Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Kontakt Spenden Abo Newsletter
Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 354 | Zugemüllt Jens Kersten (Hg.): Inwastement

Jens Kersten (Hg.): Inwastement

Abfall in Umwelt und Gesellschaft. transcript Verlag, Bielefeld 2016. 29,99€

Der jüngst erschienene Sammelband Inwastement befasst sich mit »Abfall in Umwelt und Gesellschaft«. Der Neologismus »Inwastement« soll eine Perspektive auf Müll als hybride gesellschaftlich-kulturelle-materielle Konstellation andeuten. Daran anschließend wird die bekannte Definition der Sozialanthropologin Marry Douglas, wonach Abfall als »matter out of place« betrachtet werden kann, um Ideen aus der Akteur-Netzwerkthorie erweitert. Dieser zufolge sind auch Gegenstände, innerhalb der Theorie als Aktanten bezeichnet, an der Produktion von Wissen beteiligt.

Was also konkret als Müll betrachtet wird, entsteht aus einem  Zusammenspiel soziokultureller und politischer Deutungsmuster sowie der Interaktion verschiedenster AkteurInnen und Aktanten. Nicht nur wir Menschen machen Müll, sondern der Müll macht und verändert auch uns. Der Begriff Inwastement deutet zudem die politisch-ökonomische Dimension der Ware Müll an.

Die kulturwissenschaftliche Herangehensweise des Sammelbandes fügt einem so diversen Thema wie »Müll« neue Dimensionen hinzu. Und so ist eine seiner Stärken, dass er zum einen neue Perspektiven eröffnet und zum anderen die Komplexität des Themas abbildet. Auch die Interdisziplinarität der Beiträge ist bereichernd, gerade für positivistische Wissenschaftsfelder wie Abfall- und Umweltwissenschaften, die sich klassischerweise mit Müll beschäftigen.

Das Buch ist in die Kapitel »Dinge«, »Orte«, »Wege« und »Zeiten« unterteilt. Darin eingebettet sind nicht nur Beiträge zu verschiedenen Müllsorten wie Atommüll, Industrie- und Haushaltsmüll, CO2-Emissionen oder Lebensmittel als Abfall. Es werden auch Stoffströme wie zum Beispiel der des Phosphors in den Blick genommen. Andere Beiträge gewähren einen Einblick in die historische Entwicklung von Abfällen und beschreiben diskursive Verschiebungen. Immer wieder wird auch die Schwierigkeit rein technischer »Lösungen« des Abfallproblems andiskutiert. Schließlich laden letztere dazu ein, die Notwendigkeit politischer und normativer gesellschaftlicher Veränderungen zu übersehen und sich auf rein technische Fortschritte zu verlassen.

Ein Sammelband kann keine absoluten Antworten auf gesamtgesellschaftliche und globale Probleme liefern, doch kann er Fragen stellen und Diskussions- und Denkanstöße liefern. Leider verbleiben die meisten Artikel auf einer deskriptiven Ebene und verlieren sich mitunter in kulturwissenschaftlichen Wortspielereien. Das ist schade, lassen sich doch am Thema Müll politische und ökonomische Missstände sowie die Widersprüche globalisierter Produktions- und Konsumweisen gut aufzeigen.

Swetlana Hildebrandt

354 | Zugemüllt
Cover Vergrößern
Südnordfunk zum Thema

Kenia: Waste Pickers& Start-Ups

Elektroschrott nach Ghana?

Waste-Pickers in Südafrika

Elektroschrottkette nachrecherchiert