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Netzwerk entwicklungspolitischer Fachleute (Hg.): Dilemmata der Entwicklungspolitik

Im heiklen Terrain der Entwicklungspolitik

In der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) läuft selten alles wie geschmiert. Der Umgang mit europäischen Privilegien, der Zweifel an sinnlosen Projekten und Evaluierungen sowie das Pendeln zwischen den Welten machen entwicklungspolitische Arbeit schwierig. Da heißt es eine Balance zu finden zwischen den Vorgaben der Politik, persönlichen Gefühlszuständen und den Gegebenheiten des Landes. Der vom Netzwerk entwicklungspolitischer Fachleute herausgebrachte Band Dilemmata der Entwicklungspolitik versammelt diesbezügliche persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, die auf eine ehrliche, selbstkritische Weise von den EZ-ExpertInnen erzählt werden. Sie wollen damit zu mehr öffentlicher Diskussion über EZ anregen.

Es gebe Projekte im Partnerland, für die sich niemand verantwortlich fühlt und die somit verkommen, schildert Theo Rauch ein gängiges Problem. Beispiele hierfür sind Dorfbrunnen oder Schulgebäude, die durch internationale Geberprogramme errichtet wurden, für die die vorgesehenen NutzerInnen sich aber nicht verantwortlich fühlen: »Ohne ownership, ohne das Gefühl zuständig zu sein und das klar verankerte Recht, in diesem Zuständigkeitsbereich zu bestimmen, läuft entweder nichts oder es läuft schief. Wo sich niemand zuständig fühlt, geht nichts voran«, resümiert Rauch.

Schwierig gestaltet sich oft die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen (deutschen) GutachterInnen und (einheimischen) Co-GutachterInnen. »Die KollegInnen vor Ort können durch ihre Kenntnis der lokalen Bedingungen einen guten Draht zu den GesprächspartnerInnen herstellen und die leichter ‚ins Boot holen’«, so formulieren Iris Paulus und Beate Holthusen die Vorteile solcher Kooperationen. Die Ansprüche an eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind hoch – auch seitens des BMZ. Aber an der Umsetzung hapert es, etwa aufgrund zwar ungewollter, aber fest etablierter Hierarchien im Verhältnis von KollegInnen aus dem Globalen Norden und dem Süden. Gleich verteilte Verantwortung wird so erschwert. Eine gemeinsame Reflektion bleibt meist aus, wenn die (deutschen) GutachterInnen den Tag abends im Hotel Revue passieren lassen und die Co-GutachterInnen ihrem alltäglichen sozialen Leben nachgehen. Die Verbesserungsvorschläge von Paulus und Holthusen richten sich auf systematische Ausbildung und »mehr Austausch zwischen GutachterInnen, sowohl Süd-Süd, Süd-Nord, Nord-Nord als auch mehr Austausch mit Auftraggebern über die Realität der Zusammenarbeit.«

In Bezug auf die Beratung einheimischer Organisationen betont Josephine Beck-Engelberg, dass diese nur Sinn macht, wenn die »Beratungsanfrage von der Partnerorganisation selbst kommt«, sie also »ein klares Veränderungsanliegen hat.« Auch andere AutorInnen sehen in fehlender Kommunikation und mangelndem gemeinsamen Planen, Arbeiten, Diskutieren und Evaluieren die Hauptgründe dafür, wenn Projekte nicht erfolgreich sind. So kam es trotz aller Mühen von EZ-ExpertInnen in einigen Gebieten Westafrikas während der vergangenen 30 Jahre nicht zur substantiellen Verbesserung der desolaten Nahrungs-, Wasser- und Gesundheitsversorgung, wie Thomas Jenisch konstatiert. Es gibt also auch innerhalb der EZ noch viel zu entwickeln.

von Kristin Nolte

 

Netzwerk entwicklungspolitischer Fachleute (Hg.): Dilemmata der Entwicklungspolitik. Geschichten aus der Praxis. Ibidem-Verlag, Stuttgart 2015. 130 Seiten, 12,90 Euro.

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