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Energiewende in Öl - Die EXPO 2017 in Kasachstan

Seit Juni gastiert die EXPO für knapp hundert Tage in der kasachischen Hauptstadt Astana. Mit dem Thema „Energie der Zukunft“ wird versucht, hier anzuknüpfen. Bringt das neue Impulse? Für Kasachstan und dessen „Führer der Nation“, den Präsidenten Nursultan Nasarbajew, ist die Schau ein Prestigeprojekt. Unser Autor Philip Klein hat sich in Astana umgesehen.

Messesplitter 3: Deutscher und Südkoreanischer Pavillon

Es ist nicht wirklich überraschend, dass der Deutsche Pavillon die BesucherInnen der Expo besonders anlockt. Denn auch bei vergangenen Weltausstellungen wurde die Deutsche Repräsentanz oft für gelungene Themenumsetzung prämiert, zuletzt in Mailand 2015. Dieses Mal gibt man sich ebenfalls sehr zufrieden. Für die Qualität der Ausstellung sei man „einhellig gelobt“ worden, ließ Dietmar Schmitz, der Kommissar und oberste Expo-Repräsentant vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), verlauten. Auch war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Besuch, der betonte, Kasachstan sehr gerne beim Ausbau nachhaltiger Energiegewinnung zu unterstützen. Die kasachische Ambition ist es, bis zum Jahr 2050 die Hälfte seines Energiebedarfs aus grüner Herkunft zu decken. Noch stagniert der Anteil bei gerade mal einem Prozent.

Viele Zusicherungen und große Worte. Verfangen wollen sie nicht ganz. Gerade in dieser Zeit, wo der deutschen Automobilindustrie der Kartellvorwurf im Zuge des Dieselskandals einigen Gegenwind beschert, evoziert nicht nur der doch arg futuristisch geratene Elektrowagen von BMW ein gewisses inneres Kopfschütteln. Während China quasi nebenan mit seinen massentauglichen E-Autos Fakten schafft, wirkt das bayrische Fahrzeug eher wie eine Vision oder Studie. Bei alledem passt sehr gut ins Bild, dass Außenminister Sigmar Gabriel im Mai in China verhandelte, den Fortbestand deutscher Verbrennungsmotoren am chinesischen Automarkt zu sichern. Peking hatte zunächst mit einer festen Quote von Elektromobilen im heimischen Fahrzeughandel geliebäugelt, was der deutschen Automobilindustrie vor Ort durchaus Sorge bereitete.

Dennoch ist – wenig überraschend - der BMW ein großer Selfie-Magnet. Wie aus der Zeit gefallen wirkt hingegen die Folklore, welche an den Deutschen Pavillon angegliedert ist: Neben einem Souvenirshop gibt es Gastronomie mit Weißwurst, Brezeln und Bier.

Ungleich erfrischender gibt sich da der Südkoreanische Pavillon. Natürlich wird zum Ende hin mit den hochtechnologischen Pfründen gewuchert: Mit Tablets vom heimischen Multi Samsung dürfen die BesucherInnen in einem gänzlich weißen Raum die Herausforderungen zur nachhaltigen Energieerzeugung und -nutzung nachzeichnen. Dabei scannen die Tablets stilisierte Bäume nach neuen Aufgaben und so dürfen dann die NutzerInnen wie bei einer Schnitzeljagd ihren Energiemix suchen und finden.

Doch um sich an derlei Fragestellungen anzunähern gibt es zunächst Filmvorführungen und Showelemente. Was bei manch anderen Pavillons dann schnell als gängige Praxis identifiziert werden kann, ist im südkoreanischen Fall deutlich kreativer, auch weil plastischer oder einfach: interessanter. So spielt in einem Zeichentrickfilm ein Diesel-Kanister eine äußerst unheilvolle Rolle. Hochdramatisch geht es dabei zu, weil der Treibstoff zum Zankapfel in einer kleinen Liebesgeschichte wird. Diese spielt in einer Zukunft ohne fossile Brennstoffe, wo ein Zeitreisender plötzlich landet und schier daran verzweifelt, sein Flugzeug wieder betankt zu bekommen. Dabei kommt es zur Begegnung mit einer Bewohnerin dieser Welt, die ihn mal hilfsbereit, mal forsch dazu bewegen möchte, stattdessen doch lieber ein Solarflugzeug zu benutzen. Weil aus der Kinoleinwand immer wieder die Charaktere leibhaftig schauspielernd und tanzend heraustreten, ist dies in der Summe recht kurzweilig.

