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Sabine Hess et al. (Hg.): Der lange Sommer der Migration.

Dass der Begriff des Grenzregimes in aktuellen Debatten verankert ist, geht auch auf die Arbeiten aus der gleichnamigen Buchreihe zurück. Mit Grenzregime III erschien nun der jüngste Band.

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Kritische Grenzregimeforschung: endlich angekommen?

Wie schon in den beiden Büchern zuvor sollen Theorie und Empirie miteinander vermittelt und somit eine Kritik ins Werk gesetzt werden, die der »Autonomie der Migration« gerecht wird. Bei dieser theoriepolitischen Forschungstätigkeit gelten Grenzregime als »Orte der ständigen Spannung, des Konflikts und der Anfechtung«, welche nie in Gänze einzuhegen sind (Hess und Karakayali). Die Kontrolle und Verwaltung der Migrationsströme muss somit stets erneut scheitern, weshalb die so genannte ›Flüchtlingskrise‹ eigentlich die »historische und strukturelle Niederlage des europäischen Grenzregimes« bedeutet (Hess et al.).

Der Sammelband behandelt vielfältige Gegenstände aktueller Grenzregimeforschung, darunter Asylrechtsverschärfungen und die »Willkommenskultur«. Hervorzuheben ist der Artikel von Neuhauser et al. über Geschlecht und Flucht. Er verhandelt sowohl die wissenschaftlichen Debatten der Border und der Refugee Studies – aus denen die Analysekategorie Geschlecht zumeist getilgt wird – als auch das Gendering der »Flüchtlingskrise«, die als rassistische Abwehr der Anderen damit begreif- und kritisierbar wird. Der Artikel skizziert einen forschungstheoretischen Zugang, der die blinden Flecken kritischer Wissenschaft beleuchtet und somit Interventionen eröffnet.

In anderen Beiträgen ist jedoch ein Mangel an materialistischer Kritik festzustellen. Hiermit widerspricht der Band seinem in der Einleitung umrissenen Ansinnen. So berechtigt plumper Ökonomismus gescholten wird, so sehr ist die Kritik der politischen Ökonomie aus ihm verdrängt. Wird die Restauration des Grenzregimes zwar in einigen wenigen, dafür jedoch sehr guten Artikeln behandelt (besonders Kasparek, Pichl, Moving Europe), fällt anderswo die tendenzielle Überhöhung der Handlungsmächtigkeit von Flüchtlingen auf. Mit der freudigen Kunde vom ins Wanken geratenen Grenzregime scheint sich eine Aufbruchstimmung breit gemacht zu haben, die die Rücksichtslosigkeit der Kritik, wie sie in beiden vorigen Bänden zu finden war, weitgehend zurücklässt. Negative Kritik, wie sie nötig wäre, um den Zumutungen zu trotzen, wird nurmehr mitgeschleift – gleich Überresten, die von einer allzu positivistischen Forschung abfallen.

Bedeutet dies nun, kritische Grenzregimeforschung sei im Bürgertum angekommen? Wohl kaum. Nach wie vor ist ihr der Stachel eigen, sich nicht in den Verhältnissen einrichten zu wollen. Doch erste Abnutzungserscheinungen sind unübersehbar.

 

Sebastian Sternthal

 

Sabine Hess et al. (Hg.): Der lange Sommer der Migration. Grenzregime III.

Assoziation A, Hamburg 2017. 267 Seiten, 18,00 Euro.

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