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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 352 | Refugees & Selbstermächtigung Ina Hilse/ Kirstin Büttner (Hg.): Engagiert – resistent – bedroht

Ina Hilse/ Kirstin Büttner (Hg.): Engagiert – resistent – bedroht

Handlungsspielräume und Perspektiven sozialer Bewegungen in Mittelamerika. Schmetterling Verlag, Stuttgart 2015. 212 Seiten, 14,80 Euro.

Was sind aktuelle Konfliktlinien in den Ländern Mittelamerikas? Vor welchen Herausforderungen stehen dortige soziale Bewegungen? Wie sind gesellschaftliche Konstellationen historisch zu erklären? Solchen Fragen gehen die Herausgeberinnen Ina Hilse und Kirstin Büttner in ihrem Sammelband Engagiert – resistent – bedroht nach. Er beinhaltet jeweils ein Kapitel zu jedem der sieben Länder dieser Region. Außerdem enthält er Beiträge zu den Themen Gewalt gegen Frauen und Feminizide, die Politik der USA gegenüber Mittelamerika, Kirche und Religion, das Freihandelsabkommen mit der EU und Tourismus in Mittelamerika. Erklärtes Ziel der Herausgeberinnen ist, einen aktuellen Überblick zu Mittelamerika zu geben, nachdem die Region aus dem Fokus der linken Öffentlichkeit gerückt ist.

Da wären zum Beispiel die Auseinandersetzungen rund um die Freihandelsabkommen mit den USA und der EU: In Costa Rica weitete sich der Protest gegen das CAFTA-Abkommen, ein Freihandelsabkommen zwischen den USA, Zentralamerika und der Dominikanischen Republik, zu einer vielfältigen sozialen Bewegung aus, die zwischen 2005 und 2007 das öffentliche Leben beherrschte. Eine breite Allianz von UmweltaktivistInnen, Feministinnen, GewerkschafterInnen, KleinbäuerInnen, indigenen Organisationen, Parteien, Studierenden und anderen Gruppen versuchte, das Abkommen zu stoppen. Aufgrund des öffentlichen Drucks setzte Präsident Oscar Arias schließlich ein Referendum an. Dieses gewannen er und die CAFTA-BefürworterInnen knapp mithilfe einer intensiven Pro-CAFTA-Kampagne, eines unfairen Wettstreits mit aller Medien- und Finanzmacht und dem gezielten Einsatz der Angst vor Arbeitsplatzverlust. Die neoliberale Umgestaltung Costa Ricas seit 2009 konnte nicht gestoppt werden.

Mittelamerika gehört zu den Regionen, in denen es am häufigsten und mit steigender Tendenz zu Feminiziden und Gewalt gegen Frauen kommt. Diese Geschlechtergewalt spiegelt sich in den staatlichen Institutionen wider: Selten werden Frauenmorde von den Behörden verfolgt. In den letzten Jahren wurden jedoch in einigen Ländern Mittelamerikas Feminizide explizit als Straftat in die Gesetzestexte aufgenommen. Frauenrechtsorganisationen und Feministinnen spielten dabei aufgrund politischer Lobbyarbeit und der Organisation von Großdemonstrationen eine wichtige Rolle. Sie bieten auch Unterstützung für Betroffene, beobachten die Einhaltung der neuen Gesetze und leisten Sensibilisierungsarbeit. Oftmals sind Frauenorganisationen und Feministinnen jedoch selbst Diskriminierung und sozialer Stigmatisierung ausgesetzt. Das gilt besonders für Honduras, wo seit 2009 vonseiten der Putschregierung und den konservativen Nachfolgeregierungen verstärkte Repression herrscht.

Dies sind nur zwei Beispiele für die vielfältigen Einblicke des Buches zu Mittelamerika. Trotz oftmals erschwerter und teilweise gefährlicher Bedingungen, so die Botschaft des Buches, gibt es vielseitigen Widerstand. Die Beiträge sind detailreich und beschränken sich nicht auf oberflächliche Analyse. Umfangreiche länderspezifische Unterkapitel zur Geschichte, Wirtschaft und Gesellschaft tragen zum besseren Verständnis der aktuellen Situationen bei. Anders als diese Rahmenanalysen der Handlungsspielräume fallen die Beschreibungen der sozialen Bewegungen aber eher knapp aus.

Maria Irrgang

352 | Refugees & Selbstermächtigung
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