Nun könnte man das alles aufgebläht und kitschig oder unterkomplex finden. Aber neben der klaren Kante gegenüber Diesel sprechen Meldungen vom Juni für sich: Südkoreas Präsident Moon Jae-in versprach binnen fünf Jahren zehn ältere Kohlekraftwerke zu schließen und auf Neubauten zu verzichten. Auch kündigte er einen Komplettausstieg aus der Atomkraft an. Für den weltweit fünftgrößten nuklearen Energieproduzent soll dies allerdings über einen Zeitraum von 40 Jahren geschehen.

Messesplitter 2: Atomkraft, Gas und Öl

Hauptthema der Weltausstellung ist die zukünftige nachhaltige Energieversorgung der Menschheit. Vor diesem Hintergrund verwundern auch manche Ausstellungen des Gastgeberlandes. Atomkraft wird von kasachischer Seite als Brückentechnologie zugunsten von Dekarbonisierung, und gar als saubere Zukunftstechnologie ins Feld geführt. Es werben auch VertreterInnen aus der Öl- und Gasbranche für ihre Technologien. Dass die staatlichen Unternehmen des Gastgeberlandes, Kazatomprom und KazMunayGas, vor Ort sind, ist wenig verwunderlich. Und immerhin stellt KazMunayGas eine eigene – wenn auch wenig Platz einnehmende – Studie zu Windrädern aus. Dennoch lösen die Darstellungen im eigenen Pavillon „World of Nuclear Power“ ein gewisses Befremden aus. Vor allem, wenn Kernkraft stets in einem Atemzug mit Geothermie, Solar-, Wind- und Wasserkraft als ökologisch unbedenklich genannt wird.

Bei der Frage nach der Abkehr von fossilen Energieträgern verwundert besonders ein offizieller Sponsor: Shell. Der britisch-niederländische Konzern stellt einen eigenen Pavillon. Dort werden die guten Geschäftsbeziehungen zu Kasachstan zelebriert, Videoinstallationen zeigen den Präsidenten Nasarbajew dabei, wie er Verträge unterzeichnet. Die Aufmachung des Shell-Pavillons ist vor allem an junge BesucherInnen gerichtet. Simple Versuchsaufbauten bringen Wasser in Wallung, um die Arbeit von Turbinen zu verdeutlichen oder stellen andere Energiegewinnungsformen dar. Etwas  überraschend sind dort auch Modelle zur nuklearen Stromerzeugung zu finden. In der Nähe des Ausgangs werden auch Möglichkeiten alternativer Fahrzeugantriebe angeschnitten, freilich nur hypothetisch. Neben dem Shell-Pavillion gibt es auch einen für Internationale Organisationen. Hier sind unter anderem die Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC) und ihr Fonds für internationale Entwicklung vertreten.

