauen die Gemeinde wieder auf, während der zuständige General und der Kopf der Paramilitärs sich vor Gericht verantworten müssen.

Eigentlich auf Sachtexte zum Thema Kolumbien spezialisiert, legt Alexandra Huck mit Marielas Traum ihren ersten Roman vor. Einleitend hält sie fest: »Der Roman ist von realen Ereignissen in Kolumbien (und der Welt) inspiriert und könnte so wirklich passiert sein.« In Kolumbien verfolgt sie diese realen Ereignisse seit langer Zeit. In den 1990er Jahren arbeitete sie dort für Peace Brigades International. Seit über zehn Jahren ist sie bei der Organisation kolko tätig, die sich von Berlin aus und vor Ort für die Menschenrechte in Kolumbien einsetzt. Diese Expertise macht sich bezahlt. Huck gelang es, einen spannenden Polit-Thriller zu schreiben, der einen guten Einblick in die politische Situation Kolumbiens gibt und zugleich eine Problematik von internationaler Tragweite behandelt.

Anna Laiß

350 | Anti-Rassismus im Süden
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