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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 356 | Warum Menschen fliehen Comics über Flucht

Comics über Flucht

Das allgegenwärtige Thema Flucht und Migration ist schon seit einiger Zeit auch in der deutschsprachigen Comic-Szene angekommen. Entgegen der Vorbehalte Einiger eignet sich das verspielte Medium Comic sehr gut, um abstrakte und große Themen wie Fluchtursachen vielschichtig auf eine persönliche Ebene zu bringen und zugleich politisch zu sein.

Die Comics in dem Sammelband Geschichten aus dem Grandhotel, aus dem auch die in dieser iz3w-Aus-gabe präsentierte Comic-Fluchtgeschichte stammt, beschäftigen sich mit ganz verschiedenen Aspekten des Themas Flucht: Der Flucht selbst, dem Ankommen in Deutschland, dem Leben im Augsburger Grand Hotel, einem Projekt von und für Geflüchtete, oder eben auch mit Fluchtursachen.

In der Der Traum von Olympia geht Reinhard Kleist der Geschichte von Samia Yusuf Omar nach. Samia ist eine talentierte Läuferin und hatte Somalia bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking vertreten. Sie wurde zwar beim 200-Meter-Lauf Letzte, jedoch motivierte sie das nur, besser zu werden, um bei den nächsten Spielen zu gewinnen. Alles, was sie nun will, ist trainieren. Allerdings ist das Trainieren in Somalia nicht so einfach und so entschließt sie sich zur Flucht. Gut die Hälfte des 140 Seiten langen Comics nimmt die Darstellung ihrer Situation in Somalia ein. Neben den schlechten Trainingsbedingungen machen Samia vor allem die muslimischen Fundamentalisten der Al-Shabab-Miliz zu schaffen. Diese bedrohen und verfolgen sie, da sie der Meinung sind, dass sich das Laufen für eine Frau nicht gehört. Um besser trainieren zu können, geht sie nach Addis Abbeba, dort wird sie jedoch abgewiesen, weil sie eine Frau ist. Erst dann entschließt sie sich, nach Europa zu fliehen.

Im Land der Frühaufsteher von Paula Bullig portraitiert Menschen aus Geflüchtetenunterkünften in Sachsen-Anhalt. Dieses Bundesland ist berüchtigt für seine unflexible und rigide Flüchtlingspolitik. Aus den Geschichten wird nicht nur deutlich, wie menschenfeindlich das Leben in solch einer Unterkunft sein kann, sondern auch, dass es aus verschiedensten Gründen für die Menschen »kein Zurück« gibt.

Über das analoge und, wie Mike Loos im Nachwort zum »Grandhotel« schreibt, »langsame Medium« Comic hinaus finden sich auch im Internet einige spannende Comic-Projekte zum Thema Flucht. Ende Juni erschien in der Rheinischen Presse die Geschichte von Davood A. In seiner auch online zu lesenden Geschichte Mein Weg in die Freiheit beschreibt er die Umstände im Iran, die es für ihn als politischen Aktivisten unmöglich gemacht haben, weiter sicher und ohne Verfolgung in der Islamischen Republik leben zu können. Davood ist selbst Comic-Zeichner und macht derzeit ein Praktikum bei der Rheinischen Presse, in dessen Rahmen auch der Comic entstand.

Mittlerweile 28 Comics stehen auf der Seite des Projektes Positives-Negatives. Sie sind sehr gut recherchiert und in Zusammenarbeit mit den ProtagonistInnen erstellt worden. Nicht bei allen Geschichten dieses Projektes geht es um Flucht und Fluchtursachen. Menschenhandel und Rassismus sind ebenso Themen. Einige Comics sind bereits im Guardian und in der Huffington Post erschienen. Auf der Webseite gibt es auch Links zu Lehrmaterialien über Flucht.

In den Vor- oder Nachwörtern der vorgestellten Comics stehen zumeist klare Worte gegen die europäische Migrationspolitik. Die AutorInnen wünschen sich die Veränderung einer politischen Line, die ungeachtet der sich zuspitzenden Zustände und der steigenden Zahlen ertrunkener Geflüchteter auf Abschottung statt auf legale und sichere Einreisewege setzt.

von Swetlana Hildebrandt

 

Mike Loos (Hg.): Geschichten aus dem Grandhotel. Wißner-Verlag, Augsburg 2016. 96 Seiten, 12,80 Euro

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia. Die Geschichte von Samia Yusuf Omar. Carlsen Verlag, Hamburg 2015. 151 Seiten, 17,90 Euro

Paula Bullig: Im Land der Frühaufsteher. Avant-Verlag, Berlin 2012. 128 Seiten, 17,80 Euro

www.interaktiv.rp-online.de/flucht-comic/

www.positivenegatives.org

356 | Warum Menschen fliehen
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