Messesplitter 1: Energiepolitik in den Pavillions der USA und China

Die Vereinigten Staaten und China sind derzeit die Länder mit dem größten CO2 – Ausstoß. Deshalb lag es nahe, deren Pavillons unter dem Aspekt der Energiepolitik etwas genauer zu betrachten. Der Pavillon der USA interpretiert die Thematik der Expo recht eigenwillig. Aus „Future Energy“ wird hier „Infinite Energy“. So wird die Frage aufgeworfen, woher diese unbegrenzte Energie denn kommen soll. „We are the Source of Infinite Energy“, so lautet dann die Auskunft darauf. Das Narrativ der amerikanischen Auftritts dreht sich somit größtenteils um menschliche Innovation und wird am Individuum fest gemacht. Dabei ins Feld geführt werden amerikanische Erfinder wie beispielsweise Thomas Alva Edison mit dessen Glühlampe. So wird kräftig die Werbetrommel hinsichtlich Forschungsgeist, Freiheit und Diversity gerührt. Konkrete Visionen zu Energie und Nachhaltigkeit sucht man allerdings vergeblich. Während Ansätze zur digital verbesserten Energieeffizienz der Stromerzeugung auf Öl- und Gasbasis wenig überzeugen können, nimmt in den Filmvorführungen eine Entwicklung großen Raum ein, die selbst bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hat: „Soccket“, ein Fußball, der mittels Akku nach der Kickerei in der Lage ist, ein Mobiltelefon zu laden. Prototypen dazu gab es bereits vor sieben Jahren.

Eine andere Richtung gibt der chinesische Pavillon bereits im Außenbereich vor: Drei Fahrzeuge der Marke JAC werden zur Schau gestellt. Zwei der Modelle haben reinen Elektroantrieb, dabei auch ein Mittelklassewagen, der auf dem chinesischen Markt für umgerechnet 15.000 Euro vertrieben wird. Im Inneren wird der Bogen über die Nutzung natürlicher Energieträger recht weit gespannt. Es gibt dreidimensionale Darstellungen von Segelschiffen und Wasserrädern. Die Verwertung fossiler Energieträger ist in der chinesischen Ausstellung komplett überwunden. Es werden hochtechnologisierte Städte an die Wände projiziert. Städte, in denen Transport hauptsächlich mit Zügen und Schwebebahnen erfolgt. Städte, die gespeist werden aus einem Energiemix, bestehend aus Wind- und Wasserkraft, Sonnenenergie und aber auch Atomkraft. Dass China einen besonderen Handlungsbedarf bei sich sieht, wundert angesichts der Feinstaubbelastung und dem Smog chinesischer Metropolen wie Lanzhou kaum jemanden. Die Selbstinszenierung will aber ein globales Verantwortungsbewusstsein transportieren. In den Filmvorführungen, die wie bei allen Ländern die Ambitionen hinsichtlich nachhaltiger Energiewirtschaft bestätigen sollen, ist Staatspräsident Xi Jinping stets eingebunden in die Vereinten Nationen zu sehen.

 

Die Vorbereitungen: Astana putzt sich heraus

Noch Wochen nach ihrer Eröffnung erinnert das Gelände der EXPO an eine Großbaustelle. Der Asphalt sieht frisch aus, das platzierte Grün weniger. Verdorrte rechteckige Rollrasenelemente wirken wie liegengelassen und werden hier und da erneuert. Kabel ragen aus dem Boden. Nachdem sich viele BesucherInnen erst nicht sicher waren, ob das so gehöre, fügen sich Skulpturen dann doch Anfang Juli zusammen. Zur Weltausstellung in die Hauptstadt lädt dieses Jahr Kasachstan, sowjetischer Nachfolgestaat, fossiler Rohstoffgigant und autokratisches Regime, in dem seit 1991 alles auf den Präsidenten Nursultan Nasarbajew zugeschnitten ist.

Astana – die ab 1997 aus dem Boden gestampfte Metropole – ist das Machtzentrum des neuntgrößten Flächenlandes der Erde. Der Reichtum Kasachstans, in der Hauptstadt protzig in Szene gesetzt durch Luxusbauten internationaler Architekturgrößen, speist sich aus riesigen Vorkommen an Kohle, Erdöl und Gas. Außerdem ist der zentralasiatische Staat der weltgrößte Uranproduzent. Von diesem Reichtum profitiert vor allem der Machtapparat unter dem unangefochtenen Herrscher Nasarbajew. Seine Selbstdarstellung ist unübersehbar, Zitate von ihm prangen an allen öffentlichen Gebäuden. Dabei inszeniert er sich als gütig und wohlwollend – aber streng. Die Erzählung um ihn könnte Macchiavellis Il principe entsprungen sein. Wenig überraschend, dass der Präsidentenpalast an das Weiße Haus in Washington erinnert.

