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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 356 | Warum Menschen fliehen My Escape / Meine Flucht. Dokumentarfilm

My Escape / Meine Flucht. Dokumentarfilm

»Ich sehne mich nach der alten Zeit, nach Damaskus vor dem Krieg. Da hat die Stadt nie geschlafen, war rund um die Uhr wach.« Erzählt der junge Syrer Mohammad Ghunaim und lächelt.

. »Zuerst habe ich mich von meinem Opa verabschiedet. Wir sind über siebzig Enkel. Alle sind im Ausland, ich war der letzte in Damaskus. Ich habe zwei Sachen mitgenommen. Eine Hand voll Erde aus Damaskus und den Schal meiner Mutter.« Gemeinsam mit seinem Bruder ist er nach Deutschland geflohen und hat die Flucht mit seinem Handy aufgenommen. Für die meisten Flüchtenden ist das Handy unerlässlich. Sie können dadurch in Kontakt mit der Familie bleiben, ihre Flucht organisieren und auch dokumentieren.

Der Film »My Escape / Meine Flucht« präsentiert Handy-Videos von insgesamt fünfzehn Menschen aus Syrien, Afghanistan und Eritrea, die ihre Flucht nach Europa gefilmt haben. Die Regisseurin Elke Sasse zeigt zudem ausführliche Interviews mit Geflüchteten, die sich ihre Videos anschauen und dabei ihre Geschichten erzählen. Sie schildern die Etappen der Flucht und berichten von Gefahren, Unsicherheit, Angst, Verzweiflung.

Der Film beginnt mit Bildern eines Bombenangriffs, geht dann aber zurück zu alltäglichen Situationen in Damaskus vor dem Krieg: eine Geburtstagsfeier mit Torte und Kerzen, ein Hardrock-Konzert in Damaskus. Durch dieses Format nehmen die ZuschauerInnen Teil am Leben der ProtagonistInnen vor ihrer Flucht. Leben, wie sie auch in Europa stattfinden könnten. In anderen Szenen ist der Alltag für die Menschen kaum auszuhalten. Jeden Morgen und jeden Abend hatte die fünfzehnjährige Toba aus Afghanistan auf dem Schulweg Angst: »Mädchen, die gebildet waren, haben die Taliban schlecht behandelt.« Ein Mann, viel älter als sie, wollte Toba heiraten, und so gab es keinen anderen Ausweg als die Flucht nach Europa.

Die Entscheidung zu fliehen fällt fast immer, weil es nicht mehr auszuhalten ist. »Ich dachte, ich werde vielleicht sterben. Aber wenn ich überlebe, kann ich ein besseres Leben führen. An einem Ort, an dem meine Rechte respektiert werden. In dieser Hoffnung habe ich mich auf den Weg gemacht«, erzählt der Künstler Khaled Abdelkader aus Eritrea.

Die ProtagonistInnen des Films beschreiben ihre Ohnmacht, von SchleuserInnen abhängig zu sein, gezwungen zu sein, ihnen zu vertrauen, weil legale Fluchtwege durch die EU-Politik verstellt sind. Tagelange Fußmärsche durch die Wüste, gefährliche Wanderungen über die Berge, eingeschlossen sein in Transportern, das lange Warten, bis es weitergeht, bis wieder genug Geld da ist, um die nächste Strecke der teuren Reise finanzieren zu können, überfüllte Schlauchboote, die aussehen, als müssten sie gleich untergehen. Da geht es von den einen SchleuserInnen zu den nächsten, oft ohne genau zu wissen, wo sich die Flüchtenden befinden.

Am Ende des Films kommen die Geflüchteten nach Europa und Deutschland: »Du fühlst dich, als würdest du eine Wand durchschreiten. All diese Zäune, die der Mensch erfunden hat, für einen Moment ist das, als würden sie vor den Flüchtlingen umfallen«, beschreibt es Mohammad.

Die Dokumentation zeigt in schlichten Momentaufnahmen den Fluchtalltag in seiner harten Realität. Es ist ein eindrucksvoller, berührender Bericht von Menschen, die ihre Heimat verließen, um sich auf eine lange Reise zu begeben. Sie zeigen auf sehr persönliche und emotionale Weise, warum Menschen fliehen und was sie auf der Flucht erdulden müssen.

von Marie Holdik

My Escape / Meine Flucht. Dokumentarfilm des WDR. Regie: Elke Sasse. 2016, 90 Minuten, in deutscher Sprache / mit deutschen Untertiteln. Frei verfügbar in der ARD-Mediathek und bei YouTube

356 | Warum Menschen fliehen
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