 

Kasachstan zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Bereits vor der Unabhängigkeit Kasachstans 1991 war Nasarbajew Generalsekretär der zweitgrößten Sowjetrepublik, seitdem ist er Präsident der Präsidialrepublik. Das Land betreibt eine pompöse Außenpolitik, bei der jeder Vorstoß – sei es das Ausrichten des OSZE-Gipfels 2010 oder die Gründung eines östlichen OSZE-Pendants CICA (Konferenz über Interaktion und Vertrauensbildende Maßnahmen in Asien) – stets auf die Initiative des Präsidenten zurückgeht. Die Innenpolitik bleibt eher liegen, und damit auch gesellschaftliche Transformationsprozesse: Im Ranking zur Pressefreiheit listet Reporter ohne Grenzen Kasachstan dieses Jahr auf Platz 157 von 180 Staaten. Wichtiger scheint es der Regierung zu sein, außenpolitisch auf enge Handelskooperation und regionale Stabilität zu setzen. Demokratisierungsversuche werden abgewehrt. Emanzipationsversuche gegenüber Russland wie in Georgien, Kirgistan - derzeit demokratischer Vorreiter Zentralasiens - und der Ukraine werden als katastrophal dargestellt. Nasarbajew sagte im Interview mit Euronews 2010 dazu: „Wirtschaft zuerst, dann Politik“.

Die Beziehung zu Russland ist speziell. Eine Abgrenzung soll höchstens in sanften Dosierungen stattfinden, bis 2025 soll das kyrillische Alphabet aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Wegen der Einhegung der russischen Minderheit im Norden des Landes wurde die Hauptstadt vom südlichen und geschichtsträchtigen Almaty ins „Dubai Zentralasiens“ verlegt: nach Astana. Neben der Suche nach der geeigneten Haltung Moskau gegenüber – Nasarbajew ließ sich auch schon damit zitieren, Putin und er seien einander von Gott geschenkt – besteht ein weiteres Relikt aus Sowjetzeiten, das die Bevölkerung beschäftigt: Korruption. Der ist zwar in großem Stil der Kampf angesagt. An den Bahnhöfen finden sich Plakate, und in den Briefkästen Flyer der Antikorruptionseinheit. An der Universität werden Seminare unterbrochen, weil VertreterInnen der Behörde Aufklärung betreiben. Doch im Alltag zeigt sich die Anfälligkeit von LehrerInnen und ÄrztInnen, deren Gehälter kaum zum Leben reichen. Auch die Expo-Organisation ist betroffen. Nachdem von Seiten des Präsidenten eine Marke von fünf Millionen BesucherInnen festgelegt worden war, sollten auch entsprechend viele Tickets Abnehmer finden. Also werden sie in großem Umfang weitergereicht. Nicht nur die nationale Flugline Air Astana vergab zeitweise für jeden Flug ein EXPO-Ticket. Es wurden Fälle bekannt, wie Behörden große Ticketmengen mit teils brachialen Mitteln unter die Bevölkerung brachten. BürgerInnen wurden zu Ticketkäufen gedrängt, ganz gleich ob sie die Großveranstaltung besuchen wollten oder nicht. Nun blüht der illegale Onlinehandel derer, die ihre Tickets wieder abstoßen wollen. Eine Tageskarte kostet umgerechnet knapp 20 Euro. Das kann durchaus ein Zehntel eines Monatsgehalts sein.

Das inhaltliche Thema der zukünftigen Energiesicherung kommt zur rechten Zeit, vor allem für Kasachstan selbst. Das Land ist im Besitz großer fossiler Rohstoffvorkommen, aber allzu zukunftsträchtig ist die Branche nicht. Mit den Exporteinnahmen hat das Erdölförderland die Chance, sich für das postfossile Zeitalter aufzustellen. Dies haben schon etliche Rohstoffförderländer verschlafen. Eine zukunftsträchtige „Neue Ökonomische Politik“ könnte theoretisch eine funktionierende Landwirtschaft, produzierendes Gewerbe, neue Technologien, erneuerbare Energien und Bildung fördern. Andererseits hat das Land seine Mühe, die Rolle des klimafreundlichen Gastgebers glaubwürdig zu spielen. Bei den CO2-Emissionen folgt der zentralasiatische Staat bei der Negativstatistik dicht auf die Vereinten Staaten und stößt pro Kopf immer noch mehr aus, als Industrienationen wie Deutschland oder Japan. Dass bei der EXPO am helllichten Tag pyrotechnische Spektakel zu sehen sind, wirkt dann besonders befremdlich.

 

„Energie auf dem richtigen Weg“

Es sind nicht nur die Emissionen, durch welche Kasachstan kaum zur Galionsfigur des Umweltschutzes taugt. Die Uranproduktion passt ebenfalls nicht in dieses Bild. In den Außenbeziehungen zu Japan wird zwar an gemeinsam erlittenes nukleares Unglück erinnert, denn im kasachischen Semipalatinsk liegt ein strahlenverseuchtes, sowjetisches Testgelände für Atomwaffen. Auch wird sich bei jeder Gelegenheit für die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen stark gemacht. Doch in der Rolle als Uranproduzent schweigt man zu Fukushima und behandelt bei der Expo Atomkraft ausdrücklich als Zukunftsenergie. Daher hat der Staatskonzern Kazatomprom folgerichtig seinen eigenen Pavillon auf der Weltausstellung. Wenn nun seinerseits der Deutsche Pavillon, mit 1200 m² der größte bei der EXPO, seine Tore öffnet, hat man dort nicht im Sinn, zu tadeln oder den Atomausstieg allzu offenherzig zu promoten. Das eigene Motto „Energy on Track“ übersetzen die Verantwortlichen mit „Energie auf dem richtigen Weg“. Dabei werden die BesucherInnen in die Funktionsweise von Flussturbinen, Windrädern, Solarzellen und geothermischen Bohrungen eingeführt.

Der weitere Ausstellungsbereich soll die Menschen im urbanen Lebensumfeld ansprechen, mit Smarthouses, Wohngebäuden, die über ihren Bedarf hinaus selbst Energie produzieren, beispielsweise durch Solarzellen in der Fassade. Auch Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind zu sehen, BMW tritt auf, und alle inszenieren sich als revolutionär. Dass der amerikanische Elektro-Fahrzeughersteller Tesla der deutschen Autolobby mit ihrer Klammerung an Verbrennungsmotoren längst davon gefahren ist – geschenkt. Deutsche Autos gehen wohl immer. Beim Thema Solarzellen fehlt jeder Hinweis darauf, dass die chinesische Konkurrenz hier abgeräumt hat, was sich derzeit besonders bei der insolventen SolarWorld AG zeigt.

Geografisch hat Kasachstan durchaus Kapazitäten für grüne Energie. Der Wind der Steppe hat Deutschland bereits zur Unterstützung des kasachischen Windpark Yerementau I gelockt, an Sonnenstunden herrscht ebenfalls kein Mangel und Wasserkraft deckt schon heute zwölf Prozent des Energiebedarf des Landes. Die wirtschaftlichen Verbindungen sind kräftig, auch wegen kasachischer Zuwanderung nach Deutschland sowie einer deutschen Minderheit in Kasachstan. Dennoch ist die Zurschaustellung einer reibungslosen Energiewende befremdlich, wenn man etwa an die aktuelle erfolgreiche Entschädigungsklage der deutschen Stromkonzerne denkt. Bei der Weltausstellung liegen die Interessen Deutschlands auf der Hand: der Export von Technologie und Know-How. Aber wird die Weltausstellung eine Öffnung Kasachstans mit sich bringen? Das darf bezweifelt werden. Zwar hat Präsident Nasarbajew im Frühjahr noch schnell eine Verfassungsänderung auf den Weg gebracht, die dem Parlament mehr Rechte einräumt. Jedoch beinhaltet diese eine Immunitätsklausel für sich und seine Familie.

 

Philip Klein studiert Friedens- und Konfliktforschung an der Uni Magdeburg.

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